Losung des Tages

17. Juli 2019

Der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Werken, die er tut.
Daniel 9,14

Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis.
Jakobus 1,17
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Archiv der "Gedanken zum Monatsspruch"

Gedanken zum Monat | Archiv 2019
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  • Dezember
Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Januar: 1. Mose 9,13
Gott spricht: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

Lieber Leser!

So ein neues Jahr ist für viele Menschen Grund und Anlass genug, um etwas Neues auszuprobieren. Auch Gott liebt Neuanfänge. Mit Noah fängt eine neue Ära an. An Noah selbst macht sich das nicht fest. Die neue Schöpfung nach der großen Flut ist nicht das Paradies. Die Menschen sind nicht besser geworden.

Gott gibt sich da keiner Illusion hin: Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. (1. Mos 8,21) So wird es festgestellt. Was auch immer wir uns vornehmen für das neue Kalenderjahr; Schuld, Versagen, Scheitern werden ganz sicher auch dazugehören. Machen wir uns da bloß nichts vor!

Und doch stellt der 1. Tag nach der Flut den Beginn eines neuen Zeitalters dar. Es beginnt das Zeitalter der Gnade. Ich will die Erde nicht mehr verfluchen um des Menschen willen. Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, spricht Gott. (1. Mos8,21) Gott entscheidet sich dafür, dass seine Zuwendung und seine Fürsorge nicht mehr von menschlicher Gutartigkeit abhängen sollen. Allen Menschen wird Leben und Lebensqualität versprochen.

Gott lässt seine Sonne auch über böse Menschen scheinen. (Matthäus 5,45) So ist das neue Jahr auch ein Gnadenjahr. Gott schließt einen Bund. Darin legt er sich einseitig auf Gnade fest. Vom Menschen wird nichts erwartet. Es ist kein Bund auf Augenhöhe. Es ist eine Selbstverpflichtung des Schöpfers und Kosmoslenkers gegenüber seinen Geschöpfen. Der Regenbogen soll uns daran erinnern. Wenn es regnet, mitten in die "Bedrohung" hinein, strahlt Gottes Licht und bricht sich in schönen Farben. Solange die Erde steht. Das ist der große Vorbehalt.

Wenn die neue Erde kommt und wenn die neue Zeit anfängt, greift der neue Bund, den er uns wieder ganz einseitig und ohne Vorleistung anbietet. Die "Magna Charta", das Grundgesetz des neuen Bundes lautet: Wer an Jesus Christus glaubt, ist gerettet. Wenn du zu ihm gehörst, bist du ausgesondert, ausgewählt für Gottes Ewigkeit. Und wer immer das ist, wird automatisch zur königlichen Priesterschaft gerechnet und soll verkündigen die Wohltaten dessen, der uns berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. (1. Petrus 2,9)

Ich wünsche allen, die durch Jesus priesterlichen Dienst im neuen Jahr tun, seinen reichen Segen. Solange noch Gnadenzeit ist, sollen Menschen für Gott gerettet werden.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Februar: Römer 8,18
Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Lieber Leser!

Paulus hat das Bild einer Waage vor Augen. Die eine Waagschale ist gefüllt mit allem, was uns das Leben schwer macht, alles Leid und aller Kummer. Auf der anderen Seite ist die Herrlichkeit Gottes, die uns erwartet, wenn wir als Kinder Gottes sichtbar werden. Paulus ist sich ganz sicher: Die Waage schlägt eindeutig aus. Das Leid der Welt ist ganz leicht, ja winzig, wenn wir die Herrlichkeit Gottes erleben werden. Der Kummer, den wir jetzt erleben, wird nicht mehr ins Gewicht fallen.

Es geht hier nicht um fromme Augenwischerei oder um das Hinwegtrösten über schwere Schicksalsschläge. Gerade ein Paulus hat sehr gelitten. Er ist verfolgt worden. Man hat ihn geschlagen. Eine Steinigung hat er gerade mal so überlebt.
Die eigenen Leute haben ihn verächtlich behandelt. Sie haben ihm viel Übles nachgeredet. Eine chronische Erkrankung hat ihn in seinem Dienst behindert. Das Schwere seines eigenen Lebens stand ihm also deutlich vor Augen.

Als meine Frau und ich vor fast 18 Jahren unser viertes Kind in den Armen gehalten haben, haben wir auch nicht gewusst, dass uns damit auch eine Last fürs Leben mitgegeben worden ist. Natürlich hat Gott uns auch die Kraft, den Mut und die Liebe für dieses behinderte Kind gegeben, aber es gab auch schwere Zeiten. Eine Frau, die ihren Ehemann liebevoll pflegt und ihm die Hand hält, bis er stirbt, tut es auch aus Liebe zu ihm. Aber es ist trotzdem schwer und es schmerzt.

Paulus erinnert uns daran, dass wir immer auch Teil der Schöpfung sind, auch wenn wir den Heiligen Geist als Gottes Anzahlung auf den Himmel schon haben. Aber wir sind deshalb nicht immun gegen das Leid der Welt. Die ganze Schöpfung seufzt. Sie seufzt wie eine Mutter vor ihrer Entbindung im Kreißsaal. (Röm 8,22) Die ganze Welt liegt im Gebärzimmer. Aber wer immer da liegt, liegt und leidet in großer Hoffnung. Eine neue Schöpfung wird geboren, wenn Christus wiederkommt und die Kinder Gottes offenbar werden. Diese Hoffnung ist es, eine Kraft im Hier und Jetzt.

In Eritrea, in Nordostafrika, werden Christen in alten Schiffscontainern gefangen gehalten. Ab und zu kommt ein Soldat vorbei, gibt ihnen ein wenig zu trinken und fordert sie auf, ihrem Glauben abzuschwören. Wenn sie das tun, können sie gehen, sind sie frei. Es sind unmenschliche Zustände. Es ist ein Leid, das bis an die Grenze des Erträglichen geht. Aber keiner von den Gefangenen ist bereit, die lebendige Beziehung zu ihrem Erlöser Jesus Christus aufzugeben, um zu einer toten Religion zurückzukehren. Sie wissen, dass Jesus für sie gestorben und auferstanden ist. Es gibt für sie eine herrliche Zukunft, die sie nicht durch eine momentane Erleichterung ihrer Lebenssituation aufs Spiel setzen möchten.

Durch Jesus bin ich erlöst, freigekauft und bin ein Kind Gottes! Und einmal wird seine ganze Herrlichkeit an mir offenbar werden!

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für März: 1. Samuel 7,3
Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu und dient ihm allein.

Lieber Leser!

Es gibt die Aktion "Ein Herz für Kinder" und es gibt Menschen, die haben ein Herz für Tiere, für Menschen in Not oder für eine bestimmte Partei. Samuel, bereits mit 12 Jahren zum Dienst für den Herrn berufen, wirbt für ein Herz, das sich Gott zuwendet. Nach langen Zeiten der Gottesferne gibt es wieder eine Sehnsucht der Israeliten nach Gemeinschaft mit Gott.

Samuel selbst hat nie aufgehört, genau dafür zu beten. Samuel hat auch das Wort Gottes in finsteren Zeiten hochgehalten. Und jetzt schenkt Gottes Geist eine Erweckung. Da ließ der Prophet das ganze Volk versammeln. Die Sehnsucht braucht eine konkrete Ausrichtung. Es folgen klare Worte: Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem Herrn bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter und die Astarten und richtet euer Herz zu dem Herrn und dient ihm allein, so wird er euch erretten aus der Hand der Philister. (Vers 3)

Ich vermute, dass viele, die das lesen, irgendwann in ihrem Leben ein klares "Ja" zu Gott und zu seinem Angebot in Jesus gesprochen haben. Da drückt sich die Sehnsucht aus. Mit der Sehnsucht nach Gottesnähe fängt es oft an. Aber wenn dem nicht klare Konsequenzen folgen, verliert sich der gute Anfang. Wenn danach das Leben ohne Veränderungen einfach weiterläuft, ist die Sehnsucht bald nur noch eine blasse Idee.

Für die Israeliten hieß das damals: Die Heiligtümer der Astarten und der Baale wurden beseitigt. Der Götzendienst wurde radikal abgeschafft. Den Mächten, denen ich mich bisher verschrieben habe, den Dingen, die bisher meine Aufmerksamkeit bekommen haben, entsage ich. Ich schneide alles weg, was meine Konzentration auf Gott hindert. Wie heißt es so schön in einem Lied: Heiß oder kalt, ja oder nein. Niemals wollen wir lauwarm sein. Halb für Gott, halb für die Welt, ist, was Gott nicht gefällt.

Für mich hieß das vor über 30 Jahren: Abkehr vom Marxismus-Leninismus, von einer Ideologie, die den lebendigen Gott verneint. Damit gingen auch viele Freundschaften kaputt und Beziehungen wurden beendet. Heute empfinde ich die ungeteilte Zuwendung meines Herzens zu Gott als eine noch größere Herausforderung. Komfortdenken und die Sehnsucht nach immer besseren Lebensbedingungen, Beliebigkeit, Oberflächlichkeit bilden zusammen-genommen eine starke Konkurrenz.

Und so fängt jeder Tag mit einer Entscheidung an: Heute will ich Gott mit einem ungeteilten Herzen dienen. Ich wünsche uns eine Erweckung, eine starke Sehnsucht nach einer Gemeinschaft mit Gott. Ich wünsche uns ein Leben mit einer klaren Ausrichtung.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für April: Matthäus 28,18-20
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Lieber Leser!

Letzte Worte haben Gewicht. Da wechselt man keine Belanglosigkeiten. So auch hier. Der Sendungsauftrag ist nicht einfach so dahingesagt. In vielen Bibelausgaben ist er deshalb auch fettgedruckt. Mir ist gegeben alle Gewalt, sagt der auferstandene Jesus. Damit fängt alles an. Früher hat man Könige so begrüßt: Ihm ist gegeben alle Macht und Gewalt.

Hier steht einer mit absoluter Vollmacht. Er hat Tod und Teufel besiegt. Er hat Menschen von Belastungen befreit. Gott hat ihm alles in die Hand gelegt. Im letzten Gericht stehst du vor ihm. Das letzte, entscheidende Wort über dein Leben wird er einmal sprechen. Geht hin zu den Menschen, sagt Jesus. Sagt ihnen, wer am längeren Hebel sitzt. Gebt den Leuten Bescheid. Ihr alle seid Bescheidsager. Ihr Christen seid der Einschreibebrief mit Rückantwort. Und indem ihr es ihnen sagt, wird es für sie ernst. Sie können sich dann nicht mehr rausreden. Das gute Evangelium von der Rettung kann man nicht ohne Konsequenzen so einfach in den Wind schlagen.

Mir ist alle Macht gegeben, sagt Jesus. Wie gut, dass diese Macht nicht uns gegeben ist. Am Ende würden wir noch versuchen, die Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. Jesus allein kann Menschenherzen berühren. Der Geist Gottes kann Menschen bewegen. Jesus hat die Macht, Schuld zu vergeben und Gotteskindschaft zu schenken. Mit meiner Macht im Rücken sollt ihr "jüngern", sagt Jesus. Es ist im Griechischen nur ein Wort. Ein Jünger ist ein Christ, der es gelernt hat, Jesus nachzufolgen. Umkehr, bewusste Annahme des Evangeliums, Taufe, Nachfolge – so sieht der Weg aus, den das Neue Testament beschreibt.

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, sagt Jesus. Hier schließt sich der Kreis. Den, der Vollmacht hat, kann nichts aufhalten. Seine bleibende Gegenwart ist uns sicher. Und hier ist weniger von einem Ende die Rede, sondern mehr von einem Ziel. So kann man das griechische Wort übersetzen. Ich bin bei euch, bis ihr ans gute Ziel kommt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Mai: 2. Samuel 7,22
Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.

Lieber Leser!

Der Hütejunge David aus Bethlehem kommt an den Hof des Königs Sauls. Aber mit der Zeit empfindet ihn der König mehr und mehr als Bedro­hung. Es folgen Jahre der Flucht und David muss sich oft verstecken. Als Saul im Krieg fällt, kürt der Stamm Juda David zum König. Spä­ter wird er auch von den Juden, die in den nördlichen Gebieten leben, anerkannt.

Nachdem David Jerusalem als Hauptwohnsitz für sich und als Hauptstadt für ganz Israel erklärt hat, kommt die Bundeslade auch dorthin. David, der Umherziehende, wird sesshaft. Nun, so meint David, soll auch der Gott, den er verehrt und der sein Tun sichtbar gesegnet hat, ein "schönes" Haus bekommen. Er bespricht das alles mit dem Pro­pheten Nathan, der das Vorhaben zunächst unterstützt und dann durch einen Traum hinterfragt. So spricht der Herr: Du willst mir ein Haus bauen als Wohnung für mich? Wahrhaftig, nie habe ich in einem Haus gewohnt... ich bin umherge­zogen bis zum heutigen Tag. (vgl. 2. Sam 7,5-6)

Da kommen die Fragen auf: Kann man Gott auf ein Haus reduzieren? Lässt Gott sich in Mauern "einsperren"? Ist Gott nicht viel mehr der, der seinen Weg souverän mit den Menschen geht, der unter­wegs ist und nur in der Bewegung erfahren wird? Sesshaftigkeit mag uns ja gefallen, aber Gott will keine Wurzeln schla­gen; auch nicht in einem schönen Gemeindehaus.

Ich bin in meinen Leben schon oft umgezogen. Nun könnte man mei­nen, dass das übt, beweglich zu blei­ben. Aber dem ist nicht so. Die Sehn­sucht, sich zu verorten, bleibt. Gottes Sehnsucht sieht anders aus. Er will bei seinen Menschen sein und nicht nur ab und zu am Sonntag von ihnen besucht werden.

Und dann wird dem David gesagt: Ich will dir ein Haus bauen, spricht Gott. (Vers 11) Du sollst Nachkom­men haben, ein Haus voller Men­schen, ein menschliches Haus. Ich will dafür sorgen, dass dein König­tum Bestand hat und dein Thron feststeht. Gott, dem David ein Haus bauen will, dreht das Vorhaben um und verspricht dem König ein bleibendes Haus, ein lebendiges Haus, wo das Leben pulst, wo eine Generation die nächste ablöst und der Segen wei­terfließen kann.

Gott braucht kein Haus, aber wir leben von seinen Verheißungen, von seinen Zusagen und seiner Zuwendung. Die Gemeinde Gottes ist das geistliche Haus, das Jesus aus lebendigen Steinen errichten will. (1. Petr2) David, der plötzlich spürt und erlebt, wie Gott an ihm und über ihn hinaus handelt, staunt und bekennt: Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unseren Ohren ge­hört haben. (Vers 22) Wo ein Mensch das Handeln Gottes in seinem Leben persön­lich erkannt hat, kommt es ganz automatisch zu einem Bekennt­nis zu diesem großartigen Gott, der nicht an menschengemachte Räume gebunden ist.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juni: Sprüche 16,24
Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.

Lieber Leser!

Honigseim ist wahrscheinlich unverarbeiteter Honig, der einfach aus den Waben abfließt und in dem zum Beispiel auch Propolis enthalten ist. Dieses Kittharz verfügt über antivirale, biotische Wirkungen und verhindert, dass sich Krankheiten im Bienenstock ausbreiten können. Freundliche Worte haben also eine heilende, schützende Wirkung. Sie sind wie eine stärkende, vorbeugende Arznei.

Die Zunge, der kleine Muskel in unserem Mund, ist ein mächtiges Ding. (Jakobus 1) Mit ihm kannst du Worte sagen, die verbinden, die aufbauen, stärken, trösten. Du kannst damit aber auch verletzen, Wunden reißen, Lügen verbreiten und Menschen auf Dauer schädigen. Es liegt an dir. Diese sogenannten "Fake-News" sind mit Absicht verbreitete Falschmeldungen. Und sie gibt es nicht nur in der Politik oder in den Medien, sondern sie kursieren leider auch in christlichen Gemeinden.

Mit deinen Worten kannst du Gott loben und dich zu Jesus bekennen. Du kannst ein Zeugnis geben und anderen sagen, wie wichtig dir dein Glaube ist. Natürlich kannst du auch stumm sein und schweigen. Aber dass "Schweigen Gold ist", stimmt nicht immer. Manchmal denke ich nach einer Begegnung: Hätte ich doch bloß was gesagt! Und ich bedauere es sehr, dass ich wieder einmal meinen Mund gehalten habe.

Wir werden einmal Rechenschaft ablegen über jedes gesprochene Wort. Jesus erinnert uns daran. (Mt. 12,33-37) Und er sagt, dass die Worte, die wir sprechen, Rückschlüsse zulassen auf unsere Herzenshaltung. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens. (Mt. 12,35) Wie sieht es in meinem, in deinem Herzen aus? Manchmal erschrecke ich mich da. Da lauern Stolz und Überheblichkeit neben Neid und Missgunst.

So kann ich nur jeden neuen Tag dieses Gebet sprechen und vielleicht ist es ja auch dein Gebet:
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen beständigen Geist. Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. Psalm 51,12-14

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juli & August: Jakobus 1,19
Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.

Lieber Leser!

Wir haben es hier wahrscheinlich mit einem "Unterrichtsstoff" für Anfänger im Glauben zu tun. Menschen, die Jesus ihren Herrn nennen, die sich auf seinen Namen taufen lassen, kommen in die christliche Gemeinde, und es werden ihnen Regeln für den Umgang miteinander an die Hand gegeben. Junge Christen bekommen einen Grundkurs in Kommunikation. Und für Christen, die sich da schwer tun, gibt's ein Auffrischungsprogramm.

Zuhören ist wichtig, wird ihnen gesagt. Darin sollen sie fix, schnell sein. Leider ist nämlich der Mund immer recht schnell. Aber was für eine Wohltat, wenn es Geschwister im Raum der Gemeinde gibt, die in der Lage sind, die darin geübt sind, dir zuzuhören. Es ist eine Grundqualifikation der Seelsorge. Es ist die Basis jeder Form von Beratung und Therapie. Jesus, der viel im Gespräch mit den unterschiedlichsten Leuten war, hat sich die Not, die Sorgen und das, was sie bewegt hat, angehört. Als seine Jünger vom Missionseinsatz zurückgekommen sind, hat Jesus sich alles angehört, was sie so erlebt haben. (Markus 6, 30)

Wo gibt es das in der Gemeinde? Wo kannst du erzählen, was dich beschäftigt und andere fallen dir nicht gleich ins Wort oder sprechen lieber über sich selbst? Mit dem Reden sollst du "langsam" sein, weil das sowieso gut entwickelt ist und wir dazu neigen, den Redefluss des anderen gerne zu unterbrechen. Ich höre, was mein Gesprächspartner erzählt und mir fallen zeitgleich ganz viele Möglichkeiten ein, mich jetzt dazu zu äußeren. Ich habe eine gegensätzliche Meinung. Ich habe zu diesem Thema auch was erlebt. Sich da jetzt zu bremsen, fällt schon schwer ... Darum: Höre gut zu und setzte dein Worte sparsam ein! Es ist eine Haltung, geprägt von Wertschätzung und Achtsamkeit.

Zuletzt, aber deshalb nicht weniger wichtig: Sei langsam zum Zorn. Wenn mich was aufregt, wenn in mir die Wut hochkocht, dann ist es besser, einen Abstand zu diesen starken Gefühlen zu bekommen, damit ich selbst die Chance habe, mich zu sortieren und mir Gedanken zu machen, wie ich das jetzt ausdrücken kann. Das sofortige "Lospoltern" ist oft schädlich. Dabei ist die Zornkraft an sich nicht schlecht. Es geht wie beim Hören und beim Reden wieder um die Dosierung und den richtigen Zeitpunkt.

Es gibt zwei Bibelstellen, wo Jesus kontrolliert und zielgenau zornig gewesen ist. Einmal wollten seine Jünger verhindern, dass Kinder zu ihm kommen können. (Markus 10, 13-16) Und dann gibt es die Szene im Tempel: Jesus wirft die Tische der Geldwechsler um. (Matthäus 21, 12- 17) In beiden Situationen hat sich Jesus voll im Griff, zeigt aber sehr klar, was ihn zornig macht: Kindern wird der Zugang zu ihm selbst verweigert. Der Tempel wird missbraucht. Seine eigentliche Bestimmung als Bethaus wird vernachlässigt.

Schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn – das ist nicht nur ein Lernprogramm für Anfänger. Die Erinnerung an einen gelungenen Umgang in der Gemeinde, wenn es um die Kommunikation geht, ist auch für "alte Hasen" nötig.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juli & August: Jakobus 1,19
Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.

Lieber Leser!

Wir haben es hier wahrscheinlich mit einem "Unterrichtsstoff" für Anfänger im Glauben zu tun. Menschen, die Jesus ihren Herrn nennen, die sich auf seinen Namen taufen lassen, kommen in die christliche Gemeinde, und es werden ihnen Regeln für den Umgang miteinander an die Hand gegeben. Junge Christen bekommen einen Grundkurs in Kommunikation. Und für Christen, die sich da schwer tun, gibt's ein Auffrischungsprogramm.

Zuhören ist wichtig, wird ihnen gesagt. Darin sollen sie fix, schnell sein. Leider ist nämlich der Mund immer recht schnell. Aber was für eine Wohltat, wenn es Geschwister im Raum der Gemeinde gibt, die in der Lage sind, die darin geübt sind, dir zuzuhören. Es ist eine Grundqualifikation der Seelsorge. Es ist die Basis jeder Form von Beratung und Therapie. Jesus, der viel im Gespräch mit den unterschiedlichsten Leuten war, hat sich die Not, die Sorgen und das, was sie bewegt hat, angehört. Als seine Jünger vom Missionseinsatz zurückgekommen sind, hat Jesus sich alles angehört, was sie so erlebt haben. (Markus 6, 30)

Wo gibt es das in der Gemeinde? Wo kannst du erzählen, was dich beschäftigt und andere fallen dir nicht gleich ins Wort oder sprechen lieber über sich selbst? Mit dem Reden sollst du "langsam" sein, weil das sowieso gut entwickelt ist und wir dazu neigen, den Redefluss des anderen gerne zu unterbrechen. Ich höre, was mein Gesprächspartner erzählt und mir fallen zeitgleich ganz viele Möglichkeiten ein, mich jetzt dazu zu äußeren. Ich habe eine gegensätzliche Meinung. Ich habe zu diesem Thema auch was erlebt. Sich da jetzt zu bremsen, fällt schon schwer ... Darum: Höre gut zu und setzte dein Worte sparsam ein! Es ist eine Haltung, geprägt von Wertschätzung und Achtsamkeit.

Zuletzt, aber deshalb nicht weniger wichtig: Sei langsam zum Zorn. Wenn mich was aufregt, wenn in mir die Wut hochkocht, dann ist es besser, einen Abstand zu diesen starken Gefühlen zu bekommen, damit ich selbst die Chance habe, mich zu sortieren und mir Gedanken zu machen, wie ich das jetzt ausdrücken kann. Das sofortige "Lospoltern" ist oft schädlich. Dabei ist die Zornkraft an sich nicht schlecht. Es geht wie beim Hören und beim Reden wieder um die Dosierung und den richtigen Zeitpunkt.

Es gibt zwei Bibelstellen, wo Jesus kontrolliert und zielgenau zornig gewesen ist. Einmal wollten seine Jünger verhindern, dass Kinder zu ihm kommen können. (Markus 10, 13-16) Und dann gibt es die Szene im Tempel: Jesus wirft die Tische der Geldwechsler um. (Matthäus 21, 12- 17) In beiden Situationen hat sich Jesus voll im Griff, zeigt aber sehr klar, was ihn zornig macht: Kindern wird der Zugang zu ihm selbst verweigert. Der Tempel wird missbraucht. Seine eigentliche Bestimmung als Bethaus wird vernachlässigt.

Schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn – das ist nicht nur ein Lernprogramm für Anfänger. Die Erinnerung an einen gelungenen Umgang in der Gemeinde, wenn es um die Kommunikation geht, ist auch für "alte Hasen" nötig.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

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Monatsspruch für Januar: 5. Mose 5,14
Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren.

Lieber Leser!

Das ist wohl ein Gebot, das viele Pastoren übertreten. Selbst der Montag als sogenannter "Pastorensonntag" hilft da nicht, denn auch da klingelt das Telefon oder es finden Trauerfeiern statt. Aber die Einhaltung des Ruhetages ist nicht nur für hauptamtliche Mitarbeiter ein Problem. Der freie Tag wird oft genutzt, um liegengebliebene Arbeiten zu erledigen. Endlich habe ich mal Zeit, um meinen Schreibtisch aufzuräumen oder meine Emails zu beantworten.

Und schon habe ich die Chance vertan, die Ruhe, die Unterbrechung zu gestalten, die Gott selbst verordnet hat. In einer Zeit, wo man zum Beispiel auch am Sonntag einkaufen kann, wird es immer schwieriger von "seinen Werken zu ruhen". Aber Sabbat ist mehr als Pause machen. Für Juden war es immer auch ein Fest nach der Arbeit, eine Zeit zum Freuen, zum Danken, zum sich Besinnen. Es ist die Zeit, die die Arbeitswoche sinngebend abschließt. Die gesetzliche Sonntagsruhe im Interesse des Arbeitenden gibt es in Deutschland erst seit 1891.

Im Hebräerbrief (4,1ff.) ist von einer Ruhe die Rede, die Gott für sein Volk und für die Vollendung dieser Welt bestimmt hat. Es wird ausdrücklich gesagt, dass wir auf diese Ruhe zugehen und darauf achten sollen, nicht zu Fall zu kommen und sie nicht zu verpassen. Der Sabbat, der für Christen am Sonntag gefeiert wird, weil Jesus Christus am ersten Tag der Woche von den Toten auferstanden ist, erinnert uns daran, dass einmal diese Zeit der Unruhe vorbei sein wird. Gottes Ziel ist die vollendete Ruhe.

Und so ist dieser Tag auch Gottes Tag. Es ist nicht "mein" freier Tag. Was auch immer ich mit dem Sonntag anfange, ich sollte wissen, dass ich es mit Gottes eigenem Tag zu tun habe. Dieser Tag ist und bleibt sein Eigentum. Darum heißt es auch im Glaubensbekenntnis der deutschen Baptisten von 1847 in Artikel 12 zur Sonntagsheiligung: "Der Tag des Herrn soll nach dem Beispiel der ersten christlichen Kirche, als der Christen Sabbat gefeiert werden, zur Beförderung göttlicher Erkenntnis und wahrer Gottseligkeit zur herzlichen Verbindung der Glieder Christi, sowie zur Arbeit für das Reich Gottes. Wir halten darauf, dass jeder an diesem Tage die Heilige Schrift häufiger lese, dass die Kinder aus derselben unterrichtet werden und dass man den Gottesdienst regelmäßig besuche,"

Und abschließend wird in diesem Artikel festgehalten: "Wir achten diesen Tag als eine köstliche Gabe unseres Gottes, für das Bestehen einer christlichen Gemeinde durchaus notwendig." In diesem Sinne freue ich mich auf die vielen Begegnungen an den Sonntagen in den Gottesdiensten im neuen Jahr!

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Februar: 5. Mose 30,14
Das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Lieber Leser,

wenn uns etwas sehr wichtig ist, dann sprechen wir manchmal von einer Herzensangelegenheit. Mir ist es eine Herzensangelegenheit, dass ich mich ausreichend in der Natur bewegen kann. Es gibt Menschen, denen ist es ganz wichtig, dass die Wohnung gut aufgeräumt ist. Anderen liegt ihre Gesundheit sehr am Herzen.

Bei Mose geht es um das Wort Gottes. Es soll nicht als gebundenes Buch im Schrank stehen. Es soll gelesen, verstanden und in meinem Herzen sein.

Als ich vor gut 30 Jahren das erste Mal eine Bibel in der Hand gehalten habe, da hat es mir nicht gereicht, die Texte nur zu lesen. Ich habe Tag für Tag ganz viele Bibelverse auswendig gelernt. Und ich habe sie leise oder auch halblaut vor mich hingesprochen. Das Wort Gottes hat mich so begleitet und in meinen Alltag hineingewirkt.

Mit dem Wort Gottes sollte man achtsam umgehen. Man soll es nicht verbiegen, bis es mir passt. Wenn ich in der Bibel lese, dann werde ich nicht nur getröstet oder ermutigt. Den Texten und Geschichten dieses Buches erlaube ich es auch, dass sie mich hinterfragen und mir den Spiegel vorhalten. Und was ich da sehe, gefällt mir nicht immer.

Der Gemeindetradition, zu der unsere Gemeinde gehört, war die Bibel mal ganz wichtig. Äußere Formen, etwa wie man Gottesdienste feiert oder wie der Gottesdienstraum auszusehen hat, wurden darüber eher vernachlässigt. Hauptsache ist doch, dass das lebendige Wort Gottes sich unter uns entfalten kann! Heute weiß ich nicht mehr genau, ob wir noch eine Bibelbewegung sind. Es gibt im deutschen Sprachraum ca. 35 Übersetzungsvarianten. Aber was nützt uns dieser Sprachreichtum!

Ich wünsche es mir von Herzen, dass das Wort Gottes nahe bei uns ist, in unserem Mund und in unserem Herzen ist, damit es durch den Heiligen Geist kraftvoll in unser Leben hineinspricht und unser Tun lenkt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für März: Johannes 19,30
Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!.

Lieber Leser!

Vier Menschen stehen unter dem Kreuz an dem Jesus hängt. Da sind die drei Marias: seine Mutter, seine Tante, die Frau des Klopas und Maria Magdalena, die er von schlimmen Dämonen befreit hat. Und dann ist da noch der Jünger, der immer in seiner Nähe ist: Johannes. Jesus, der Gekreuzigte sieht sie an und spricht zu seiner Mutter: Siehe, das ist dein Sohn. Und er meint Johannes. Und zu Johannes sagt er: Siehe, das ist deine Mutter. Und er meint Maria.

Unter dem Kreuz entsteht eine neue Familie. Da werden Menschen füreinander verantwortlich gemacht. Eigentlich fängt die Gemeindegründung hier schon an und nicht erst am Pfingsttag. Hier unter dem Kreuz wird der Grundstein gelegt für ein neues Miteinander. Da werden Kinder adoptiert. Da werden geistliche Mütter und Väter berufen. Habt Acht aufeinander, stärkt und begleitet euch. Tröstet euch. Steht euch bei.

Wir haben ja in letzter Zeit oft darüber nachgedacht: Was verbindet uns eigentlich? Ist es eine Gemeindetradition? Ist es ein bestimmter Erkenntnisstand? Nein, uns verbindet Jesus Christus, der Gekreuzigte. Er allein kann dafür sorgen, dass wir beieinanderbleiben. Er allein macht uns zu einer neuen Familie. Er alleine garantiert den Zusammenhalt dieser geistlichen Familie.

Und dann, nachdem Jesus ein wenig Essigwasser von einem Soldaten bekommen hatte, sagt er: Es ist vollbracht. Und er stirbt. Er spricht dieses Wort in seiner Muttersprache aus: Es ist vollbracht. Jesus sagt es auf Aramäisch. Man kann auch übersetzen: Es ist fertiggestellt. Es ist zu Ende gebracht. Es ist vollständig. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Wir können ja viele Dinge vollbringen. Wir können ein Studium zu Ende bringen oder eine Arbeit. Hier endet ein erfülltes Leben. Aber mehr noch; hier ist unser Heil fertiggestellt. Mehr geht nicht, als dass der Sündlose für die Sünder sein Leben lässt. Darum nennen die Engländer den Karfreitag auch "Good Friday". ln Jesus Christus hat Gott sein Testament gemacht und am Karfreitag ist Testamentseröffnung. Und was soll ich euch sagen: Wir sind die Erben! Wir bekommen alles!

Wir bekommen es nicht, weil wir zu den Guten gehören. Wir bekommen es nicht, weil wir mit einem korrekten Leben dastehen. Wir bekommen es nur, weil wir Jesus vertraut haben, weil wir unser Vertrauen und unsere Hoffnung auf ihn gesetzt haben. Es ist vollbracht und wir bekommen alles geschenkt: ewiges Heil. Und gleichzeitig wird alles weggenommen, was uns anhaftet: Eine Vergangenheit voller Schuld.

Was werden wir einmal sagen, wenn wir sterben? Es ist vollbracht? Wer von uns kann das schon sagen: Mein Leben war vollständig und ganz erfüllt? Aber Jesus kann es zu uns sagen. Er kann es dir und mir zusagen, wenn wir mit ihm hier gelebt haben. Es ist vollbracht. Meine vollständige Erlösung kommt dir zugute. Willkommen im Reich meines und durch mich deines himmlischen Vaters.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für April: Johannes 20,21
Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Lieber Leser,

es ist Sonntagabend. Es ist der Abend am Ostersonntag. Maria aus Magdala hat den auferstandenen Jesus am offenen Grab getroffen und sie hat es den anderen Jüngern gesagt. Aber die Situation hat sich dadurch nicht sonderlich verändert. Keiner kann es recht glauben. Es klingt so unwirklich!

Alle zehn haben sich verkrochen. Sie sitzen im Jerusalemer Geheimquartier hinter einer verriegelten Tür. Judas ist nicht mehr da. Er hat sich das Leben genommen. Thomas ist auch weg. Vielleicht hat er es in dem Versteck nicht mehr ausgehalten. Immer wieder dreht sich das Gespräch im Kreis. Da ist die Situation im Garten Gethsemane: Jesus wird verhaftet und alle sind abgehauen. Nur Petrus ist ihm gefolgt, aber er hat dann auch jämmerlich versagt. Johannes hat ihn zuletzt noch gesehen, als er am Kreuz gestorben ist. Er ist doch wirklich gestorben! Wie kann ihn dann die Maria gesehen haben!

Und plötzlich steht Jesus mitten im Raum und sagt: Friede sei mit euch! Er sagt es so normal, so selbstverständlich. Er sagt es so freundlich, ohne Vorwurf. Und dann zeigt er seine durchbohrten Hände und die Wunde an seiner Seite. Damit sie es glauben können, dass er es wirklich ist.

Die Auferstehung löscht nicht das aus, was er für uns getan hat. Auch am unverweslichen Körper sind die Spuren der Kreuzigung sichtbar. Wir glauben an den für uns gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus. Da haben sich die Jünger sehr gefreut. Sicher hat das eine Weile gebraucht, bis sie es ganz verstanden haben. Am Anfang waren es sicher gemischte Gefühle. Aber die Freude gewinnt am Ende die Oberhand.

Und dann sagt Jesus noch einmal: Friede sei mit euch! Den Friedensgruß brauchen wir immer wieder. Jetzt kommt die "Portion Frieden", die wir weitergeben sollen: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Auch hier gibt es keine Erinnerung an das klägliche Versagen der Jünger. Jesus schickt sie ohne Ermahnung, ohne Vorbehalte zu den Menschen. Empfangt den Heiligen Geist, sagt er. Seine Lebenskraft, seine Auferstehungskraft soll uns erfüllen, damit die Sendung für die Jünger damals und für uns heute nicht zur Überforderung wird.

Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten, sagt Jesus weiter. Gerade haben die 10 Jünger erlebt, wie sich das anfühlt, wenn ihnen Vergebung gewährt wird. Nun dürfen sie, durchweht vom Atem Gottes, auch die Vergebung weitertragen.

Nur wer erlebt hat, dass der Friede Gottes in seinem Leben einzieht, kann anderen den Frieden wünschen und diesen Frieden weitergeben. Nur wem selbst vergeben wurde, weil er befreit worden ist von der Last seiner Vergangenheit und von persönlicher Schuld, kann anderen vergeben. Da wurden die Jünger froh. Ich wünsche dir, dass du froh wirst, weil der Auferstandene dir begegnet, dir vergibt, dich ganz neu begeistert und zu den Menschen sendet.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Mai: Hebräer 11,1
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

Lieber Leser!

Die Leute glauben an alles Mögliche: Ich glaube an etwas, das über uns wacht. Ich glaube an die Entwicklung des Geistes. Ich glaube daran, dass ich schon einmal gelebt habe. Ich glaube an mich. Ich glaube, dass 5 Pfund Rindfleisch und 1 Liter Wasser eine gute Suppe ergeben.

Christen glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat und dass er heilig ist. Kein Mensch kann vor ihm bestehen. Aber wer auf Jesus Christus setzt, hat jetzt schon einen Fürsprecher, einen himmlischen Anwalt. Dafür hat er einen hohen Preis gezahlt. Es hat ihn, Jesus, nicht weniger als sein eigenes Leben gekostet. Martin Luther spricht von einer kostbaren Gnade.

Was glauben wir noch? Weil Jesus den Tod besiegt hat, hat er den Weg für uns frei gemacht. Wir glauben an ein ewiges Leben. Wir glauben an den Heiligen Geist, die gute Kraft Gottes in dieser Welt, die uns verändert, die uns hilft, das neue Leben zu leben. Das alles glauben Christen. Aber der Teufel glaubt das auch. Darum ist der biblische Glaube mehr als nur Bekenntnisse formulieren. Es geht um das gelebte Vertrauen.

Es gibt die Geschichte von einem Seilkünstler, der über einem Seil balancierend die Niagarafälle überquert. Die Zuschauer jubeln und klatschen. Damit nicht genug. Er schiebt auch eine Schubkarre über die tosende Wasserschlucht. Das Volk ist ganz aus dem Häuschen. Jetzt, so sagt der Artist, werde ich einen Menschen in die Schubkarre setzen und ihn rüberschieben. Oh ja, ruft das Volk begeistert. Das wollen wir sehen. Wer steigt ein? Freiwillige vor! Plötzlich ist es totenstill. Man hört nur das Wasser rauschen. Keiner will, keiner traut sich. Da geht eine Frau auf den Artisten zu. Es ist seine Mutter. Sie vertraut ihrem Sohn. Sie vertraut ihm ihr Leben an.

Das ist Glauben, wie die Bibel ihn meint. Es gibt viele Menschen, die Jesus und das, was er sagt und tut, gut finden. Sie klatschen ihm im Bild gesprochen zu. Aber erst, wenn ich die Zuschauerhaltung verlasse, geht's los. Dann glaube ich nicht nur an Jesus; dann glaube ich ihm und vertraue ihm mein Leben an. Was nützen mir Bekenntnisse und biblische Richtigkeiten, wenn sie ohne Konsequenzen für mein Leben bleiben?

Im Hebräerbrief heißt es: Abraham glaubte Gott und darum ging er los und wurde ein Fremder (Vers 8). Das fiel ihm sicher nicht leicht. Wer verlässt schon gerne seine Heimat mit 75 Jahren? Aber nur so konnte Gott ihn segnen und ihn zum Segen für andere Menschen setzen.

Werft euer Vertrauen nicht weg (Hebr. 10,35), sagt der Schreiber des Hebräerbriefes. Es ist eine wichtige Fähigkeit, jedes Mal zu entscheiden, was wichtig ist und was weg kann. Ich wünsche dir da ganz viel Weisheit von Gott, damit am Ende nicht das Falsche in der Tonne landet.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Juni: Hebräer 13,2
Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

Lieber Leser,

es gibt Menschen, die haben die Gabe der Gastfreundschaft. Ich kenne ein Ehepaar, bei denen schon viele übernachtet haben. "Das eine Zimmer in unserer Wohnung gehört dem Herrn", so haben sie das immer gesagt.

Ich kann mich an eine Frau aus der Gemeinde erinnern, die mich in meiner Studentenzeit regelmäßig zum Mittagessen eingeladen hat. Das lief oft ganz spontan. Im Orient hat die Gastfreundschaft einen hohen Stellenwert. Man merkt das bei unseren persischen Geschwistern in der Gemeinde. Eingeladen werden, am Tisch sitzen, Zeit teilen, ist Ausdruck der Wertschätzung und der Sympathie.

Jesus, der ja keinen festen Wohnsitz hatte, war oft zu Gast bei ganz unterschiedlichen Menschen. Die Frommen seiner Zeit haben es ihm übelgenommen, dass er auch Umgang mit zwielichtigen Leuten hatte: mit Zöllnern und Sündern. Einmal hat ihn der Zöllner Levi zu sich eingeladen. (Lukas 5, 27-32) Und Jesus ist mit seinen engsten Freunden gekommen. Allerdings sitzen da gleichzeitig seine alten Kumpels mit am Tisch. Fromme und Nichtfromme sitzen an einem Tisch. Außenstehende erheben sofort Protest. Es steht doch schon in der Bibel: Wohl dem, der nicht bei den Spöttern sitzt. (Psalm 1)

Ich habe mal eine alte Frau im Seniorenheim besucht. Sie hat über Einsamkeit geklagt. Gehen sie doch mal auf die Leute zu, habe ich ihr geraten. Ach, das will ich nicht, hat sie gesagt. Das sind alles Ungläubige. Die spielen Karten und beten nicht vor dem Essen. Jesus hat da weniger Berührungsängste. Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden! Ich bin gekommen, die Sünder zur Umkehr zu rufen! (Lukas 5, 31-32) Wie kann ich den Menschen das Reich Gottes nahebringen, wenn ich sie meide?

Ich kenne Gemeindeglieder, die zweimal Geburtstag feiern. Einmal mit Leuten aus der Gemeinde. Da werden dann geistliche Lieder gesungen. Da wird gebetet und der Pastor hält eine Andacht. Beim zweiten Mal feiert man mit Nachbarn und Freunden, die nicht zur Gemeinde gehören. Da sitzt man fröhlich zusammen und redet über dies und das. Gebetet wird nicht. Es gibt auch keine Andacht.

Jesus will ganz klar die gemischte Gruppe. Die Feier beim Levi ist ganz in seinem Sinn. Darum freue ich mich, wenn es uns persönlich oder auch als ganze Gemeinde gelingt, Gastfreundschaft zu pflegen, die über die "frommen Grenzen" hinausgeht. Ich wünsche mir, dass wir immer weniger eine "Pharisäer-Gemeinde" sind und immer mehr eine "Levi-Gemeinde" werden.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Juli und August: 1. Johannes 4,16 
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.

Lieber Leser!

Kein anderer Glaube an einen Gott betont das so, wie es der christliche tut: Gott ist Liebe! In Jesus sucht Gott uns auf in seiner Liebe. Er umwirbt uns. Er sucht Gemeinschaft, will mit uns reden, mit uns leben. Er liebt uns nicht, weil wir es verdient haben. Gott macht sich nichts vor. Er weiß genau, wie wenig wir manchmal liebenswert sind. Gott sieht sich uns nicht schön. Er weiß um unsere menschlichen Abgründe. Aber er liebt uns trotzdem! 

Es gibt ja viele verdrehte Gottesbilder. Jemand hat mal zu mir gesagt: Am Ende wird abgerechnet. Am Ende meines Lebens wartet der unbestechliche Richter und himmlische Staatsanwalt in einer Person. Nein, sagt Jesus. Durch mich habt ihr einen himmlischen Vater. Und das ist ein großer Unterschied! Am Ende meines Lebens wartet ein liebender Vater, der sich sehnlichst wünscht, dass du gerettet bist und bei ihm leben darfst.

Aber es ist auch sehr missverständlich, wenn manche vom "lieben Gott" reden: Der "liebe Gott" nimmt es dir nicht krumm, wenn du dein Leben und das Leben anderer beschädigst. Der "liebe Gott" schaut nicht so genau hin, wenn dir allerhand daneben geht. Aber den "lieben Gott" gibt es nicht. Denn der Gott, den die Bibel bezeugt, ist nicht harmlos. Er ist voller Leidenschaft. Es zerreißt ihm das Herz, wenn er all die Ungerechtigkeit sieht. Er leidet mit, wenn es uns nicht gelingt, im Frieden zu leben. Er hasst die Sünde. Und einmal wird er die Welt zurechtbringen. Das schließt uns Menschen mit ein.

Eigentlich kann man den Satz "Gott ist Liebe" nur verstehen, wenn man auf Jesus schaut. Er hat am Kreuz die Rechnung bezahlt, die ich nie bezahlen kann. Liebe ist, wenn ich mir das Wohl des anderen alles kosten lasse. Das hat Jesus für uns getan. Wer das für sich persönlich gelten lässt, hat in Gott einen liebenden Vater gewonnen. In dieser Liebe, die du persönlich erfahren hast, bleibe. Richte dich darin ein. Gib ihr ganz viel Raum in deinem Leben. Liebe ist, wenn ich die erfahrene Vergebung weiterreichen kann.

Das ist für mich die Frage: Kann ich anderen vergeben, die mich verletzt haben? Sind wir eine Gemeinde, in der ich mich zeigen kann, wie ich bin, ohne Angst? Werden hier Sünder geliebt? Leide ich mit, wenn andere leiden? Kümmere ich mich um Menschen, die Not leiden, die krank sind? Wird dem, der Fehler macht, aufgeholfen?

In Jesus hat uns Gott seine Liebe gezeigt. Wenn sie dich persönlich erreicht hat, darf sie durch dich für andere erfahrbar werden. Diese Liebe musst du nicht produzieren. Diese Liebe ist ein Geschenk, dass du weiterreichen kannst. Wenn du das tust, kannst du ganz sicher sein: Du bist in Gott und Gott ist in dir.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juli und August: 1. Johannes 4,16 
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.

Lieber Leser!

Kein anderer Glaube an einen Gott betont das so, wie es der christliche tut: Gott ist Liebe! In Jesus sucht Gott uns auf in seiner Liebe. Er umwirbt uns. Er sucht Gemeinschaft, will mit uns reden, mit uns leben. Er liebt uns nicht, weil wir es verdient haben. Gott macht sich nichts vor. Er weiß genau, wie wenig wir manchmal liebenswert sind. Gott sieht sich uns nicht schön. Er weiß um unsere menschlichen Abgründe. Aber er liebt uns trotzdem! 

Es gibt ja viele verdrehte Gottesbilder. Jemand hat mal zu mir gesagt: Am Ende wird abgerechnet. Am Ende meines Lebens wartet der unbestechliche Richter und himmlische Staatsanwalt in einer Person. Nein, sagt Jesus. Durch mich habt ihr einen himmlischen Vater. Und das ist ein großer Unterschied! Am Ende meines Lebens wartet ein liebender Vater, der sich sehnlichst wünscht, dass du gerettet bist und bei ihm leben darfst.

Aber es ist auch sehr missverständlich, wenn manche vom "lieben Gott" reden: Der "liebe Gott" nimmt es dir nicht krumm, wenn du dein Leben und das Leben anderer beschädigst. Der "liebe Gott" schaut nicht so genau hin, wenn dir allerhand daneben geht. Aber den "lieben Gott" gibt es nicht. Denn der Gott, den die Bibel bezeugt, ist nicht harmlos. Er ist voller Leidenschaft. Es zerreißt ihm das Herz, wenn er all die Ungerechtigkeit sieht. Er leidet mit, wenn es uns nicht gelingt, im Frieden zu leben. Er hasst die Sünde. Und einmal wird er die Welt zurechtbringen. Das schließt uns Menschen mit ein.

Eigentlich kann man den Satz "Gott ist Liebe" nur verstehen, wenn man auf Jesus schaut. Er hat am Kreuz die Rechnung bezahlt, die ich nie bezahlen kann. Liebe ist, wenn ich mir das Wohl des anderen alles kosten lasse. Das hat Jesus für uns getan. Wer das für sich persönlich gelten lässt, hat in Gott einen liebenden Vater gewonnen. In dieser Liebe, die du persönlich erfahren hast, bleibe. Richte dich darin ein. Gib ihr ganz viel Raum in deinem Leben. Liebe ist, wenn ich die erfahrene Vergebung weiterreichen kann.

Das ist für mich die Frage: Kann ich anderen vergeben, die mich verletzt haben? Sind wir eine Gemeinde, in der ich mich zeigen kann, wie ich bin, ohne Angst? Werden hier Sünder geliebt? Leide ich mit, wenn andere leiden? Kümmere ich mich um Menschen, die Not leiden, die krank sind? Wird dem, der Fehler macht, aufgeholfen?

In Jesus hat uns Gott seine Liebe gezeigt. Wenn sie dich persönlich erreicht hat, darf sie durch dich für andere erfahrbar werden. Diese Liebe musst du nicht produzieren. Diese Liebe ist ein Geschenk, dass du weiterreichen kannst. Wenn du das tust, kannst du ganz sicher sein: Du bist in Gott und Gott ist in dir.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für September: Prediger 3,1-15
Alles hat seine Zeit.

Lieber Leser!

Irdische Zeit ist überaus kostbar, weil sie schnell vergeht. Wir können sie nicht festhalten. Wenn ich auf meine erwachsenen Kinder schaue, wird mir das bewusst. Zeit läuft auch nur in eine Richtung. Sie ist wie eine Einbahnstraße. Du kannst nicht zurück, um etwa Gewesenes ungeschehen zu machen oder zu verändern.

Es mag Filme und Bücher geben, wo Zeitreisen in die Vergangenheit möglich sind; aber das ist eben nur Phantasie und Ausdruck unserer Sehnsucht. Und mit der Zeit lassen wir auch vieles los: liebe Menschen, Kraft und Gesundheit, Pläne, Wünsche. Das schmerzt.
Darum ist es auch eine Empfehlung des Predigers: Genieße, was du im Moment hast. Lebe fröhlich den Tag, den Gott dir schenkt.

Und Zeit ist nicht gleich Zeit. Es gibt eine Zeit, wo du Kind bist, wo du wächst und ganz viel lernst. Es kommt eine Zeit, wo du voll belastbar bist, wo dich Gott, im Bild gesprochen, als Zugpferd in seinem Reich braucht, in seiner Gemeinde. Und dann kommt die Zeit, wo die Grenzen enger werden und wo du spürst, dass die Kraft abnimmt.

In der griechischen Sprache gibt es deshalb auch zwei Wörter für die Zeit: Chronos und Kairos. Chronos ist der Zeitenfluss. Chronos ist die messbare Zeit. Mit dem Chronometer, mit der Uhr, kann ich etwa feststellen: Der Gottesdienst dauert schon über eine Stunde. Beim Kairos geht es um die Bedeutung, um die Füllung der Zeit. Da schaue ich nicht auf die Uhr. Da erlebe ich, wie kostbar der Moment ist. Da singe ich ein Lied, das mich tief berührt. Da höre ich eine Predigt, die mir zu Herzen geht. Da habe ich ein Gespräch, das mir Klarheit schenkt.

Genau das ist dem Prediger wichtig: Ich soll den Moment, auf den es ankommt, nicht verpassen. Denn auch der Glaube hat seine Zeit. Gott hat den Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt. Es gibt Zeiten, da kommt uns Gott sehr nahe. Da berührt er unser Herz. Da klopft er bei uns an. Da drängelt er sich regelrecht in unser Leben hinein. In so einem Kairos-Moment für Gottes Geist erreichbar zu sein, sich ihm zu öffnen, ist ganz wichtig. Denn du weißt ja nicht, was morgen sein wird.

Es gibt Momente in deinem Leben, die verdienen deine ganze Aufmerksamkeit. Ich wünsche dir Achtsamkeit für Gottes Wirken und Reden und die Erfahrung, dass das Leben an Bedeutung und Tiefe gewinnt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Oktober: Psalm 38,10
Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.

David hat es weit gebracht. Er hat eine steile Karriere hingelegt, vom Hirten über Schafe zum großen König über ganz Israel. Und Gott hat sein Tun sichtbar gesegnet. Doch dann vertut er sich. Er sieht eine schöne Frau und begehrt sie. Als König hat er genug Möglichkeiten und so liegt sie bald in seinem Bett. Diese Affäre hat Folgen. Die schöne Frau Batseba wird schwanger, während ihr Mann Uria als Offizier an der Front gegen die Feinde Israels kämpft.

David versucht den Ehebruch zu vertuschen. Erst arrangiert er einen Urlaub von der Front für Uria. Aber der übt sich in sexueller Enthaltsamkeit. Dann greift der König zu ganz drastischen Mitteln: Er lässt den betrogenen Ehemann per Befehl an die vorderste Frontlinie stellen, wo ihn die feindlichen Soldaten dann töten können. So wird aus einem Ehebruch ein Auftragsmord und David denkt, dass er diese ganze Schuldgeschichte immer noch unter den Teppich kehren kann. 

Aber Gott ist gnädig. Er schickt ihm einen Seelsorger, der ihm klarmachen kann, was er da getan hat. Und David erkennt, dass er wohl Menschen täuschen kann, aber nicht Gott. Außerdem wird ihm die Schwere der Schuld bewusst. Er leidet. Meine Sünden wachsen mir über den Kopf, wie eine schwere Last sind sie zu schwer für mich. (Ps 38,5)

Meine Schuld ist wie eine eiternde, stinkende Wunde. (vgl. Vers 6) Erst als ich dir, Gott, meine Sünde sagte und dir meine Schuld aufdeckte, habe ich die Erfahrung gemacht, wie du mich davon befreit hast. (Ps 32,5) Kann Gott einen König David noch gebrauchen, der so versagt hat? Kann Gott mich und dich gebrauchen, wenn wir vielleicht nicht so, aber anders versagen?

David hat trotz seiner Schuld eine Sehnsucht nach Gottes Nähe. Das macht ihn zu einem Mann nach dem Herzen Gottes. Herr, auf dich hoffe ich allein, sagt er. (Ps 38,16) Du bist doch mein Gott. Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. (Vers 10) David liefert sich Gott aus. So einen Menschen kann Gott gebrauchen. Er sucht schuldbeladen die Nähe Gottes. Da ist kein Versuch, die Schuld kleinzureden, abzuwälzen, an andere weiterzureichen oder sich daran zu gewöhnen. Er erlebt die Gnade der Absolution, der Freisprechung. So kann er sein Leben wieder neu und froh unter die Füße nehmen. Und es ist ein riesengroßes Vorrecht, dass wir uns im Namen von Jesus Christus gegenseitig die Vergebung der Schuld zusprechen dürfen.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für November: Offenbarung 21,2 
Und ich sah die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Lieber Leser!

Johannes, verbannt auf der Insel Patmos im Mittelmeer, sieht unglaubliche, unfassbare Dinge. Er kann nur in Bildern wiedergeben, was er da sieht. Er sieht die neue Welt Gottes. Es ist ihm ein großer Trost, weil in der Welt, in der er lebt, das Böse Triumphe feiert. Der Kaiser in Rom lässt sich als Gott verehren. Und wer sich dem Kaiserkult verweigert, wird blutig verfolgt. Die ersten christlichen Gemeinden werden von allen Seiten bedrängt und drangsaliert.

Das sieht heute, im 21 Jahrhundert, nicht besser aus. Wir erleben derzeit die größte Christenverfolgung weltweit. Christen in Nordkorea, im Vorderen Orient, in Nordafrika verstehen die Sehnsuchtsbilder viel besser als wir hier im "satten" Mittel- und Westeuropa. Aber auch wir ahnen, dass es eine Gefahr gibt, die uns erreichen kann. Die Demokratie verliert an Kraft. Nationalisten und Diktatoren feiern ihre Triumphe. Solche Politiker wie Putin, Erdogan oder Trump gefallen sich im Ränkespiel, schalten und walten nach Belieben.

Da ist es gut zu wissen, wer am längeren Hebel sitzt und die Weltgeschichte wirklich lenkt! Immer wieder rückt der Thron Gottes in den Mittelpunkt der Bilder, die Johannes sieht. Und es ist das geschlachtete Lamm, das das Ende der Weltgeschichte einläutet. (Off 5) Die Offenbarung spricht von Rückzugsgefechten des Teufels. Er hat nur noch begrenzte Macht, aber geifert und tobt und versucht zu verunsichern, wo er nur kann.

Auch die christliche Gemeinde ist ein umkämpftes Gebiet. Das laue Christsein, dass der Gemeinde in Laodizea (Off 3,14ff) vorgeworfen wird, kann uns auch betreffen. Am Ende wird es darum gehen, wer in Treue durchhält. Vor dem himmlischen Thron Gottes versammeln sich die, die zu Lebzeiten ihrem Herrn treu nachgefolgt sind.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. (Off 21,2) Das "neue Jerusalem" ist ein altes Hoffnungsbild. Gott will feiern. Es wird ein Hochzeitsfest geben, wo Gott sich auf ewig mit seinen Kindern verbindet, die Jesus mit seinem kostbaren Blut erlöst und erkauft hat. Er wird bei ihnen wohnen. (Vers 3) Er, Gott, wird alle Tränen abwischen. (Vers 4) Jedem einzelnen wird diese zärtliche Handlung zuteil.

Der große Gott geht mit einem Taschentuch in der Hand zu dir und mir, um uns zu trösten. Es sind gute und starke Bilder. Und ich hoffe sehr, dass sie uns ermutigen auf unserem Lebensweg. Überdies wünsche ich uns, dass wir uns gegenseitig ermutigen mit lebendigen Erfahrungen seines Eingreifens hier und jetzt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Dezember: Matthäus 2,10
Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.

Lieber Leser!

Eine unbestimmte Anzahl von Sterndeutern macht sich auf den Weg aus dem Zweistromland Richtung Israel. Sie haben bei ihrer nächtlichen Arbeit eine besondere Konstellation beobachtet: Zwei Planeten stehen so dicht am Himmel zusammen, dass sie zu einem besonders hellen Punkt verschmelzen. Alle 794 Jahre passiert das, dass sich Jupiter, der Königsplanet, und Saturn, der Planet der Juden, so nahekommen.

Für die Wissenschaftler ist das Aufforderung genug, den neuen König der Juden zu besuchen. Nach rund 1000 Kilometern zurückgelegter Strecke kommen sie in die Hauptstadt Jerusalem. Die Frage nach einem neugeborenen Königskind löst dort Ratlosigkeit und Erschrecken aus. Im Palast trommelt der König Herodes den Hofstaat zusammen. Kluge Männer stehen zusammen und lesen in Schriftrollen. Sterne helfen nicht weiter, jetzt ist handfeste Bibelarbeit angesagt.

Im Text des Propheten Micha finden sie den entscheidenden Hinweis. Es sind 750 Jahre alte Worte: Und du, Bethlehem, im jüdischen lande, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. (Kapitel 5, Vers 1) In Bethlehem ist ja der große König David geboren. Aus seiner Familie soll der Messias kommen. Ist das nicht wunderbar, wie sich hier eins zum anderen fügt: Die Sterndeuter folgen dem Licht und bekommen endgültige Klarheit durch das Wort Gottes.

Und dann kommen sie an. Es ist ein einfacher Unterschlupf für Reisende am Ortsrand von Bethlehem. Und der Retter der Welt liegt in einem Futtertrog. Die teuren Geschenke passen nicht recht. Weihrauch und Myrrhe sind kostbare Baumharze, die auch in der Medizin Anwendung finden. Und Gold war auch damals wertvoll. Die Geschenke sind wohl eher ein Hinweis auf das, was wir durch Jesus geschenkt bekommen: Heil und Heilung und einen Wert bei Gott. Da wurden die babylonischen Gelehrten sehr froh. Aus den Sternenanbetern werden Christusanbeter.

Siehe, siehe, meine Seele,
wie dein Heiland kommt zu dir,
brennt in Liebe für und für,
dass er in der Krippen Höhle
harte lieget dir zu gut,
dich zu lösen durch sein Blut.

Freude, Freude über Freude:
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne:
Christus ist die Gnadensonne.
Text: Christian Keimann 1645

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Gedanken zum Monat | Archiv 2017
  • Januar
  • Februar
  • März
  • April
  • Mai
  • Juni
  • Juli
  • August
  • September
  • Oktober
  • November
  • Dezember
Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Januar: Lukas 5,5
Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.

Lieber Leser,

Simon sitzt auf dem Trockenen und flickt seine Netze. Das kann ein Bild für deine Lebenssituation oder auch für die Situation einer Gemeinde sein. Wir sind beschäftigt. Wir flicken an unseren Beziehungen. Wir versuchen zu reparieren, was kaputt ist. Da ist eine Masche zu groß im Netz. Da ist ein Faden gerissen. Da gibt es Dinge, die nicht ins Netz gehören. Wir sortieren sie aus. Wir reinigen die Beziehungen.

Auch im neuen Jahr wird uns das beschäftigen. Es kann allerdings sein, dass wir uns dabei auch ganz schnell abschotten. Wir schauen nur noch auf das, was der Gemeinschaft schadet oder nutzt.

Jesus sieht sich das an und greift ein. Zunächst will er das Boot haben. Er nutzt es als bewegliche Wasserkanzel. Über die Predigt erfahren wir nichts. Es ist vielleicht symptomatisch. An wie viele Predigten kannst du dich denn noch erinnern? Simon hört wohl zu, aber seine Aufmerksamkeit ist geteilt.

Und dann kommt die Zumutung, die ihn vom Netze flicken wegbringt. Simon, fahre raus aufs Wasser und wirf noch einmal dein Netz aus. Tu es, auch wenn deine bisherige Erfahrung klar dagegen spricht.
Jesus hat eine Sicht, eine Vision von deinem persönlichen Leben und von dieser Gemeinde. Und er möchte dich, uns alle da mitnehmen. Nichts gegen Netze flicken, aber es gibt noch mehr.

Vom gewohnten, vertrauten Ufer ablegen und aufs tiefe Wasser raus fahren, ist sicher immer ein Wagnis. Es gibt viele Menschen, die schauen wohl sehnsüchtig in die Ferne, aber halten dann doch am Gewohnten fest.

Fahr raus aufs Meer, sagt Jesus. Und Simon antwortet:
Auf dein Wort hin will ich die Netze erneut auswerfen. Und er macht eine erstaunliche Erfahrung: Wenn ich auf Jesus höre und tue, was er mir sagt, gibt's volle Netze.

Ich wünsche uns im neuen Jahr, dass wir "ganz Ohr" sind, wenn Jesus Christus zu uns redet. Ich wünsche uns den Mut, auch Neues zu wagen. Ich wünsche uns die Erfahrung, dass unsere Netze dann gut gefüllt sind.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Februar: Lukas 10,1-5
Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

Lieber Leser,

Jesus liebt die Menschen. Menschen lieben, das ist nicht so einfach. Manchmal ist es leichter, einen Hund zu lieben, seine Katze oder Pflanzen. Menschen sind so kompliziert. Sie haben ihre Macken und Schwächen. Aber Jesus liebt sie trotzdem. Er geht zu ihnen, predigt ihnen das gute Evangelium, heilt sie und treibt böse Geister aus.

Und jetzt nimmt er seine Nachfolger mit in diese Sendung. Es ist Erntezeit, sagt er ihnen. Und seine Jünger wissen sofort, was er meint. Die Erntezeit ist die Zeit des Gerichts. Es ist die Zeit der Entscheidung. Die Früchte sind reif und wenn sie jetzt nicht geerntet werden, fallen sie zu Boden und verfaulen oder werden von den Tieren gefressen.

Jesus sieht auch heute ein großes Erntefeld. Er sieht die vielen Menschen um uns herum, die keinen Hirten haben. Niemand, der sie auf rechter Straße führt und ihnen Orientierung gibt. Und was sagt er? Bittet den Herrn der Ernte. Wir würden wohl eher sagen: Lasst uns die Ärmel hochkrempeln und endlich loslegen ... Und Jesus sagt: Lasst uns beten. Das Entscheidende muss Gott tun. Und wir können nur das weitergeben, was wir zuvor von ihm selbst empfangen haben. Von der Kontaktpflege zu Gott hängt alles ab.

Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. In Ländern mit Christenverfolgung greift dieses Bild eher als in West- und Mitteleuropa. Aber ein Spaziergang ist ein Weg an der Seite von Jesus nie. Anfeindungen, Nachteile wird es immer geben. Ich schicke euch wehrlos in diese Welt, sagt Jesus Christus. So gebe ich euch Anteil an meiner eigenen Sendung. Ihr sollt lernen, mir zu vertrauen. Darum sollt ihr euch auch nicht mit schwerem Gepäck belasten. So macht ihr ebenfalls die Erfahrung, dass ich euch gut versorge.

Und wenn ihr zu den Menschen kommt, dann bietet ihnen den Frieden Gottes an. Es ist ein ganz einseitiges Angebot. Der Friede, den wir den Menschen bringen, ist nicht Verhandlungssache. Gott ist hier in Vorleistung getreten. Er, Gott, hält den Menschen durch uns in seinem Sohn Jesus Christus die Friedenshand hin. Wer immer sie ergreift, für den ist das Reich Gottes persönliche Realität geworden.

Und wenn sie mein Friedensangebot ablehnen, sagt Jesus, dann "schüttelt den Staub von den Füßen" und geht weiter. Dann soll nichts mehr von dieser Erfahrung an euch kleben bleiben. Ich brauche euch befreit von allen Hypotheken für die Menschen, die auf meinen Frieden warten.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für März: Levitikus 19,32
Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR.

Lieber Leser!

Wie kann das Miteinander von Jung und Alt in einer christlichen Gemeinde gelingen? Es gibt ganz klar Schwierigkeiten. Da werden kleine Kinder im Gottesdienst manchmal als laut empfunden. Da möchten die jungen Familien am liebsten erst um 11 Uhr Gottesdienst feiern.

Mittlerweile gibt es schon reine Jugendgemeinden, die ihre Gottesdienste natürlich dynamisch, lebensnah und zeitgemäß gestalten wollen. Und in der Nähe von Senioren¬heimen entstehen Gemeinden, wo man vor allem Lieder von Paul Gerhard singt. So kann man sich auch aus dem Weg gehen und es gibt in der Zukunft nur noch altershomogene Gemeinden. Was für eine grauenhafte Vorstellung!

Im Neuen Testament wird das Verhältnis zwischen dem älteren Paulus und dem jugend¬lichen Timotheus beschrieben. (2. Tim. 1,3-14) Es ist ein freundschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe. Paulus lässt den Timotheus spüren: Du, ich traue dir etwas zu. Ich schätze dich als Mitarbeiter an meiner Seite.

Den Christen in Philippi schreibt er: "Denn ich habe keinen, der so gesinnt ist wie er und so herzlich für euch sorgen wird." (Philipper 2, 20) Da schwingt ganz viel Wertschätzung mit. Das hat den Timotheus sicher beflügelt. Das hat ihm Auftrieb gegeben. Auf der anderen Seite hat Timotheus auch ganz viel vom Paulus gelernt und er ist ihm mit Achtung begegnet. Der Jüngere profitiert vom Älteren und der Erfahrene vom Anfänger. Es fließt ganz viel Segen hin und her in so einer Beziehung. Hier zahlt keiner drauf. Beide werden beschenkt.

Denn auch ein "genialer" Apostel braucht Ergänzung. Auch ein Pastor mit vielen Jahren Diensterfahrung braucht das. Ich finde es gut, wenn wir in der Gemeinde geistliche Paten¬schaften für kleine Kinder haben. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass das auch wichtig ist, wenn man seine ersten Schritte im Glauben tut. Ein Paulus begleitet seinen ju¬gendlichen Freund Timotheus im Gebet und ist ihm auch sonst freundschaftlich verbunden. Wo geschieht das in der Gemeinde?

Wenn man die älteren Geschwister fragt, was sie denn von den Jüngeren erwarten, dann sind das oft Selbstverständlichkeiten. Ich würde mich freuen, wenn sie mich begrüßen und mit mir sprechen, wird oft gesagt. Das kann doch schon der Anfang einer tiefergehenden Freundschaft sein, getragen vom Gebet und erlebt als gegenseitiger geistlicher Gewinn.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für April: Lukas 24,1–12
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Lieber Leser,

die Frauen in den Ostergeschichten wollen einen Toten ehren. Die Bestattungsriten haben im Judentum einen hohen Wert. Die Frauen legen sich richtig ins Zeug. Aromata, also wohlriechende Öle kosten ein Vermögen. Es soll dem toten Jesus an nichts fehlen. Der Gang zum Grab ist ein Bekenntnis. Dieser Mann hat ihr Leben für eine Weile in ein helles Licht getaucht. Sie verehren Jesus.

So schwer der Gang zu Grab auch immer ist, sie gehen ihn mit Leidenschaft und voller Hingabe. Das leere Grab lässt sie ratlos dastehen. Die Maria aus Magdala denkt an Grabräuber oder den Friedhofsgärtner als mögliche Verursacher. Im Lukasevangelium heißt es nur: Sie waren bekümmert:

Ein leeres Grab gibt Raum für allerlei Spekulationen. Die Person, die ich betrauern will, ist weg. Der Gedanke an eine Auferstehung ist nicht denkbar. Und die Männer in glänzenden Gewändern sind zum Fürchten. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden, sagen sie.

Anders als etwa im Markusevangelium, wo die Frauen voller Angst keinem etwas sagen, wird dem Jüngerkreis bei Lukas die gute Nachricht gepredigt. Allerdings wird den Predigerinnen nicht geglaubt. Der Unglaube ist in allen Ostererzählungen zunächst mit Händen zu greifen. Erst als der Auferstandene seinen Jüngern selbst begegnet, wird er überwunden.

Erst dann begreifen sie, dass das schreckliche Ende am Kreuz kein Scheitern und kein schlimmer Unfall war. Da hat mir doch tatsächlich einer meine ganze Schuld vergeben. Das hat er mit seiner Auferstehung rechtskräftig bestätigt. Alles, was uns von Gott trennt, ist tot, sozusagen mit Jesus gestorben. Und weil er auferstanden ist, wahrhaftig auferstanden ist, darfst du mit seiner Auferstehungskraft in deinem Leben rechnen.

Die vielen Ostererzählungen stehen in der Bibel, damit wir eine Sehnsucht bekommen, selbst dem auferstandenen Jesus zu begegnen. Der Jünger Thomas, der vor Jesus steht, sagt: Mein Herr und mein Gott! Das wünsche ich dir auch, dass du das so zu Jesus sagen kannst.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Mai: Kolosser 4,2-6
Seid treu, ausdauernd und wach im Gebet und im Dank an Gott! ... Eure Worte seien immer freundlich und angenehm gewürzt!

Lieber Leser!

"Ich bete so häufig für dich in letzter Zeit. Da müssten dir eigentlich schon die Ohren klingeln." Das hat eine liebe Schwester der Gemeinde zu mir gesagt. Die Ohren klingeln mir nicht, aber es ist gut zu wissen, dass mein Dienst im Gebet begleitet wird.

Dem Paulus ist das auch ganz wichtig. Beten ist die wichtigste Mitarbeit im Reich Gottes. Das ist seine Meinung. Es ist die beste Investitionsempfehlung. Denn nur Gott hat die Macht, Menschenherzen zum rettenden Glauben an Jesus Christus zu bekehren. Wenn Gott nicht handelt, greifen auch keine Gemeindestrategien und Modelle für den Gemeindeaufbau. Lebendige Gemeinden sind betende Gemeinden. Und Gemeindewachstum wird immer durch intensives Gebet vorbereitet und begleitet. Betet dafür, dass Gott uns eine Tür öffnet, um das Wort Gottes den Menschen zu sagen, schreibt Paulus. Er selbst sitzt im Gefängnis. Eigentlich könnte er sagen: Betet dafür, dass sich für mich die Gefängnistüröffnet und ich wieder freikomme. Aber es gibt wichtigere Dinge als die momentane persönliche Situation. Betet um Gelegenheiten und kauft die Zeit aus. Wenn ich doch mehr Zeit hätte! Manchmal höre ich den Satz. Aber es geht nicht darum, den Tag mit vielen guten Aktivitäten zu füllen. Ich kenne die Gefahr, dass man da ganz schnell an seine Leistungs­grenze kommt. Eigentlich steht hier: Verpasst nicht den richtigen Zeitpunkt!

Als Kind bin ich manchmal mitten in der Nacht aufgewacht und losgegangen. Man nennt es Schlafwandeln. Ich war nicht ansprechbar und bin ohne irgendwo anzustoßen durch die Wohnung gelaufen. Viele Christen sind Schlafwandler. Sie gehen an Menschen und Situationen vorbei, ohne sie zu berühren und ohne eine Wahrnehmung für den richtigen Zeitpunkt.

Ich wünsche uns wache Sinne und ganz viel geistlichen Durchblick, um den richtigen Zeitpunkt im "Gottesdienst der Woche" nicht zu verpassen. Eure Rede sei lieblich und mit Salz gewürzt, schreibt Paulus den Christen in Kolossä. In Gnade und mit Salz gewürzt sollt ihr mit den Menschen reden. In Gnade und Klarheit sollt ihr ihnen begegnen. Wenn du Menschen mit dem Evangelium erreichen willst, dann nur in Liebe. Stolzes Rumdiskutieren und Recht haben wollen führen zu nichts. Wir können da ganz entspannt sein und in aller Freundlichkeit das sagen, was uns im Glauben wichtig ist. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass der Heilige Geist seine Kraft freisetzen wird.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juni: Apostelgeschichte 5,17-29
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Lieber Leser,

Simon Petrus und Johannes haben ein Déjà-vu. Sie sitzen schon wieder im Gefängnis. Da waren sie doch erst gewesen. Sie wurden unter strengen Auflagen, sozusagen auf Bewährung, freigelassen. Sie sollen endlich den Mund halten und aufhören...
...von diesem Nazarener zu erzählen. Aber kaum sind sie frei, fangen sie schon wieder an von Jesus Christus zu reden. Es sind notorische Wiederholungstäter. Und mit ihren Predigten in der Öffentlichkeit werden sie zu einem bestimmenden Faktor der Jerusalemer Öffentlichkeit.

Im Tempel unter den Augen der Obrigkeit und der Tempelpolizei haben sie provokante Reden geschwungen. So geht das nicht. In Ländern, wo auch heute noch das Recht, sich frei zu äußern, beschnitten wird, wird auch nicht lange gefackelt. In einem Schnellverfahren werden sie wieder festgesetzt. Das ist ein herber Rückschlag. Und während sie da in U-Haft sitzen, kommen die Fragen: Hätten wir vielleicht vorsichtiger sein sollen? War der Auftritt im Tempel zu offensiv?

Jetzt sind sie jedenfalls erstmal außer Gefecht gesetzt. Dazu kommen Fragen an Gott: Hätte er das nicht verhindern können? Wo bleibt sein Schutz, wenn wir doch in seinem Auftrag unterwegs sind? Und dann öffnen sich die Gefängnistüren. Aber die Ungewissheit, wie es für sie persönlich weitergeht, müssen sie vorher schon eine Weile aushalten.

Nun könnte man meinen, dass sie nach der jüngsten Erfahrung klüger agieren werden. Vielleicht ist ein Innehalten jetzt gut. Aber diese Überlegungen sind gegenstandslos. Der Auftrag wird ihnen noch einmal eingeschärft: Geht erneut zum Tempel und sprecht zu den Menschen! Die richterliche Prominenz bekommt das natürlich mit: Die Gefangenen sind auf eine nicht erklärbare Weise frei und machen da weiter, wo sie aufgehört haben.

Eine Verhaftung in der Öffentlichkeit scheint den Oberen zu riskant. Aber wie gut; die ehemaligen Insassen gehen freiwillig mit und machen in der folgenden Anhörung deutlich, wem sie unterstehen und welchen Gesetzen sie sich beugen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Es gibt einen Punkt, wo es von Gott her geboten ist, den zivilen Ungehorsam zu leisten, wenn Menschen von uns etwas verlangen, was nach Gottes Maßstab eindeutig falsch ist.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juli: Philipper 1,9 (1,3-11)
Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und Erfahrung.

Lieber Leser!

Freust du dich auf die Geschwister, wenn du am Sonntag in die Gemeinde kommst? Denkst du mit Sehnsucht an deine Gemeinde, wenn du für lange Zeit weg bist? Bist du dankbar für deine Gemeinde? Paulus dankt Gott für die Gemeinde in Philippi. Gerade mit dieser Gemeinde weiß er sich besonders eng verbunden. Er drückt das auch in seinem Briefeingang aus. Das ist für ihn keine fromme Floskel. Die christliche Gemeinde ist ein Wunder in dieser Welt. Jeder einzelne Mensch ist auf wunderbare Weise dazugekommen. Mit jedem einzelnen hat Gott seine ganz eigene Geschichte.

Ich trage euch in meinem Herzen, sagt Paulus. Und die Geschwister in Philippi tragen auch Paulus in ihrem Herzen. Er wird als Missionar von ihnen umbetet und finanziell unterstützt. Bei dieser Gemeinde macht der Apostel eine große Ausnahme. Sonst lehnt er jede Bezahlung ab, um nicht falsche Abhängigkeiten aufzubauen. Nur bei den Philippern hat er diese Sorge nicht. Paulus, der im Gefängnis sitzt, fühlt sich mit den Geschwistern dieser Gemeinde ganz eng verbunden. Er weiß, dass sie gedanklich und im Gebet ganz nah bei ihm sind. Wenn er leidet, leiden sie mit. Wenn er im Gefängnis von Jesus Christus erzählt, bitten sie Gott um eine offene Tür.

Paulus freut sich, dass seine Haft so viel Gutes, so viel Liebe und geistliches Mittragen bei den Christen in Philippi auslöst. Ist das nicht eine tolle Erfahrung, wenn Geschwister so eng miteinander verbunden sind und alles teilen! Klar, auch in der Gemeinde Philippi lief nicht alles rund und es gab Probleme. Wir hören von zwei Mitarbeiterinnen, die sich nicht verstanden haben: Euodia und Syntyche. Der Streit zwischen ihnen eskalierte. Die ganze Gemeinde war davon betroffen. Paulus spricht deutliche Worte. Es ist die Rede von Eigennutz und eitler Ehre. Das Zwischenmenschliche darf nicht überwiegen, sagt er. Es darf in einer christlichen Gemeinde nicht nur um Sympathie gehen.

Ich habe es leider oft erlebt, dass die Mitarbeit und die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen in einer Gemeinde davon abhängig gemacht wurde, wer was gemacht hat und wessen Idee es war. Da wünsche ich uns, dass wir die Gemeinde mit den Augen von Jesus Christus sehen lernen. Ein Paulus hat das gemacht. Ich schaue auf meine Schwester, meinen Bruder und sage: Gott wird das gute Werk, das er in dir angefangen hat auch vollbringen. Paulus setzt also nicht einfach auf unsere menschlichen Möglichkeiten. Er traut es Gott zu: Er, Gott, kann es machen, dass unsere Liebe zueinander sich vertieft und an Erkenntnis und Einsicht zunimmt.
Jochen Herrmann

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für August: Apostelgeschichte 26,22
Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.

Lieber Leser!

Freust du dich auf die Geschwister, wenn du am Sonntag in die Gemeinde kommst? Denkst du mit Sehnsucht an deine Gemeinde, wenn du für lange Zeit weg bist? Bist du dankbar für deine Gemeinde? Paulus dankt Gott für die Gemeinde in Philippi. Gerade mit dieser Gemeinde weiß er sich besonders eng verbunden. Er drückt das auch in seinem Briefeingang aus. Das ist für ihn keine fromme Floskel. Die christliche Gemeinde ist ein Wunder in dieser Welt. Jeder einzelne Mensch ist auf wunderbare Weise dazugekommen. Mit jedem einzelnen hat Gott seine ganz eigene Geschichte.

Ich trage euch in meinem Herzen, sagt Paulus. Und die Geschwister in Philippi tragen auch Paulus in ihrem Herzen. Er wird als Missionar von ihnen umbetet und finanziell unterstützt. Bei dieser Gemeinde macht der Apostel eine große Ausnahme. Sonst lehnt er jede Bezahlung ab, um nicht falsche Abhängigkeiten aufzubauen. Nur bei den Philippern hat er diese Sorge nicht. Paulus, der im Gefängnis sitzt, fühlt sich mit den Geschwistern dieser Gemeinde ganz eng verbunden. Er weiß, dass sie gedanklich und im Gebet ganz nah bei ihm sind. Wenn er leidet, leiden sie mit. Wenn er im Gefängnis von Jesus Christus erzählt, bitten sie Gott um eine offene Tür.

Paulus freut sich, dass seine Haft so viel Gutes, so viel Liebe und geistliches Mittragen bei den Christen in Philippi auslöst. Ist das nicht eine tolle Erfahrung, wenn Geschwister so eng miteinander verbunden sind und alles teilen! Klar, auch in der Gemeinde Philippi lief nicht alles rund und es gab Probleme. Wir hören von zwei Mitarbeiterinnen, die sich nicht verstanden haben: Euodia und Syntyche. Der Streit zwischen ihnen eskalierte. Die ganze Gemeinde war davon betroffen. Paulus spricht deutliche Worte. Es ist die Rede von Eigennutz und eitler Ehre. Das Zwischenmenschliche darf nicht überwiegen, sagt er. Es darf in einer christlichen Gemeinde nicht nur um Sympathie gehen.

Ich habe es leider oft erlebt, dass die Mitarbeit und die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen in einer Gemeinde davon abhängig gemacht wurde, wer was gemacht hat und wessen Idee es war. Da wünsche ich uns, dass wir die Gemeinde mit den Augen von Jesus Christus sehen lernen. Ein Paulus hat das gemacht. Ich schaue auf meine Schwester, meinen Bruder und sage: Gott wird das gute Werk, das er in dir angefangen hat auch vollbringen. Paulus setzt also nicht einfach auf unsere menschlichen Möglichkeiten. Er traut es Gott zu: Er, Gott, kann es machen, dass unsere Liebe zueinander sich vertieft und an Erkenntnis und Einsicht zunimmt.
Jochen Herrmann

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für September: Lukas 13,30
Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.

Lieber Leser,

dass die Letzten die Ersten werden und umgekehrt, dies finden wir an einigen Stellen im Neuen Testament. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wird es etwa denen gesagt, die sich mächtig darüber aufregen, dass es am Ende gleichen Lohn für alle gibt. Und diejenigen, die ganz zum Schluss noch Arbeit im Weinberg bekommen haben und darum auch nur kurz gearbeitet haben, bekommen zuerst den Lohn. Das alles ist furchtbar ungerecht. Mit der Geschichte aus Mt 20,1-16 macht Jesus klar, dass es bei Gott andere Gesetzmäßigkeiten gibt, als in dieser Welt. Auch Zuspätkommer haben noch eine Chance. Ja, sie werden extra bevorzugt behandelt.

Ich kann mich noch gut an eine Aussage einer älteren Schwester in der Gemeinde erinnern. Sie sagte zu einem neuen Gemeindemitglied: Nun schau dich um, wie es hier läuft und wenn du eine Weile hier bist, darfst du auch mal was sagen. Und ich war einfach nur entsetzt über diese Willkommenskultur: Wer später kommt, hat weniger Rechte? Wie gut, dass es bei Gott nicht so ist!

In Lukas 13 steht dieser Satz in einem ganz anderen Zusammenhang. Die Geschichte erinnert mich an ein anderes Gleichnis, das Gleichnis von den 10 Jungfrauen. Auch da wird fünf von ihnen gesagt: Ich kenne euch nicht. Es ist uns zur Mahnung geschrieben. Jesus ist unterwegs nach Jerusalem. Viele ziehen mit ihm. Und es kommt die Frage hoch: Wer wird am Ende selig werden? Wer wird am Ende gerettet werden? Wer darf mit Gott in versöhnter Gemeinschaft leben? Werden das nur wenige sein?

Manchmal höre ich die Frage: Was ist mit den vielen Menschen, die das Evangelium nie gehört haben? Man kann da so schön rumspekulieren. Und dann gibt es ja auch die Erfahrung, dass es eben nicht die breite Masse ist, die Jesus wirklich nachfolgt. Jesus spekuliert nicht rum. Er lässt sich nicht auf eine theoretische Erörterung zu diesem Thema ein. Er sagt: Kämpft, ringt darum, dass ihr durch die enge Tür geht. Die Tür ist Jesus selbst. Er allein ist der legitime Zugang zu Gottes Reich.

Da wird's für manche Leute wirklich eng. Denn das entspricht nicht dem gängigen Zeitgefühl, wo ich auswählen will, was zu mir passt. Das Leben ist wie ein großer Supermarkt. Ich schiebe meinen Einkaufswagen durch die Angebots¬regale und packe in diesen Wagen, was mir schmeckt und zu mir passt. Und manchen schmeckt es überhaupt nicht, dass Gott sagt: In diesem Jesus gebe ich euch einen Zugang. Plötzlich gibt es ein Draußen. Jesus spricht vom Ausschluss. Und ich höre schon das, was ich in all den Jahren gehört habe: Gottes Liebe ist doch viel größer! So wird er doch nicht sein! Am Ende werden alle dabei sein dürfen!

Es ist schon merkwürdig, wie genau wir wissen, wie Gott zu handeln hat und worin sich seine Liebe zu zeigen hat. Wenn du auf Jesus schaust und auf das, was er für dich getan hat, dann schaust du Gott in sein liebendes Herz. Und dieses Herz zieht Menschen an, von denen wir das nicht gedacht haben. Es werden die letzten Typen sein. Aber jeder ist eingeladen.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Oktober: Lukas 15,10
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lieber Leser!

Wir haben sicher alle mal was verloren. Woran liegt es eigentlich, dass man manches dann richtig lange sucht, um es zu finden und anderes, das ist eben weg? Es gibt Dinge, die sind uns ganz wichtig: Hausschlüssel oder Geldkarten. Da geben wir uns schon richtig Mühe. Wenn die Goldkette verschwindet oder der Briefumschlag mit 5.000 Euro verlegt ist, fange ich auch an zu suchen.

Kinder, die ihren geliebten Teddybären nicht gleich finden, den sie zum Einschlafen brauchen, geben in der Regel auch keine Ruhe. Aber keiner sucht alle sein Haare zusammen, die ihm im Laufe seines Lebens so vom Kopffallen... Ich hatte als Kind mal einen Goldhamster, der ist mir abgehauen und wir haben ihn als Familie überall gesucht. Am Ende saß er im Sofa und hat sich dort ein Nest gebaut. Wie war ich froh, als wir ihn da entdeckt haben.

Wiederfinden ist toll, wenn man das wiederfindet, was einem am Herzen liegt. Es gibt drei Geschichten dazu in der Bibel. Zwei kennen wir besonders gut. Da ist die Geschichte vom verlorenen Schaf. Der gute Hirte tut alles, um dieses eine Schaf wiederzufinden. So sehr sucht Gott nach uns Menschen, die wir uns nur allzu leicht mal verirren können.
Und dann gibt es noch die Geschichte von dem Sohn, der sich von seinem Vater entfernt. Er macht alles falsch, was man nur falsch machen kann. Aber als er zurückkommt, freut sich der Vater. Er nimmt ihn in den Arm und vergibt ihm alles. So ist Gott, sagt Jesus.

Und dann erzählt Jesus noch eine Geschichte. Sie handelt von einer Frau, die einen Silbergroschen verloren hat. Das ist eine Münze aus Silber, so 10 bis 20 Euro wert. Sie hat insgesamt 10 Silbergroschen zurückgelegt für eine größere Anschaffung. Sie hat es gespart. Und jetzt ist die wertvolle Münze weg. Was macht sie? Sie sucht. Erstmal macht sie Licht an. Und dann geht's los. Sie sucht unter dem Tisch und unterm Bett. Sie schaut in jede Ecke. Dann holt sie den Besen und fegt vorsichtig die ganze Bude durch. Der letzte Krümel wird rausgefegt. Aber der Groschen ist nicht zu finden. Dann fängt die gute Frau an auf ihren Knien durchs Zimmer zu rutschen. Sie bückt sich ganz tief, tastet mit ihren Fingern in jede noch so kleine Ritze.

Was für ein Bild vom großen, souveränen, mächtigen Gott. Er rutscht auf Knien durch das Zimmer. So wichtig bist du ihm, jeder von uns. Und übrigens kann die Münze nichts zu ihrer Rettung beitragen. Sie kann nicht wie das verlorene Schaf blöken und auf sich aufmerksam machen oder wie der verlorene Sohn den Rückweg antreten. Sie kann einfach nur hoffen, dass sie jemand findet. Und dann findet die Frau die Silbermünze. Und sie freut sich riesig. Sie schreit das ganze Dorf zusammen. Alle kommen um zu sehen, was passiert ist.

Wenn man sich richtig freut, dann muss das raus. Das kann man nicht für sich behalten. So wird auch Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut, sagt Jesus. (Vers 10).

Gott möchte seine Freude mit uns teilen. Manchmal frage ich, was wäre das wohl für eine Gemeinde, die das tut, was Gott am liebsten macht; den Menschen sagen und vor allem zeigen: Du bist in Gottes Augen so wertvoll, so kostbar. Ich hoffe sehr, dass wir das einander so zeigen können – wir als Gemeinde untereinander und den Menschen, die Gott uns so in den Weg stellt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für November: Hesekiel 37,27
Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.

Lieber Leser,

wenn die Pilger nach einem langen Marsch endlich den Tempel gesehen haben, der über der Stadt Jerusalem thronte, dann ging in ihrem Herzen die Sonne auf. Es gibt für einen Juden nichts Schöneres, als diese Wohnstatt des lebendigen Gottes zu sehen.

Die Babyionier haben dann vor rund 2600 Jahren den Tempel zerstört und die führende Oberschicht des Volkes deportiert. Damit haben sie sehr drastisch gezeigt: Der Gott Israels hat keine Wohnung mehr. So kann er auch nicht mehr für sein Volk sorgen. Er ist entmachtet und bedeutungslos. In einem Gegenentwurf erzählt nun der Prophet Hesekiel in der babylonischen Verbannung von einem neuen Tempel. Er wird viel prächtiger und schöner sein. Ein Wasserstrom, der aus seinen heiligen Mauern fließt, wird das Land zum Blühen bringen. Die ganze Stadt Jerusalem wird zur Wohnstatt Gottes.

Dieses Bild wird im letzten Buch der Bibel von Johannes aufgegriffen (Kapitel 21). Die Stadt ist von der Herrlichkeit Gottes durchdrungen, schreibt er. Sonne und Mond braucht es nicht mehr. Die Mauern sind aus Jaspis und die Häuser aus Gold. Gold so rein wie Glas. Alles gibt es dort in Hülle und Fülle.

In dieser Stadt gibt es keinen Tempel mehr. Es gibt dort überhaupt keine Kirchen und Gemeinden mehr, auch keine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde. Jetzt ist sie noch ganz wichtig, aber in der Ewigkeit brauchen wir sie nicht mehr. Wir brauchen auch keine Pastoren mehr und keine Predigten. Keiner muss mehr den anderen belehren, wie christusgemäße Nachfolge aussieht. Es gibt auch keinen Streit mehr um das rechte Schriftverständnis. 

Weil die ganze Stadt durchdrungen ist von der Wahrheit Gottes. Weil Gott selbst in dieser Stadt wohnt. Das Leben dort wird ein Fest sein. Alle Menschen leben im Frieden miteinander. Wir gehen dort so miteinander um, wie es der unmittelbaren Nähe Gottes entspricht.

Wer darf da leben? Wer sich hier, zu Lebzeiten an Gott durch Jesus Christus bindet, der wird das auch in der ewigen Welt Gottes erleben: die völlige Gemeinschaft mit seinem Herrn. Wenn Christen von der Zukunft sprechen, dann meinen sie nicht nur die nächste Zeit oder das, was uns an irdischer Lebenszeit noch bleibt. Wenn Christen von Zukunft sprechen, dann reden sie auch von Gottes neuer Welt und von einem ewigen Leben in seiner Nähe.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Dezember: Lukas 1,78-79
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lieber Leser!

Ich bin als vierjähriger Junge einmal in den Keller gegangen. Plötzlich ist die Tür zugefallen. Ich habe nicht gleich den Lichtschalter gefunden und war mitten in der Finsternis.

Vielleicht kennst du das als Bild für deine Lebenssituation. Um mich herum ist Finsternis und ich finde den Lichtschalter nicht. Ich weiß nicht, wie es wieder hell werden kann. Das, was für mich persönlich zutrifft, kann auch für ein ganzes Volk, eine ganze Gesellschaft gelten. Es lebt in finsteren Zeiten.

Der Lobgesang des Zacharias ist eine Anspielung auf eine uralte Verheißung des Propheten Jesaja. (Jes. 9,1-9) Da ist von einem Königskind die Rede, das wunderbare Namen hat: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater und Friede-Fürst. Manchmal sagen wir das: Guter Rat ist teuer. Weil wir wissen, dass Ratschläge nicht immer passen. Oft fehlen uns die richtige Sicht, die Liebe für den betreffenden Menschen und auch der Weitblick.

Das aufgehende Licht aus der Höhe, von dem der Priester Zacharias hier spricht, hat aber die nötigen Qualifikationen. Jesus Christus kennt dich, liebt dich und weiß, was auf dich zukommt. Er kann das sein, was keiner sonst sein kann: ein Licht für dein Leben. Wer ihm nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln.

Er hat auch die entsprechende Power. Er setzt seine Vorhaben um. Wer Jesus an seiner Seite hat, hat immer auf den Stärkeren gesetzt. Er ist der Held, der wirklich sagen kann: Mir ist alle Macht gegeben, im Himmel und auf Erden. Dieser Gott-Held hat den Tod besiegt und die Erlösung am Kreuz vollbracht. Er ist ein Ewig-Vater, weil er uns zu Kindern Gottes macht und zu Brüdern und Schwestern untereinander. Er richtet unsere Füße auf den Weg des Friedens. Er bringt den Frieden mit Gott. Er stiftet den Frieden in dir. Er schenkt den Frieden untereinander.

Jesaja hat ein Königskind erwartet, Zacharias spricht von einem Mann, der uns retten wird. Krippe, Kreuz und Krone gehören zusammen. In der Advents- und Weihnachtszeit schauen wir auf den, der die Finsternis in helles Licht verwandeln kann. Ich wünsche Dir die Erfahrung: Er macht mein Leben hell und richtet meine Füße auf den Weg des Friedens.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Gedanken zum Monat | Archiv 2016
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Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Januar: 2. Timotheus 1,7
Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Lieber Leser!

Das ist ein Zuspruch, eine Ermutigung für das neue Jahr. Paulus schreibt diesen Satz in einem Brief an seinen Freund und Mitarbeiter Timotheus. Offensichtlich hat der das nötig. Er ist in seinem Dienst in der Gemeinde Ephesus an seine persönlichen Grenzen gekommen.

Ich kenne das Gefühl. Ich kenne die Gedanken: Wie kann es jetzt weitergehen? Wird es ein gutes Ende nehmen? Wie wird die Gemeinde am Ende des Jahres dastehen? Timotheus hat Angst. Verzagtheit kann man hier auch mit Feigheit übersetzen. Angst und Feigheit können eine lähmende Wirkung haben. Man traut sich nichts mehr zu.
Da erinnert ihn der gute Seelsorger Paulus an die Zeit, in der er zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Er erinnert ihn an seine eigene Taufe. Da wurden doch dem Timotheus die Hände aufgelegt. Es wurde für ihn gebetet. Und er hat die Zusage erhalten, dass Gottes Geist jetzt in ihm wohnt, ihn ganz ausfüllt. Und das ist kein Geist der Feigheit, sondern ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Paulus selbst sitzt im Gefängnis. Und er hat allen Grund, um selbst verzagt zu sein. Der äußerlich gefangene Paulus erinnert den innerlich gefangenen Timotheus an die durch Gott gegebene Kraft. Er erinnert ihn an die Liebe und an die Besonnenheit. Und er schreibt weiter: Darum schäme dich nicht für das Bekenntnis zu unserem Herrn oder auch zu mir, der ich gefangen bin, sondern leide mit mir für das gute Evangelium. (Vers 8)

Du sollst ohne Scheu, ohne falsche Rücksichtnahme die gute Nachricht von Jesus Christus weiter predigen.
Ich nehme den Bibelvers ganz für mich persönlich und ich möchte dich bitten, es auch zu tun. Wie schnell kannst du entmutigt sein. Wie schnell kann eine ganze Gemeinde im Miteinander an ihre Grenzen stoßen. Es braucht da eine Quelle, eine Kraft, aus der wir schöpfen können. Das griechische Wort "Dynamis" bedeutet eigentlich: kraftvolle Bewegung. Wir haben einen Geist der kraftvollen Bewegung bekommen, sagt Paulus. Es ist eine dynamische Kraft, die uns hilft, dass wir aufeinander zugehen, dass wir miteinander Lasten tragen.

Paulus spricht vom Geist der Agape. Es ist die schenkende, selbstlose Liebe. Ich liebe den Menschen nicht, weil ich ihn mag, weil er mir sympathisch ist; ich liebe ihn, weil ich mich dafür entschieden habe. Besonnenheit ist das richtige Maß zwischen Stille und Aktion, zwischen Arbeit und Ruhe, zwischen Hören und Handeln, zwischen Reden und Schweigen.
Ich wünsche dir ganz persönlich, uns allen, dass dieser Geist der kraftvollen Bewegung, der Agape und der Besonnenheit uns im neuen Jahr bestimmt und erfüllt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Februar: Markus 11,25
Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt.

Die Sache mit der Vergebung

Lieber Leser!

Wie oft muss ich vergeben? Petrus fragt das den Jesus. Reicht siebenmal? Und Petrus kommt sich dabei richtig gut vor. Siebenmal für ein und dieselbe Person, in ein und derselben Sache. Das klingt doch großzügig. 

Und dann kommt die verblüffende Antwort, die jedes menschliche Maß sprengt: Nicht siebenmal sondern siebzigmal siebenmal. Wie oft also? 490-mal. Viel Spaß beim Zählen kann ich da nur sagen. Aber so ist es ja nicht gemeint. Wir sollen nicht zählen. Du sollst immer vergeben, sagt Jesus damit. Und die Geschichte, die Jesus anschließend erzählt, macht es deutlich. Da hat einer so um die 12 Milliarden Euro Schulden. Die Chance diesen riesigen Schuldenberg abzubauen ist gleich null. Das ist deine und meine Lebensschuld, die wir vor Gott haben. Und selbst wenn du, was damals durchaus üblich war, dein Liebstes dafür verkaufen würdest, deine Frau, deine Kinder, dich selbst; du kannst es nicht mehr gut machen. Und was sagt der hochverschuldete Mensch? Er sagt: Gib mir Zeit! Ich will es bezahlen! So sind wir Menschen. Wir lassen uns nichts gerne schenken. Wir wollen es wieder gut machen, obwohl es sinnlos ist. Anstatt zu sagen: Ja, Gott, so schlimm steht es um mich. Vor dir bin ich ein Bankrotteur.

Aber der König hatte Erbarmen und erlässt die Lebensschuld. Dafür hat Jesus mit seinem kostbaren Leben am Kreuz bezahlt. So ist Gott. Das ist die unglaubliche Wende in dieser Geschichte. Da kann man sich doch nur freuen! Das muss groß gefeiert werden! Aber der Mensch, von dem Jesus hier erzählt, freut sich nicht. Er sieht einen anderen Menschen, der ihm eine Kleinigkeit schuldet. Er würgt ihn und schüttelt ihn. Er hat kein Erbarmen und lässt ihn ins Gefängnis werfen.

So sind wir Menschen. Nun gut, wir würgen uns nicht gleich. Wir haben andere "Methoden" um zu zeigen, dass der andere an mir schuldig geworden ist und ich ihm nicht vergeben will. Aber auf Dauer kann das nicht gut gehen. Gott zerreißt den riesigen Schuldschein, der gegen uns spricht und wir stellen uns untereinander neue, kleine aus. Gott möchte, dass wir es ihm gleich machen. Und am Ende orientiert er sich in seinem Handeln an dem, wie wir hier miteinander umgehen. Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch nicht vergeben, sagt Jesus in Matthäus 6,15.

Ich kann aber nicht vergeben, sagt manch einer. Mein Gefühl sagt nein. Aber Vergebung ist eine Kopfentscheidung, sagt die Bibel. Gott liebt uns auch nicht aus einem unbestimmten Gefühl heraus. Er hat sich dafür entschieden, uns zu lieben. Und wenn ich vergebe, lasse ich los und lege die Angelegenheit in Gottes Hand und bitte ihn, dass er sich in richtiger Weise darum kümmert. Ich bete für mich und den, der mich verletzt hat.

Ich wünsche uns, dass wir uns liebend und vergebend begegnen können.
Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für März: Johannes 15,9.12
Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe. Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe.

Lieber Leser!

Bleibt in meiner Liebe, sagt Jesus kurz nach dem Bild vom Weinstock. Und bringt einander die Frucht der Liebe. Manchmal sagen wir ja: Jetzt kann ich endlich die Früchte meiner Arbeit genießen. In der Gemeinde sollen aber andere meine Früchte verspeisen. Meine Frucht soll andere satt machen. Bleibt, damit das gelingen kann. Es geht hier nicht um Aktivitäten. Die Frucht einer gelungenen Gemeinschaft kann man nicht produzieren, jedenfalls nicht ohne Jesus.

Dietrich Bonhoeffer hat mal gesagt: Die Frucht der Gemeinschaft einer christlichen Gemeinde entsteht nicht dadurch, dass wir unsere Beziehungen hier untereinander pflegen. Aber wenn sich jeder und jede von uns Jesus Christus zuwendet und diese Beziehung pflegt, dann mag es wohl gelingen. Das kränkt uns natürlich besonders. Gerade wir als freikirchliche Gemeinde sind stolz auf ein gut funktionierendes Beziehungsnetz. Und jetzt sagt uns Jesus: Gemeinschaft läuft nur über mich.

Eine Gemeinde, die nur auf Sympathie und Zuneigung setzt, die sich große Mühe gibt, Kompromisse schließt, Streit vermeidet, ist noch lange keine christliche Gemeinde. So eine Gemeinde ist auch auf Dauer sehr anfällig. Was ist, wenn der menschliche Kitt mal bröckelt? Was ist, wenn Sympathie in Antipathie umschlägt?

Aber wenn jeder und jede für sich in Christus bleibt, mag es gelingen. Wenn wir uns gegenseitig dazu ermutigen und untereinander die Frucht der liebe teilen, dann werden wir hier auch alle satt. Dann ist diese Gemeinde ein Raum, den auch andere gerne aufsuchen; Menschen, die wir noch nicht kennen, die Gott selbst hinzufügen will.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für April: 1. Petrus 2,4-9
Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, das ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.

Lieber Leser,

im Neuen Testament gibt es ja viele Bilder für die christliche Gemeinde: Herde, Haus, Acker, menschlicher Körper... Ich denke, es ist wichtig, mit welchem Bild du lebst. Welches Bild von Gemeinde hast du? Gott sagt: Ihr seid das heilige Volk. Ihr seid die Basisbewegung, in der jeder Einzelne die Möglichkeit hat, etwas beizutragen.

In einer Gemeinde gibt es kein Oben oder Unten. Es gibt nicht den einen Leiter und der Rest ist das Fußvolk. Ihr alle seid eine königliche Priesterschaft. Ihr seid Priester; ihr habt durch Jesus direkten Zugang zu Gott. Ihr braucht keinen zusätzlichen Mittler, keinen der dazwischen steht. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus aufbauen. Da hat jeder Stein seinen Platz. Kein Stein hält das ganze Haus. Hier hält einer den anderen. Aber wenn einer fehlt, entsteht eine Lücke. Die Stabilität nimmt ab. Das Ganze wird wackelig.

Wie kommt es dann aber, dass die christliche Kirche oft wie eine Pyramide aufgebaut und organisiert ist; eine Pyramide, die auf dem Kopf steht? Und ich erlebe, dass dieses Denken selbst in freikirchlichen Köpfen verankert ist. Da verlässt sich einer auf den anderen und letztlich ruht alles auf immer weniger Schultern. Und die untersten Mauersteine müssen den meisten Druck aushalten. Bis es nicht mehr geht.

Ich möchte kein Pastor solch einer Gemeinde sein. Was kann man tun? Der Text sagt: Kommt zu ihm, zu Jesus Christus. Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein. Bevor du also in der Gemeinde loslegen willst, musst du dich erst einmal einweisen lassen, auch der Pastor. Lasst euch als lebendige Steine einfügen. Jesus selbst fügt dich genau an den Platz ein, den er für dich bestimmt hat. Es ist ein maßgeschneiderter Platz. Und dann dient einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. Deine Gaben, deine Fähigkeiten können also kleine Wegweiser sein für deinen Platz. Das Empfangen und Weitergeben geschieht in einer guten Balance.

Die Gemeinde ist mehr ein Mobile als ein starres Gebäude. Und dann wird gesagt, wozu Gemeinde überhaupt da ist. Damit wir die großen Taten dessen verkünden, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Unsere Aufgabe ist es also nicht in erster Linie, die Gemeinde nach innen hübscher zu machen. Nichts gegen ein Wohlfühlklima; aber wir sollen öffentlich machen, was Gott an uns getan hat. Bei ihm kommt unser Leben wieder in Ordnung. Das sollen die Menschen erfahren. Das sind wir ihnen schuldig. Das ist unser priesterlicher Dienst. Wir sind Brückenbauer zwischen Gott und Menschen.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juni: 2. Mose 14,1 - 15,21
Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.

Lieber Leser!

Israel ist auf dem Weg in die Freiheit. Die Macht Ägyptens scheint gebrochen. Endlich ist Schluss mit Sklaverei, mit Abhängigkeit und Unterwerfung. Gott hat das Elend seines Volkes gesehen und eine Rettungsaktion von langer Hand vorbereitet. Über 400 Jahre gehören nun der Vergangenheit an.

Doch kaum sind die ersten Schritte in die langersehnte Freiheit getan, kommt der Feind mit großer Macht hinterher. Die Vergangenheit lässt sich nicht einfach so abschütteln. Der Pharao mit seiner Armee ist wieder da. Vielleicht kennst du das? Die Vergangenheit ist nicht vergangen. Plötzlich ist sie wieder da und meldet alte Ansprüche an. Menschen, die mein Leben dominiert haben, lassen mich nicht los. Bindungen, von denen ich gemeint habe, dass ich sie durchtrennt hatte, feiern ihre Auferstehung.

Ich erinnere mich noch gut daran. Ich habe mein Leben Jesus übergeben. Ich habe mit der Taufe meine Vergangenheit ins Wassergrabgelegt. Aber dann habe ich festgestellt, so leicht ist das nicht. Und dann kommen Zweifel und Fragen hoch: Ist der neue Mensch, den Gott versprochen hat, nur ein schöner Traum? Ist die neue Schöpfung in mir nur eine Illusion? Aber manchmal ist es wichtig, sich den alten Mächten und Bindungen zu stellen, damit der Weg in die Freiheit umso klarer beschritten werden kann.

Und oft steht das Alte noch einmal auf und will nicht weichen, weil ich mich so deutlich entschieden habe, einem anderen zu dienen. Mit einem verstockten Herzen jagt der Pharao den Israeliten hinterher. Aber der Kampf ist bereits gekämpft, bevor er überhaupt angefangen hat. Die Vergangenheit hat keine Macht mehr. Gott ist stärker. Die ägyptische Streitmacht versinkt im Meer.

Die alte Vergangenheit hat keine Macht mehr, mag sie sich noch so gebärden. Wir müssen mit ihr keine Verhandlungen führen. Wir müssen auch keine falschen Kompromisse mit ihr schließen. Fürchtet euch nicht, ruft Mose den Israeliten zu, haltet stand. Der Herr wird für euch streiten (Vers 14). Gott hält uns den Rücken frei und wir dürfen Schritte nach vorne wagen und werden dabei eine Erfahrung machen, die uns Gott loben lässt: Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden (Kapitel 15,2).

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
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Monatsspruch für Juli-August: 2.Mose 33,19
Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.

Lieber Leser,

eine nackte Felsspalte wird für den Mann Mose zu einem Ort, wo ihm Gott begegnet. Es ist kein Gottesdienstraum, wo man weich und bequem auf einem Stuhl sitzt und manchmal distanziert zuhört. Und Mose ist ganz dringend auf eine Begegnung angewiesen, weil er mit seinem Latein am Ende ist. Er ist müde, fertig und kaputt. Hinter ihm liegt eine kraftzehrende Zeit. Was hat er nicht alles geleistet, gemacht und getan! Er war alles in einer Person: Prediger, Richter, Streitschlichter, Gemeindeleiter, Reiseleiter und Seelsorger für ein oft halsstarriges Volk.

Und dann kommt er an diesen Offenbarungsort und empfängt die 10 Leitlinien für ein gelingendes Leben. Aber während er diese guten Gebote von Gott empfängt und das Volk eine kleine Zeit nur alleine lässt, spielt das Volk verrückt. Sie machen sich ein goldenes Kalb, weil sie einen sichtbaren Gott wollen. In seinem Zorn darüber zerbricht Mose die Steintafeln mit den 10 Geboten und mit ihnen zerbricht auch etwas in ihm.

Er braucht eine neue Erfahrung Gottes in seinem Leben. Er sehnt sich mit allen Sinnen nach Gott. Für ihn ist Gott kein blasser Gedanke am Sonntagmorgen. Er sehnt sich nach echter Gemeinschaft. Und erinnert Gott an seine eigenen Zusagen: Gott, du hast mir doch den Auftrag gegeben, dieses Volk aus Ägypten herauszuführen und nun sag mir, wie das gehen soll. Es ist doch schließlich dein Volk. Nun kümmere dich doch bitte um deine eigene Angelegenheit.

Wo nehme ich Gott beim Wort? Wo stelle ich mich auf seine Zusagen und nehme sie ernst?
Und dann wird Mose regelrecht unverschämt: Lass mich deine Herrlichkeit sehen, Gott! Lass mich sehen, wer du wirklich bist! Ich möchte eine unzweideutige Gotteserfahrung machen. Wie antwortet Gott? Nein, Mose, es gibt für dich keine Möglichkeit, mich von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Du würdest es auch nicht überleben. Aber ich will mit meiner ganzen Herrlichkeit an dir vorübergehen und du darfst hinter mir hersehen. Im Rückblick, im Hinterhersehen werden die Spuren Gottes in deinem Leben erkennbar sein.

Gott sagt: Ich kenne dich, Mose. Ich kenne dich mit deinem Namen und ich will dir meinen Namen sagen und du darfst mir hinterhersehen. Wenn wir heute wissen wollen, wer Gott für uns ist, schauen wir auf Jesus. Wer seinen Namen anruft, soll gerettet werden (Röm. 10,13). Ein Mose gibt sich nicht zufrieden mit dem Status qua. Er nimmt Gott beim Wort und erfährt dann, dass die Herrlichkeit Gottes an seinem Leben vorbeizieht. Das wünsche ich dir auch.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juli-August: 2.Mose 33,19
Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.

Lieber Leser,

eine nackte Felsspalte wird für den Mann Mose zu einem Ort, wo ihm Gott begegnet. Es ist kein Gottesdienstraum, wo man weich und bequem auf einem Stuhl sitzt und manchmal distanziert zuhört. Und Mose ist ganz dringend auf eine Begegnung angewiesen, weil er mit seinem Latein am Ende ist. Er ist müde, fertig und kaputt. Hinter ihm liegt eine kraftzehrende Zeit. Was hat er nicht alles geleistet, gemacht und getan! Er war alles in einer Person: Prediger, Richter, Streitschlichter, Gemeindeleiter, Reiseleiter und Seelsorger für ein oft halsstarriges Volk.

Und dann kommt er an diesen Offenbarungsort und empfängt die 10 Leitlinien für ein gelingendes Leben. Aber während er diese guten Gebote von Gott empfängt und das Volk eine kleine Zeit nur alleine lässt, spielt das Volk verrückt. Sie machen sich ein goldenes Kalb, weil sie einen sichtbaren Gott wollen. In seinem Zorn darüber zerbricht Mose die Steintafeln mit den 10 Geboten und mit ihnen zerbricht auch etwas in ihm.

Er braucht eine neue Erfahrung Gottes in seinem Leben. Er sehnt sich mit allen Sinnen nach Gott. Für ihn ist Gott kein blasser Gedanke am Sonntagmorgen. Er sehnt sich nach echter Gemeinschaft. Und erinnert Gott an seine eigenen Zusagen: Gott, du hast mir doch den Auftrag gegeben, dieses Volk aus Ägypten herauszuführen und nun sag mir, wie das gehen soll. Es ist doch schließlich dein Volk. Nun kümmere dich doch bitte um deine eigene Angelegenheit.

Wo nehme ich Gott beim Wort? Wo stelle ich mich auf seine Zusagen und nehme sie ernst?
Und dann wird Mose regelrecht unverschämt: Lass mich deine Herrlichkeit sehen, Gott! Lass mich sehen, wer du wirklich bist! Ich möchte eine unzweideutige Gotteserfahrung machen. Wie antwortet Gott? Nein, Mose, es gibt für dich keine Möglichkeit, mich von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Du würdest es auch nicht überleben. Aber ich will mit meiner ganzen Herrlichkeit an dir vorübergehen und du darfst hinter mir hersehen. Im Rückblick, im Hinterhersehen werden die Spuren Gottes in deinem Leben erkennbar sein.

Gott sagt: Ich kenne dich, Mose. Ich kenne dich mit deinem Namen und ich will dir meinen Namen sagen und du darfst mir hinterhersehen. Wenn wir heute wissen wollen, wer Gott für uns ist, schauen wir auf Jesus. Wer seinen Namen anruft, soll gerettet werden (Röm. 10,13). Ein Mose gibt sich nicht zufrieden mit dem Status qua. Er nimmt Gott beim Wort und erfährt dann, dass die Herrlichkeit Gottes an seinem Leben vorbeizieht. Das wünsche ich dir auch.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für September: Jeremia 31,3
Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Lieber Leser!

Das ist eine Liebeserklärung Gottes. Das ist die Sprache der Liebe. Eine Mutter sagt das zu ihrem Kind: Ich habe dich vom ersten Tag an, als du auf die Welt kamst, schon geliebt. Gott, der durch Jesus unser himmlischer Vater ist, spricht so zu uns: Als du noch nicht geboren warst, als es dich noch nicht gab; da habe ich dich schon geliebt.

Und für diese Liebe brauche ich keinen Grund. Ich liebe dich nicht, weil du in der Bibel liest und jeden Tag betest. Ich liebe dich nicht, weil du eifrig im Reich Gottes mitarbeitest und meine Gebote hältst. Ich freue mich, wenn dein Leben gelingt und wenn du dein Leben mit mir teilst, aber meine Liebe zu dir mache ich daran nicht fest. Und ich höre auch nicht auf dich zu lieben, wenn du dir und anderen Menschen Schaden zufügst. Weil meine Liebe zu dir keinen Grund braucht. Ich ziehe dich zu mir, sagt Gott. Alle Versuche, Gott auf meine Seite zu ziehen, ihn zu beeindrucken, ihn davon überzeugen zu wollen, dass ich wertvoll bin, sind so gesehen lächerlich.

Viele Menschen haben eine Sehnsucht nach Gott. Es gibt Meditationskurse, Wallfahrten, Einkehrtage, um das Leben zu vertiefen, um mit Gott mehr zu erfahren. Manchmal vergessen wir dabei: Er sehnt sich zuerst nach uns. Er ist schon da. Er will uns zu sich ziehen. Und besonders die Sorgenkinder liegen ihm am Herzen. Aber Gott zieht uns nicht gegen unseren Willen. Er zieht uns nicht einfach so über den Tisch. Gott zieht und zerrt nicht an uns. Es ist mehr ein "zartes" Ziehen. Es ist ein Werben und Ermuntern.

Das Volk Israel steht vor einer schweren Zeit. Bald wird die Stadt Jerusalem zerstört werden und viele Menschen werden weggeführt, deportiert. Sie alle bekommen diese Liebeserklärung mit auf den Weg. Es mag manche Einbrüche in unserem Leben geben. Es kommen Situationen, die uns nicht gefallen werden. Aber Gott steht zu seinem Wort. Seine Liebesbeziehung wird von ihm aus nicht aufgekündigt.

Als die engsten Freunde von Jesus den Weggang ihres Herrn betrauern; da hat er zu ihnen gesagt: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. (Joh.14,1-2a)
Gott sehnt sich nach uns. Er will uns einmal unverlierbar bei sich haben. Es liegt nun ganz bei uns, ob wir das glauben können. Ich wünsche es uns sehr.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Oktober: 2. Korinther 3,17
Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Lieber Leser,

„Freiheit“ ist ein schillerndes Wort. Wer möchte nicht frei sein? Ich bin in einem Staat aufgewachsen, wo es keine Meinungsfreiheit, keine Pressefreiheit und keine Reisefreiheit gegeben hat. Aber auch, wenn ich nun in einem Land mit vielen Freiheiten leben kann, bin ich nicht völlig frei. Ich kann nicht tun und lassen, was mir gefällt. Es gibt die absolute Freiheit nicht.

Gott hat uns Menschen die Wahlfreiheit geschenkt. Ich bin frei, mich für einen Wohnort zu entscheiden. Ich kann mich für einen Partner entscheiden, mit dem ich mein Leben teile. Das schließt dann andere aus. Ich schließe mich einer Gemeinde an, die sich „Freikirche“ nennt. Die Existenz dieser Form gelebter Gemeinschaft verdanken wir Christen, die das oft mit ihrem Leben bezahlt haben. Sie waren so frei, dass sie für ihren Glauben und ihre Überzeugungen diesen Weg in den Tod gegangen sind. Keiner hat sie dazu gezwungen.

Zwei Drittel der Weltbevölkerung lebt heute in Staaten, wo man seinen Glauben nicht frei leben darf. Es findet, vielfach unbemerkt von den doch sonst so aufmerksamen Medien, die größte Christenverfolgung aller Zeiten statt. Rund 100 Millionen Christen werden um ihres Glaubens willen verfolgt, diskriminiert, gefoltert und ermordet. Die Freiheit, in der wir zurzeit in diesem Land leben, ist ein kostbares Gut. Sie kann uns auch wieder genommen werden.

In einem Lied heißt es: Frei sind wir, ja zu sagen oder nein. Dem Apostel Paulus ist das wichtig, weil der Geist Gottes selbst Freiheit schenkt. So kannst du dich für oder gegen ein Leben mit Jesus entscheiden. Du kannst diese Entscheidung auch ständig vor dich herschieben. Du kannst den Zustand der Unverbindlichkeit auch über lange Zeiträume aufrechterhalten. Aber mit den Konsequenzen musst du dann auch leben.

Manche Leute fragen mich: Warum hat Gott seine Schöpfung nicht besser eingerichtet? Die Freiheit ist doch auch eine große Gefahr, sich immer wieder zu verlieren und das Falsche zu wählen. Aber Gott hat sich eben ganz bewusst freie Menschen geschaffen, ohne innere Bremse, ohne einen Bauteil im Gehirn, der ihn zur bloßen Marionette macht. Gott möchte ein freies Gegenüber, das sich frei für oder gegen ihn entscheiden kann.

Freiheit und Liebe sind zwei Seiten derselben Medaille. An Jesus kann man es gut sehen: Da wird ein junger Mann mit langen Nägeln an ein Holzkreuz genagelt. Er stirbt unter großen Schmerzen. Keiner zwingt ihn zu diesem Weg. Es ist die Freiheit der Liebe, für uns zu sterben.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für November: 2. Petrus 1,19
Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

Lieber Leser!

Ich glaube nur, was ich sehen kann. Manchmal begegnet mir dieser Satz. Dabei gibt es so viele Dinge, die man weder sehen, riechen, hören noch fühlen kann. Was ist zum Beispiel mit Liebe, mit Treue und mit dem Glauben? Es sind allerdings ganz persönliche Erfahrungen, die ich machen muss; sonst weiß ich nicht, wovon hier eigentlich die Rede ist. Sonst fehlt mir eine entscheidende Dimension.

Es ist so gesehen jedes Mal ein Wunder, wenn ein Mensch Gott und Jesus für sich erkennt. Wir meinen ja oft, was für mich gültig ist, das muss auch gleich allen Menschen um mich herum einsichtig und zugänglich sein. Aber das ist ein Irrtum. Die Bibel sagt, dass das Wesentliche unseren Augen verborgen ist: Gottes Absichten, sein Wille für mein Leben, das Geschenk, das er mir in Jesus Christus macht. Da muss mir ein Licht aufgehen, das muss mir einleuchten.

Paulus bezieht sich in den Versen vorher auf eine wichtige Bergerfahrung, die drei Freunde von Jesus gemacht haben. Sie haben einen Blick in Gottes Welt getan. Sie sehen Jesus, ihren Herrn und Meister als Lichtgestalt. Und sie hören die Stimme Gottes: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören! Letztlich brauchen wir alle solche Bergerlebnisse, wo Gott uns die Augen öffnet, damit wir glauben können.

Ich war im Juli in den Alpen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man einen Berg von 3600 m Höhe nicht in 10 Minuten ersteigt. Manchmal muss man schon ganz früh losgehen, wenn es gelingen soll. Viele Menschen sind nicht mehr bereit, sich auf eine echte Begegnung mit Gott einzulassen. In ein paar Minuten Bibellesen und Beten kann ich auch keine "geistlichen Berge" besteigen. Und ich kann auch nicht erwarten, dass mir da gleich ein Licht aufgeht.

Ich wünsche uns Erfahrungen, die unseren Glauben neu gründen und vertiefen. Damit wir wie Paulus sagen können: Wir folgen nicht ausgedachten Geschichten, sondern wir haben seine Herrlichkeit selbst gesehen. (Vers 16) Ich wünsche uns, dass wir das wichtig nehmen, was den drei Jüngern auf dem Berg von Gott eingeschärft wurde: Das ist mein Sohn. Auf den sollt ihr hören. Ihm sollt ihr gehorchen.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Dezember: Psalm 130,6
Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als der Wächter auf den Morgen.

Lieber Leser,

worauf warte ich, was erhoffe ich mir? Da ist das Ehepaar, das kaum noch miteinander spricht. Aber vielleicht kommt man ja doch noch wieder zusammen und geht zärtlich und liebevoll miteinander um, so wie früher.

Da ist der Arbeitslose, der nicht müde wird, seine Bewerbungen abzuschicken. Da ist die Tochter, die darauf hofft, dass ihr dementer Vater sie noch einmal erkennt. Manche warten auf ihre Genesung. Eltern und Großeltern warten oder erhoffen sich, dass ihre Kinder und Enkelkinder zum lebendigen Glauben finden.

Das Volk Israel hat zu allen Zeiten darauf gewartet, dass Gott endlich eingreift und die schlimmen Zeiten der Fremdbestimmung durch andere Großmächte aufhören. Manchmal hoffen wir auf Dinge und alles spricht dafür, dass es auch so kommen wird. Und dann gibt es Zustände, an die wir uns mit der Zeit gewöhnt haben und die unabänderlich scheinen. Die Ehe ist eben schwierig und die Schikanen am Arbeitsplatz muss ich hinnehmen. Die Gemeinde ist liberal, konservativ, fundamentalistisch oder charismatisch.

Setze ich da jetzt einen Schlusspunkt und kann mir keine Veränderung mehr vorstellen oder lasse ich einen Hoffnungsspalt für Gottes Wirken offen? Und kann ich geduldig warten und habe ich einen langen Atem, um Veränderungsprozesse gut zu begleiten?

Es hat mal jemand gesagt: Christliche Gemeinden müssen Träger der Hoffnung sein. Sie müssen es ablehnen, irgendeine Situation als hoffnungslos oder als unerreichbar für die heilende Kraft Christi zu sehen. Natürlich gibt es Enttäuschungen, die schwer wiegen. Wenn man drei Jahre in einer Gemeinde als Pastor gearbeitet hat, dann ist der Zauber, der bekanntlich jedem Anfang innewohnt, auch schon verflogen.

Aber ich lehne es ab, eine Situation als hoffnungslos zu beschreiben. Und ich will erreichbar bleiben für die heilende Kraft Christi. Diese Hoffnung wünsche ich dir auch. Mit dieser Erwartung darfst du leben.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Gedanken zum Monat | Archiv 2015
  • Januar
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  • August
  • September
  • Oktober
  • November
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Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Januar: 1. Mose 8,22
Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Lieber Leser!

Ich stelle mir vor, wie Noah nach der großen Sintflut an der Arche lehnt und all den Tieren nachschaut, die da aus der Arche laufen. Mit ihnen will Gott neu anfangen.

Aber wird es jetzt besser werden? Werden die Menschen, die Nachkommen seiner Söhne und Schwiegertöchter, werden sie es jetzt wirklich besser machen? Haben die Wassermassen das Menschengeschlecht innerlich gereinigt? Es soll, so denkt sich Noah, wenigstens ein guter Anfang werden. Deswegen errichtet er einen Altar, um Gott ein Dankopfer zu bringen. Gleich zu Beginn sollen die Weichen richtig gestellt sein. Gott soll sehen, dass seine Menschen etwas begriffen haben und man aus Schaden klug geworden ist.

Und Gott nimmt ihm diese Illusion. Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf, sagt er. Nichts hat sich geändert. Und doch markiert der 1. Tag nach der Flut den Beginn eines neuen Zeitalters. Das Zeitalter der Gnade. Ich will die Erde nicht mehr verfluchen um der Menschen willen. Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, spricht Gott.

Wir haben hier keinen frustrierten Gott, der nicht mehr weiß, was er noch machen soll, damit wir endlich zur Vernunft kommen. Er gibt nicht auf und lässt den Dingen seinen Lauf. Nein, er entscheidet sich dafür, dass seine Zuwendung nicht mehr von menschlicher Tugendhaftigkeit abhängig sein soll. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Gott ermöglicht allen Menschen Leben, unabhängig davon, ob sie ihn nun lieben und ehren oder nicht. Das gilt auch für das neue Jahr. Es ist ein Gnadenjahr für alle. Das gilt für Christen und für Nichtchristen. Solange die Erde steht. Aber Christen erkennen die Liebe Gottes in ihrem Leben. Sie nehmen in großer Dankbarkeit jeden Tag aus Gottes Hand.

Christen sind nicht unbedingt erfolgreicher als andere Menschen; aber sie fragen nach dem Willen ihres Schöpfers. Sie haben so gesehen kein privates Leben mehr. Sie lassen sich ihre Tagesordnung vom Herrn der Welt schenken. Christen wissen, dass alles, was sie tun, in einem größeren Zusammenhang steht. Es geht darum, dass das Reich Gottes sichtbar wird, dessen Botschafter sie sind. Und das Reich Gottes ist nicht nur auf die Gemeinde beschränkt. Es soll auch in meiner Ehe aufleuchten und wie ich meine Kinder erziehe. Es soll in meinen Beziehungen eine Rolle spielen und in meiner Arbeitswelt.

Solange die Erde steht. Das wird nicht ewig sein. Darum ist es auch "teure Zeit". Die Menschen sollen erkennen, dass das nächste Zeitalter ansteht, das vollendete Reich Gottes. Möglichst viele Menschen will Gott da hinüberretten. Und diese Arche hat einen Namen: Jesus Christus.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Februar: Römer 1,14.16
Ich bin Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen. Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht, alle, die daran glauben.

Lieber Leser!

Eine Frau aus meiner ersten Gemeinde hat mal gesagt, dass sie sich schämt, ihren Nachbarn in die Gemeinde zum Gottesdienst einzuladen. Früher bekam man beim Thema "Sex" heiße Ohren, heute beim Thema "Glauben". Für viele ist es ein Tabuthema geworden.

Für Paulus und überhaupt für die ersten Christen war es das Thema Nummer 1. Ich bin es ihnen schuldig, sagt Paulus. Ich habe ihnen das gute Evangelium zu bringen. Der Nachbar, mein Arbeitskollege haben ein Anrecht darauf. Es geht also nicht darum, dass ich ihnen gnädigerweise etwas von dem erzähle, was mir selbst wichtig geworden ist.
Paulus spricht von einer Bringeschuld. Der Mensch, der nichts von Jesus weiß, kann etwas von mir verlangen. Und Schulden werden bekanntlich nicht dadurch kleiner, wenn ich sie vergessen will. Auch ein Aufschub schafft sie nicht aus der Welt. Ganz im Gegenteil: die Schuldenlast wächst durch Zins und Zinseszins.

Allerdings kommt es den wenigsten Menschen in den Sinn, etwas von uns zu verlangen. Da kannst du lange darauf warten, dass der Nachbar bei dir klingelt und dann sagt: Du hast Schuld daran, dass mein Leben so freudlos verläuft, weil du mir nichts vom Evangelium erzählt hast. Nein, nicht der Mensch, der Jesus nicht kennt, ist unser Auftraggeber. Es ist Jesus selbst. So versteht es Paulus.

Ja, wäre das Evangelium nur ein Luxusgegenstand, den man sich leisten, aber auf den man ebenso gut verzichten kann, dann stünden die Dinge anders. Aber es ist eben eine rettende Kraft Gottes. Im Bild gesprochen: Diese Welt sinkt, sie säuft ab. Und Jesus ist das Rettungsboot. Und das Rettungsboot ist so groß, dass es für jeden Platz bietet. Keiner muss ertrinken. Oder: Diese Welt ist todkrank und Jesus ist die Medizin. Gott will, dass jeder diese Medizin bekommt. Die Medizin ist bezahlt. Es gibt sie kostenlos.

Und jetzt geht es nicht darum, dass das ein theoretisches Angebot ist. Er selbst hat das Boot gebaut. Er selbst hat die Medizin erfunden. Wir müssen es nur sagen, was rettet. Wir müssen sie nicht ins Boot schubsen oder ihnen die Medizin eintrichtern. Es bleibt ein Angebot; allerdings eins, das wir ihnen schuldig sind.

Manchmal denke ich, dass wir vielleicht selbst geistlich gleichgültig geworden sind. Was kannst du anderen von Jesus erwählen? Wo hat er Dinge in deinem Leben heil gemacht? Wo spürst du seine Kraft? Im Griechischen steht da dynamis. Das Evangelium ist Dynamit. Die Nachricht von Jesus Christus hat eine große Kraft, wenn sie sich in deinem Leben entfalten kann. Gott schenke es dir.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für März: Römer 8, 31 u. 38ff
Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?... Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas können uns von der Liebe Gottes trennen.

Lieber Leser!

Der Text ist wie ein Blick von ganz oben auf mein kleines Leben. Ich bin von Gott geliebt. Durch Jesus bin ich sein geliebtes Kind, geliebte Tochter, geliebter Sohn.

Das kann mir keiner nehmen. Wer will mich da noch verurteilen? Wer kann mich da noch angreifen? Welcher Mensch maßt es sich an, mir nicht zu vergeben? Jesus ist doch für meine Schuld gestorben. Er hat mich bleibend auf Gottes Seite gezogen. Er vertritt mich. Er kennt mich bei meinem Namen. Er bewegt vor Gott meine Anliegen. Selbst der Tod hat seinen Schrecken für mich verloren. Nichts kann mich von der in Jesus Christus zugesagten Liebe Gottes trennen, auch der Tod nicht.

Der Text ist ein Christuslied. Es ist auch ein trotziges Lied. Ich singe es, wenn die trüben Gedanken wieder hochkommen. Ich singe es, wenn ich meinen momentanen Zustand so überhaupt nicht bejahen kann. Nichts kann mich von Gottes Liebe trennen. Es ist allerdings kein lockerer Spruch für solche, die sich davonmachen. Es ist kein Lied für solche, die sich von Gott entfernen.

Nichts kann mich trennen!? Doch, ich selbst kann mich entfernen. Gott klammert nicht. Er lässt mich gehen, wenn ich aus seiner Liebe herausgehen will. Gott will freie Kinder. Gott legt uns an keine Kette, auch an keine Liebeskette.

Aber es ist ein Lied für solche, die zurückkommen wollen. Wenn ich sage: Gott, ich brauche dich für mein Leben. Wenn ich sage: Jesus, ich brauche dein Sterben für mein Leben. Es soll für mein Leben gelten, was du für mich persönlich durch Tod und Auferstehung bereithältst.

Wenn ich das so sagen kann, kann ich wieder fröhlich singen: Nichts kann mich trennen von der Liebe Gottes.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für April: Matthäus 27, u.a. Verse 54.
Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!

Lieber Leser!

Der Schmerzensweg - Via Dolorosa, Jesus geht ihn. Und er geht ihn auch heute noch. Jesus betet im Garten Gethsemane. Jesus ringt im Gebet. Er betet für seine Jünger. Und die schlafen. Jesus wünscht sich eine wache, offene Gemeinde. Und seine Gemeinde ist sich selbst genug.

Feige Jünger, die sich für ihren Herrn schämen, die ihn wie Simon Petrus verleugnen, weil sie Konsequenzen fürchten. Am Sonntag wird gelobt und am Montag wird geschwiegen.

Jesus trägt sein Kreuz. Keiner von uns muss dieses Kreuz tragen; aber andere Lasten schon. Jünger, die anderen nicht tragen helfen wollen, die Situationen meiden, wo es Kraft und Verzicht kostet, gibt es auch heute. Nachfolger, die aus der Nachfolge aussteigen, weil sie merken, dass das den ganzen Menschen fordert.

Jesus hängt am Kreuz. Er stirbt einen Tod für andere, für dich und mich. Wo stehe ich unter diesem Kreuz? Bin ich bei den Spöttern und Zuschauern? Weine ich mit Maria und den anderen Frauen? Bekenne ich mit dem römischen Hauptmann:

"Dieser ist Gottes Sohn !"? Bitte ich mit dem einen Verbrecher: "Vergib mir, Jesus. Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst."?

Immer noch treffen sich Menschen unter seinem Kreuz und reagieren sehr unter-schiedlich auf das, was sie da erleben.

Wo stehst du? Vielleicht kannst du das ja so sagen, wie es Petrus einmal stellvertretend für die anderen Jünger gesagt hat: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist (Joh 6, 68f.).

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Mai: Philipper 4,13
Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.

Lieber Leser!

Leben ist ein Geschenk. Keiner kann für seine Gesundheit garantieren. Keiner weiß genau, wie alt er mal wird. Man kann seine Arbeit verlieren, seine Sehkraft, liebe Menschen. Sicher, wir haben auch große Freiheiten das Leben zu gestalten. Wir treffen Entscheidungen, übernehmen Verantwortung. Wer seinen Körper vernachlässigt und Beziehungen nicht pflegt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sich das negativauswirkt.

Leben ist ein Gottesgeschenk mit Gestaltungsmöglichkeiten. Paulus hat das so erlebt. Er hat viel Gutes erfahren. Er ist behütet groß geworden und hat später Theologie studiert. Mit großem Eifer und im Dienst für Gott hat er Christen verfolgt. Dann kam es zum großen Umbruch, zur Bekehrung. Er hat alle seine Überzeugungen über Bord geworfen. Er wurde zum dem, wie wir ihn kennen: Der große Heidenmissionar und Gemeindegründer. Hatte er früher Christen verfolgt, so verfolgen ihn nun die Juden und er erlebt auch viel Ablehnung und Widerstand in den christlichen Gemeinden. Er tritt schwach auf und ist nicht so vollmächtig wie die anderen Missionare. Da er sich nicht von den Gemeinden bezahlen lässt, hat er oft wenig Geld.

Aber er hat es ja gelernt mit vollem und leerem Portemonnaie zu leben. Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, sagt er. Ich werde durch Christus mit jeder Lebenssituation fertig. Ich kann es genießen, wenn es mir gut geht. Aber wenn es mal nicht so gut läuft, kann ich mich immer noch freuen. Denn Christus ist meine Freude. Dass ich mit ihm mein Leben teile und dass mein Leben auf das gute Ziel hinführt, einmal mit ihm auf ewig verbunden zu sein, macht mich glücklich und reich. Epaphroditus, so heißt der gute Bruder, der ihm eine Gabe, wohl ein Geldgeschenk von den Geschwistern aus Philippi mitgebracht hat. Paulus selbst sitzt im Gefängnis mit ungewissem Ausgang.

Über das Geschenk hat er sich sicher gefreut. Aber er fällt nun nicht vor lauter Dankbarkeit vor den Philippern auf die Knie. Er freut sich vielmehr über die Haltung, die dahinter steckt, über den Glauben, der geholfen hat, dass Menschen teilen können. Er freut sich über die Gemeinschaft, die dadurch deutlich wird, die Christus selbst gestiftet hat. Vielleicht kennt ihr noch diesen kleinen Afrikaner als Spendendose. Immer wenn ein Kind in der Sonntagsschule ein Geldstück reingesteckt hat, hat er genickt und sich artig bedankt. Paulus macht keinen Diener. Die Freiheit in Christus ist ihm ein kostbares, geistliches Gut. Geben und Nehmen geschieht auf Augenhöhe.

Diese Freiheit wünsche ich dir und mir. Und ich wünsche uns ein fröhliches Geben und Nehmen in der Gemeinde, ohne Abhängigkeiten, als Ausdruck unseres Glaubens und als Zeichen der Verbundenheit.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juni: 1. Mose 32,23-32
Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.

Lieber Leser!

Eigentlich ist Jakob ein Betrüger und ein alter Trickser. Er hat seinen älteren Bruder Esau betrogen und sich den Segen des alten, halbblinden Vaters erschlichen. Dann ist er geflohen. Und jetzt, nach 20 Jahren, kommt er zurück. Er lagert mit seinen 400 Leuten am Jabbok. Jakob hat große Angst vor der Begegnung mit seinem Bruder. Wird er sich rächen? Wird er es ihm heimzahlen? Er betet zu Gott. Er schickt ganz viele Kamele, Esel, Schafe seinem Bruder entgegen, um ihn gütig, um ihn gnädig zu stimmen. Aber wird das reichen?

Gut, Jakob kann auch wieder zurück ins Exil gehen. Er kann vor der Vergangenheit fliehen und zurück in sein altes Leben gehen. Und dann ist er alleine und um ihn herum Dunkelheit und in ihm sieht es nicht besser aus. Und plötzlich ist da ein Mann, mit dem er kämpft. Der renkt ihm die Hüfte aus. Und Jakob merkt, dass der Unbekannte ihn nicht vernichten will. Es ist Gott selbst mit dem er hier ringt.

Jakob hört auf zu kämpfen. Er hält sich einfach nur fest und will nicht mehr loslassen. Er bittet ihn: Segne mich! So alt die Geschichte auch immer ist, so aktuell ist sie auch wieder. Es gibt Momente, wo du vor wichtigen Entscheidungen stehst und wo du Gott nicht ausweichen kannst. Ich kenne Menschen, die kämpfen mit Gott, wenn es um eine Entscheidung für Jesus geht. Will ich ihm wirklich mein ganzes Leben übergeben und ihm wirklich nachfolgen und nicht mehr nur halbe Sachen machen, wie bisher?

Bis sie sich wirklich an Jesus klammern und ihn von Herzen bitten: Vergib mir meine Sünden! Hilf mir mein Leben so zu ändern, bis es dir gefällt. Auch für Jakob entscheidet sich in dieser Nacht alles. Er kannte wohl Gott, aber er war nicht der Chef seines Lebens. Immer wieder hat Jakob die Dinge selbst in die Hand genommen. Er hat geschummelt und sich irgendwie durchgemogelt.

Vielleicht kennst du das. Bis sich dir Gott in den Weg stellt, weil er klare Verhältnisse liebt. Weil er dich liebt. Mancher wartet so lange mit der Taufe. Vielleicht weil er genau spürt: Wenn ich die Entscheidung, mein Leben mit Jesus zu verbinden, öffentlich mache, dann kann ich da nicht mehr zurück. Dann weiß es jeder.

Es gibt innere Kämpfe. Eigentlich will ich ja mit Jesus meinen Weg gehen. Aber auf der anderen Seite will ich auch alte Gewohnheiten nicht lassen. Es gibt ein Ringen um Wahrhaftigkeit. Klar kannst du aufgeben und in alte Muster wieder zurückfallen. Du kannst es tun mit einem lockeren Spruch auf den Lippen: Wir haben ja alle unsere Macken. Keiner ist perfekt. Aber dann kann der neue Mensch in dir nicht wachsen. All das, was Jakob in seinem Leben vernachlässigt hatte, all das, was unerledigt war; es muss neu durchgekämpft werden.

Wie sieht es aus in deinem Leben? Wie stehts mit deiner Entscheidung für Jesus? Wann willst du deinen Weg mit Jesus in der Taufe öffentlich machen? Jakob hat gesagt: Ich lasse dich nicht los, Gott, bevor du mich segnest. Ich lasse nicht los, bis ich in einer geklärten und neuen Beziehung zu dir, Gott, stehe. Ich wünsche dir gute Kämpfe und Entscheidungen!

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juli: Matthäus 5, 33-37
Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

Lieber Leser!

Jesus radikalisiert in der Bergpredigt das gute Gesetz Gottes. Und wer mit Jesus unterwegs ist, wer sein Jünger wird, wird mit der Zeit ebenfalls radikal. Radikal meint, dass das bis an die Wurzel geht. Das kommt von "Radix", die Wurzel. ln dem Wort Radieschen findet sich dieser lateinische Begriff.

Jesusjünger sind in allen Dingen radikal: in der Liebe, im Frieden halten, im Streben nach Gerechtigkeit, in der Wahrhaftigkeit. Jesusjünger wollen nur, dass durch ihr Leben Gott geehrt wird. Sie hören auf zu fragen, ob etwa Beten hilft oder was mir der Glauben bringt. Sie binden sich ganz fest an ihren Herrn und erleben darin eine Freiheit, die gewaltig ist. Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, sagt Jesus. Schwören war damals üblich. Ich schwöre bei Gott. Ich rufe eine höhere Instanz an, die über mir steht. Gott möge mich strafen, wenn ich zum Beispiel die Unwahrheit sage.

Die Menschen zur Zeit von Jesus müssen damals geschworen haben, was das Zeug hält. Sie haben dabei alles ins Spiel gebracht: Bei Gott, beim Himmel, bei Jerusalem, beim Tempel. .. schwöre ich. Am Ende haben sie auch Unwahres und allerlei Lügengeschichten erzählt. Und sie haben dabei eine interessante "Glaubenserfahrung" gemacht: Ich kann schwindeln und Gott zum Zeugen aufrufen, aber es trifft mich kein Schlag. Und die Erde tut sich auch nicht unter mir auf. Mir passiert nichts! Jesus sagt: Baut Gott nicht in eure Lügengeschichten ein! Hört auf zu schwören!

Warum lügen wir überhaupt? Vielleicht weil wir uns mit unseren Schwindeleien über die Abgründe unserer Seele hangeln wollen. Wenn wir die Wahrheit sagen, befürchten wir Konsequenzen und müssen Verantwortung übernehmen für unser Tun und Reden. Doch wie schnell verstrickt man sich in so ein Lügengeflecht: Ich habe die E-Mail nicht bekommen. Ich bin krank und kann nicht kommen. Ich habe einen wichtigen persönlichen Termin. Danke, mir geht's gut ... Schon kleine Kinder trainieren das fleißig: Ich war's nicht. Der da hat angefangen. Und es dauert manchmal richtig lange, bis man wieder zu einem Leben in Wahrheit findet. Da muss man richtig gegensteuern. Ich habe die E-Mail wohl gelesen, aber ich habe dann vergessen zu antworten. Das kann schon passieren. Ich bin nicht krank, aber ich brauche heute mal den Abend für mich. Nein, mir geht's nicht gut...

Du musst nicht alles sagen; aber was du sagst, soll wahr sein. Jesus sagt: Die Wahrheit wird euch frei machen. Gott will freie Menschen. Menschen, bei denen das "Ja" noch etwas gilt. Menschen, die sich auch trauen "Nein" zu sagen. Es hat immer mit meiner persönlichen Wahrhaftigkeit zu tun, dass ich ehrlicher mir selbst gegenüber werde. Warum hangele ich mich eigentlich immer mit Lügen über meine Lebensgeschichte? ln seine eigenen Abgründe zu schauen, fällt wohl nicht leicht.

Wie viel Sehnsucht nach Anerkennung steckt in mir? Wie viele Minderwertigkeitsgefühle sehe ich? Da erkenne ich den ganzen Hochmut, den kleinlichen Geiz. Das alles sieht man nicht gerne und schwindelt sich lieber darüber hinweg. Da kann uns nur Jesus helfen. Sein "Ja" ist radikal liebevoll zu uns. Sein unbedingtes "Ja" will uns helfen, dass wir mehr und mehr wahrhaftiger werden.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für August: Matthäus 10,16
Jesus Christus spricht: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

Lieber Leser!

Es gibt Leute, die haben Flugangst. Es gibt welche, die steigen nicht gerne auf einen hohen Turm oder sie fahren nicht gerne Fahrstuhl. Nicht jeder springt gerne vom Zehnmeterturm ins Wasser.

Und wenn es nun darum geht, Jesus vor den Menschen zu bekennen? Geht dir das leicht über die Lippen? Ringst du nach Worten? Bist du froh, wenn dich keiner darauf anspricht? Oder fällt es dir leicht, ganz natürlich von deinem Glauben zu reden?

Im Matthäusevangelium, Kapitel 10 beauftragt Jesus seine Jünger, anderen von ihm zu erzählen. Fürchtet euch nicht, sagt er. Es ist also kein "ungefährlicher Einsatz". Ihr werdet auf Widerstand stoßen, sagt Jesus. Es ist kein Ohrenschmaus. Es ist ja auch kompromisslos, und das gefällt vielen Menschen nicht. Weil es eben keine Meinung ist, die neben anderen Meinungen steht. Weil es eben kein Diskussionsbeitrag ist, den wir auf die Frage nach Gott neben anderen Beiträgen mit einbringen. Es wird den Knechten nicht besser gehen als ihrem Meister.
Du bist rückständig! Wie kann man nur noch an so etwas Dummes glauben. Du bist intolerant, wenn du nicht die vielen Wahrheiten gelten lässt... Das kannst du alles zu hören bekommen, wenn du dich zu Jesus bekennst. Und in anderen Teilen der Welt, musst du um dein Leben fürchten.

Wie kann ich nur vor Gott bestehen? Das war die große Frage des jungen Martin Luther. Erst als er begriffen hat, dass er durch Jesus Christus einen gnädigen Gott bekommen hat, ist ihm die Menschenfurcht vergangen. Wer Gott durch Jesus Christus erkannt hat, muss keinen Menschen mehrfürchten. Fürchtet nicht die Menschen, die die Seele nicht verderben können, sagt Jesus. Fürchtet Gott, der Leib und Seele verderben kann. Jesus will keine Angsthasen im Gemeindestall haben. Wer vor Gott auf die Knie geht, braucht nichts und niemanden zu fürchten.

Für zwei Sperlinge zahlte man einen Groschen. Und doch fällt keiner von ihnen vom Himmel, ohne dass es Gott so will. Du bist wichtiger als so ein Vogel, sagt Jesus. Er lässt dich nicht fallen, wenn du ihn bekennst. Selbst die Haare auf deinem Kopf sind von Gott gezählt. Kannst du dir das vorstellen? So liebevoll ist er um dich besorgt. Den Schritt in die Öffentlichkeit gehst du nicht allein, sagt Jesus. Hab keine Angst. Ich zeige es dir, was du wem sagen sollst.

Ich kann diese Zeilen nur schreiben, weil es einen Menschen in meinem Leben gab, der nicht geschwiegen hat. Gott zählt unsere Haare und lässt uns nicht fallen, aber wir sollen deshalb nicht nur an seinem "Rockzipfel" hängen. Der Schritt in die Öffentlichkeit wird uns nicht erspart. Jesus will, dass seine Jünger mutig, fröhlich und überzeugt von ihm erzählen und dabei wachsam wie die Schlangen sind und lauter, wahr und ohne Taktik wie die Tauben.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für September: Matthäus 18,3
Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Lieber Leser!

Kinder sind ja immer wieder mal ein Thema. Es werden zu wenige geboren. Es geht um Bildungschancen, um Vernachlässigung und Kindesmissbrauch. Es gibt Leute, die wollen sich keine Kinder "leisten", weil sie zu teuer sind. Und andere tun alles, um ein Kind zu bekommen.

In den Evangelien gibt es einige Geschichten zum Thema Kinder. Markus (Kap.10, ab Vers 13) erzählt etwa davon, dass Jesus richtig ärgerlich wird, als seine Anhänger Mütter mit Kindern von ihm fernhalten wollen. Lasst sie zu mir kommen, sagt er, hindert sie nicht daran. Und dann hat er sie in den Arm genommen und gesegnet. Für meine Kinder ist das Beste gerade gut genug, haben sich diese Eltern gedacht. Sie sollen früh genug Kontakt mit Jesus bekommen.

Jesus zeigt: Gott möchte Kinder in seiner Nähe haben. Jedes einzelne Kind ist von ihm gewollt, geliebt und einzigartig. Nein, sie sind keine kleinen Götter. Sie müssen auf keinen Thron. Aber sie haben ihren festen Platz bei Gott.

Es gibt ja immer wieder Eltern, die sagen: Also meine Kinder sollen möglichst wertfrei aufwachsen. Was ihnen in Sachen Glauben wichtig ist, sollen sie später selbst entscheiden. Was für ein Unsinn! Kinder sind so vielen Einflüssen ausgesetzt. Wenn wir sie nicht in guter Weise mit dem versorgen, was Gott uns aufs Herz gelegt hat, dann werden es andere tun. Wenn wir ihnen nicht Jesus und seine Gemeinde lieb und wichtig machen, dann wird ihnen anderes wichtiger werden.

Ich habe in all den Jahren als Pastor da ganz viel Versagen erlebt, wenn es um die Verantwortung von Eltern in christlichen Gemeinden geht. Viele verwechseln den Freiraum, den Kinder brauchen mit einer Haltung, die konturlos ist. Wir können den Kindern die Tür zu Gott weit aufmachen. Wir können durch unser Handeln und Reden ganz viel vorbereiten. Allerdings müssen sie sich später selbst entscheiden. Aber wir können es ihnen da schwer oder leicht machen.

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen. Das sagt Jesus im Matthäusevangelium, Kapitel 18. Müssen die Erwachsenen wieder Kinder werden und alles vergessen, was sie so gelernt haben? Sollen sie wieder mit der Puppe spielen und der Holzeisenbahn?

Nein, natürlich nicht. Aber vor Gott, sagt Jesus, sind auch die klugen und vernünftigen Erwachsenen wie Kinder. Sie empfangen ganz viel und dürfen auch schwach sein. Ich muss Gott nicht beweisen, was ich alles so drauf habe. Ich kann ihn eh nicht beeindrucken. Du darfst wie ein Kind in seine Arme laufen. Denn den Kindern gehört das Reich Gottes.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Oktober: Hiob 2,10
Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?

Lieber Leser!

Was eine Hiobsbotschaft ist, wissen viele Menschen. Es sind schlimme Nachrichten. Da wird das gewohnte, geliebte und sichere Leben in seinen Grundfesten erschüttert. So erging es auch dem Hiob. Zuerst hat er seine ganzen Viehherden verloren. Sein Besitz ist ihm genommen worden. Danach sind seine engsten Mitarbeiter, seine Diener ums Leben gekommen.

Hiob hatte 10 Kinder. Sie sterben alle an einem Tag. Ein Erdbeben hat das Haus zerstört, in dem sie versammelt waren. Und der Hiob bekommt diese Hiobsbotschaft vom Tod seiner Kinder. Und was sagt der Mann? Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen; der Name des Herrn sei gelobt!

Wie kann man sein Leben und Ergehen nur so bedingungslos unter Gottes Handeln stellen? Was ist das für ein Vertrauen! Vor 7 Jahren hab ich vom plötzlichen Tod meines Vaters gehört. Er ist beim Wandern in Südtirol abgestürzt. Da war ich zunächst wie gelähmt. Da kam kein Wort des Vertrauens über meine Lippen.

Aber Hiobs Talfahrt geht noch weiter. Er wird krank. Er bekommt eine sehr schmerzhafte Hautkrankheit. Er ist am ganzen Körper mit Geschwüren übersät. Er sitzt in der Asche und kratzt sich mit einer Scherbe die juckenden Stellen. Hautkrankheiten wurden da-mals oft mit Schuld und Fehlverhalten begründet. Seine drei Freunde, die ihn später besuchen, halten ihm das dann auch vor: Hiob, du musst was falsch gemacht haben in deinem Leben. Forsche nach, was es ist!

Später reizen ihn die „Freunde“ mit ihrer Rechtgläubigkeit auch zu anderen Formulierungen und er klagt sein Leid: Ach, dass Gott seine Hand ausstreckte und mir den Lebensfaden abschnitte (6,9). Hiob ringt bei aller Anklage bis zuletzt um die Treue Gottes. Er hält seine Not nicht verborgen. Er hängt nicht an dem, was er hat. Er hängt sich an Gott, der ihn hat.

Lieber Leser, ich weiß nicht, welche Nöte dich plagen. Ein Hiob ermutigt dich, ehrlich zu beten. Vor Gott muss ich nichts verbergen. Ihm muss ich nichts vorspielen. Ganz zuletzt erfährt Hiob wieder die beglückende Erfahrung der Nähe Gottes. Und der Herr gab Hiob doppelt soviel, wie er gehabt hatte (42,10).
Jochen Herrmann

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für November: Judas 1,22
Erbarmt euch derer, die zweifeln.

Vom Umgang in einer christlichen Gemeindeinde

Lieber Leser!

Wo immer Menschen zusammen sind, passieren Fehler, auch in einer Gemeinde. Einige brauchen ihren speziellen Auftritt. Andere reagieren sehr empfindlich. Es gibt solche, die sich gut durchsetzen können. Oder es gibt eine regelrechte Lust, über andere zu reden. Oft ist es keine böse Absicht. Manchmal jedoch will man auch bewusst verletzen. Die ganzen neutestamentlichen Briefe sind von dieser Thematik durchzogen: Wie kann das Miteinander gelingen? Welches Verhalten ist angemessen, wenn es doch eine Christusnachfolge sein soll?

Seid barmherzig, richtet nicht, sagt Jesus. (Lukas 6,36ff.) Wenn ein Mensch schuldig geworden ist, dann helft ihm zurecht mit einem sanftmütigen Geist, schreibt Paulus. (Galater 6,1 ff.) Damit ist wohl das ganze Spannungsfeld aufgezeigt. Ich habe nicht das Recht, über meine Schwester, über meinen Bruder abschließend zu urteilen. Aber es ist auf der anderen Seite ein Akt der Liebe, wenn wir hier im Raum der Gemeinde einander zurechthelfen, wo Schieflagen sind. Es wäre lieblos, wenn sich jeder allein in seiner Nachfolge durchschlagen muss.

Helft euch zurecht, sagt Paulus. Seid füreinander da. Und wenn du einen Splitter im Auge des anderen siehst, dann sei bitte kein Grobmotoriker. Sei ein Liebeskünstler mit ganz feinen Händen, mit ganz viel Geduld, Zeit und guter Absicht. Leute voller Selbstgerechtigkeit und mangelnder Selbsterkenntnis, denen der Umgang mit eigenen Schwächen abgeht, schaden dagegen nur.

Ein Mensch, der glaubt, ist etwas ausgesprochen Kostbares, Einmaliges und Schützenswertes. Es gibt nämlich keinen Christen von der Stange. Der persönliche Glaube ist immer maßgeschneidert. Darum, so Paulus, zerstört das Werk nicht, das Gott im anderen wirkt, nur um eurer Meinung willen. (vgl. Römer 14,20) Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. (Römer 15,7) Die Jahreslosung erinnert uns daran. Paulus meint keine tolerante Gemeinde, wo ein gleichgültiges Nebeneinander herrscht. Er meint das spezifisch Christliche: Keiner wird einfach so aufgegeben! Keiner bleibt ohne Hilfe. Jeder wird an- und aufgenommen wie ein Familienmitglied.

Überleg einmal: Mit wem in der Gemeinde bin ich eigentlich persönlich verbunden? Wie will ich diese Verbundenheit leben und pflegen? Wo sehe ich Menschen, die ihren Platz verlassen haben und was kann ich für sie tun? Wer hat den Mut verloren? Wer ist kraftlos geworden und zweifelt? Für wen in der Gemeinde brauche ich ein neues Ja, neue Geduld? Das sind Fragen, die dir helfen können, um deinem Auftrag, ein lebendiger Stein in Gottes Gemeinde zu sein, besser nachzukommen.

Nur so entsteht mehr und mehr ein tragfähiges Netz der Liebe und des Miteinanders in der Gemeinde, zu Gottes Lob.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Dezember: Jesaja 49,13
Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und und erbarmt sich seiner Elenden.

Lieber Leser!

Die ganze Schöpfung feiert. Die Berge freuen sich. Der Himmel mit seinen Sternen und Planeten jubelt. Denn der Herr erlöst sein Volk. Er hat Israel vergeben. Das Versagen wird nicht mehr angerechnet. Gott nimmt neu Kontakt auf. Das wird gefeiert. Es gibt ein großes Konzert und ganz vorne, in der ersten Reihe gewissermaßen, sitzen die, denen besonders übel mitgespielt worden ist. Da sitzen die innerlich und äußerlich Heimatlosen. Da sitzen die, die kein Zuhause haben. So mögen sich derzeit viele Flüchtlinge vorkommen.

Manchmal fühlen wir uns aber auch so. Auch wenn wir unser Land nicht verlassen haben. Wir fühlen uns abgelehnt, übergangen, ungeliebt. Wir haben zwar ein festes Dach über dem Kopf, aber gefühlsmäßig leben wir auf der Straße. Und dann werden wir an die verlässlichste menschliche Beziehung erinnert, die ein Mensch überhaupt haben kann: Gott erinnert uns an unsere Mutter. Was wären wir ohne sie? Sie hatte liebe Gedanken für dich, da warst du noch im Entstehen. Du hast mit ihr in einer besonderen Einheit gelebt. Unter Schmerzen hat sie dich zur Welt gebracht. Sie hat dich umsorgt, bis du deinen eigenen Weg ins Leben gefunden hast. Wie könnte eine Mutter je ihr Kind vergessen?

Und selbst wenn eine Mutter ihr Kind vergisst; Gott vergisst dich nicht, sagt Jesaja. Selbst wenn alle menschlichen Beziehungen zerbrechen, Gottes Liebe übersteigt jedes menschliche Maß. Wenn wir auf Jesus schauen, sehen wir es ganz genau. Er wechselt nicht die Straßenseite, wenn er uns sieht. Auch da, wo wir aneinander schuldig geworden sind im Laufe eines Jahres, sieht er nicht weg. Er will uns die Schuld vergeben. Gott vergisst gerne unsere Schuld, aber nicht seine Kinder. Siehe, in meine Hände habe ich deinen Namen gezeichnet, geschnitten. In die Handinnenfläche, da wo es wehtut, habe ich dich als ständige Erinnerung eingezeichnet.

Bei allem, was ich tue, habe ich dich stets vor meinen Augen, spricht Gott. Wir haben Kalender gegen das Vergessen. Manche führen ein Tagebuch oder hängen sich Fotos hin. Gott hat deinen Namen, alles, was dich ausmacht, bei sich selbst unverlierbar aufbewahrt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Gedanken zum Monat | Archiv 2014
  • Januar
  • Februar
  • März
  • April
  • Mai
  • Juni
  • Juli
  • August
  • September
  • Oktober
  • November
  • Dezember
Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Liebe Leser,

das neue Jahr 2014 liegt vor uns. Es gleicht einer Straße, einem Weg, den man nur schlecht einsehen kann. Menschen, Lebensbereiche, ganze Landschaften warten darauf, von mir entdeckt zu werden. Wie wird das werden?

Manch einer ist ganz gespannt und neugierig auf das, was da kommen wird. Andere blicken mit bangem Herzen auf das neue Jahr. Mein Arbeitsplatz, mein sicheres Auskommen - wird es mir erhalten bleiben? Die Ehe, die Freundschaft, die Beziehungen - werden sie die 12 Monate unbeschadet überstehen? Die Prüfungen, meine Vorhaben - wird sich sichtbarer Erfolg einstellen? Der Friede in der Gemeinde - wird er uns erhalten bleiben?

Oder wird sich einfach das fortsetzen, was mit dem alten Jahr zu Ende gegangen ist? Kann ich das nicht loslassen, was mich bedrückt? Kann ich das einfach nicht zurücklassen, was mir doch wie ein Klotz am Bein hängt, was mich lähmt, was mich hindert? Muss ich da einfach weiter machen, wo ich aufgehört habe?

Wie auch immer wir uns an der Jahreslinie fühlen, ob neugierig, ängstlich oder mit den Altlasten beschäftigt; uns allen sei gesagt: Auf Gott können wir uns auf jeden Fall verlassen. Es gibt eine Konstante im neuen Jahr: seine Nähe, seine Gnade.

Ich wünsche uns das Vertrauen auf ihn. Bei allen guten Vorsätzen, die ja nicht selten der Versuch sind, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, gibt es nur eins, was wirklich rettet und hilft: seine Hand zu ergreifen - wenn die Wege glatt und angenehm sind und wenn es steinig und eng wird nicht minder.

Ich wünsche uns, dass wir am Ende von 2014 sagen können: Ja, Gott war mit seiner Güte und Gnade jeden Tag für mich erfahrbar. Es hat sich für mich gelohnt, ihm zu vertrauen. Die Wege, die ich gegangen bin, waren gute Wege. Mein Herz und mein Sinn, mein ganzes Leben habe ich mit ihm geteilt. Er hat meine Sehnsucht nach Leben gestillt. 


Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Februar: Epheser 4,29
Lasst kein hässliches Wort über eure Lippen kommen, sondern habt da, wo es nötig ist, ein gutes Wort, das weiterhilft und allen wohl tut.

Liebe Leser,

die Zunge ist nur ein kleiner Muskel. Aber sie richtet Großes an. Sie ist nur ein kleines Feuer, aber seht nur, was für einen großen Wald sie anzündet. So schreibt es Jakobus in seinem Brief (Kapitel 3).
Dieses kleine Ding da in unserem Mund ist sehr mächtig. Mit der Zunge kannst du Gott loben. Mit ihr kannst du dich vor anderen Menschen zu Jesus bekennen. Du kannst Worte sagen, die trösten und aufbauen; Worte der Liebe und voll Weisheit.

Vielleicht kennst du solche Situationen. Ein gutes Wort zur rechten Zeit kann ganz viel Gutes bewirken. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Nein, manchmal ist Reden auch Gold. Aber das andere kennen wir eben auch. Worte können verletzen. Sie können tiefe Wunden reißen. Es gibt üble Nachrede und ein schlechtes Reden hinter dem Rücken. Und manchmal möchte man lieber alles wieder zurücknehmen, was man so gesagt hat...

Es gibt Momente, da ist Schweigen angesagt und Zuhören. Es muss doch einen Grund haben, warum uns Gott zwei Ohren und einen Mund gegeben hat. Ich weiß nicht, wie trainiert du im Zuhören bist. Von Jesus heißt es, dass er immer mal wieder die Einsamkeit gesucht hat, um zu hören, was Gott ihm sagen will.
Wir sind ja im alltäglichen Leben oft anders gefordert. Ganz schnell überlegen und dann entsprechend handeln, reden, reagieren. Das wird von uns erwartet. Das trainieren wir täglich. Darum fällt uns wohl auch das Zuhören und Schweigen so schwer. Hast du für dich einen Ort, wo du zuhören kannst und so Gottes Absichten mit deinem Leben erfährst? Beten ist, wenn alle Worte in mir aufhören, wenn alle Gedanken und Sorgen und Wünsche in mir ruhig werden und ich stille werde vor Gott. So ähnlich hat es einmal Dietrich Bonhoeffer gesagt. Und hör dir einmal selbst zu. Welche Worte leben in dir? Wie sehen deine "Selbstgespräche" aus? Wie sieht dein Wortschatz aus, aus dem du deine Worte schöpfst? Ist es ein guter Schatz, den du da hast? Oder gibt es da mehr Borniertheit, Bosheit, Stolz, Egoismus und Ignoranz als dir selber lieb ist?

Mancher teilt nicht nur aus und verletzt mit Worten, sondern leidet vor allem zutiefst an seinem eigenen Wesen, an seiner eigenen Art. Da stellt sich natürlich die Frage: Können wir uns überhaupt ändern? Wie gut, dass Jesus weiß, was mit uns los ist. Er macht sich da nichts vor. Auch ein Apostel Paulus schreibt viele seiner Briefe, weil es in den Gemeinden oft um zornige Worte ging, um Anklagen und um Streit.

Lasst die Sonne über eurem zornigen Gerede, über eurem Groll nicht untergehen, empfiehlt er im Epheserbrief (Kap.4). Bring es täglich Gott, was dich belastet und klär das, was du klären kannst. Schieb es nicht auf und nimm es nicht als unveränderlich hin. Zieh den neuen Menschen an. Da liegen also für mich Kleidungsstücke bereit, in die ich nur noch schlüpfen muss. Die Heilungskraft ist da, wo ich mich neu von Gottes Geist berühren lasse, wo ich ihn darum bitte, dass er mir die Kraft gibt zur Veränderung.

Ich wünsche dir, uns allen da ganz viel gute Erfahrungen. Ich wünsche dir Orte, wo du Zeit zum Hören findest und ich wünsche dir Worte, die dich aufbauen, Gott ehren und hilfreich für andere sind.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für März: Johannes 13,35
Jesus Christus spricht: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Liebe Leser,

wenn eine Frau ihren Mann fragt: Warum liebst du mich eigentlich? Dann kann er jetzt sagen: Ich liebe dich, weil du so schön bist, weil du so klug bist, weil du so gut kochen kannst, weil du gut riechst und mir das Essen schmeckt, das du kochst. Und die Frau freut sich vielleicht darüber. Aber er kann auch sagen: Ich liebe dich, weil ich es will, weil ich mich dafür entschieden habe. So liebt uns Gott. Ich liebe dich auch dann noch, wenn du nicht mehr so schön bist, wenn das Essen auch mal nicht so schmeckt. Wie oft lieben wir, weil der andere irgendwie unseren Erwartungen entspricht. Und wenn nicht, dann...

Agape ist die Liebe, die nicht gebunden ist an Bedingungen. Diese Liebe ist das Erkennungszeichen der Christen. Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, nicht den Kopf wohlgemerkt, sagt er diesen Satz: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. Wenn also jemand von Liebe spricht, müssen wir immer nachfragen, was er denn damit meint. Es geht in einer christlichen Gemeinde nicht in erster Linie um schöne Gefühle füreinander und dass wir einander mögen.

Jesus, der Einzige, der einen Anspruch auf Sonderbehandlung hat; der nun steht auf, zieht sich aus und bindet sich die Schürze um. Er beugt sich zu seinen Jüngern herunter, um ihnen die schmutzigen und stinkenden Füße zu waschen. Manch einer wehrt sich dagegen. Der Chefarzt einer Klinik leert ja auch nicht die Schieber seiner bettlägerigen Patienten und putzt ihnen nachher noch den Hintern ab. Jesus macht sich hier zum Kasper. Nach der damaligen Vorstellung bringt er Schande über sich. Aber das ist Agape. Diese Liebe riskiert was. Sie macht sich die Hände schmutzig. Sie wird auch Fehler machen. Das bleibt nicht aus.

Auch in einer Gemeinde wird es Missverständnisse, Verletzungen und Versäumnisse geben. Aber darüber muss die Gemeinschaft nicht zerbrechen. Weil sie von einer Liebe zueinander getragen ist, weil wir hier einander vergebend begegnen können.
Ich habe in der kurzen Zeit, in der ich nun hier in der Gemeinde bin von manchen Geschwistern gehört, wie sie doch von dieser Gemeinde enttäuscht wurden. Ihnen wurde nicht richtig zugehört. Sie wurden kritisiert und sie haben das Gefühl, man müsse es hier gewissen Leuten recht machen. Was macht man mit Menschen in einer Gemeinde, denen es an Liebe fehlt? Man liebt sie einfach! Solange ich auf der Seite von Jesus stehe, werde ich sie lieben. Vielleicht gibt es Streit und man spricht deutliche Worte. Aber ich werde die Liebe nicht verlassen.

Es gibt Geschwister, die eine Gemeinde verlassen, weil sie zu wenig Liebe erfahren haben. Vielleicht, weil sie diese Liebe an bestimmte Bedingungen geknüpft haben und mit einem bestimmten Gefühl verbunden haben. Und wenn es sich nicht einstellt, dann gehe ich halt... Wenn du deinen Bruder, deine Schwester, die du doch siehst schon nicht lieben kannst, sagt Jesus, wie kannst du dann Gott lieben, den du nicht siehst?

Ich habe euch ein Beispiel gegeben, sagt Jesus. Damit ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Selig seid ihr, wenn ihr das tut.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für April: Johannes 16,20
Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.

Liebe Leser,

In der relativ kurzen Zeit, in der ich nun hier in Hameln bin, habe ich schon fünf Beerdigungen gehabt. Manch einer hat mich schon bedauert. Klar, viel lieber taufe ich, gestalte Hochzeiten oder segne ein Kind.

Jesus weiß auch, dass Abschied weh tut. Es wird seinen Jüngern, seinen Freunden schwer fallen, ohne ihn weiterzuleben. So geht es ja auch den Angehörigen, die einen lieben Menschen loslassen müssen.

Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden, sagt Jesus. Was hilft bei Abschiedsschmerz und Trauer? Es gibt ein Wiedersehen. Ihr werdet mich wiedersehen, so Jesus. Und dann benutzt er dieses Bild von der Frau, die unter Schmerzen ein Kind auf die Welt bringt. Aber wenn sie das Kind dann in ihren Armen hält, ist aller Schmerz vergessen und sie freut sich.

So auch ihr, sagt Jesus, wenn ihr mich wiederseht, dann wird alle Trauer vergessen sein und euer Herz wird voller Freude sein. Das ist keine billige Vertröstung auf die Ewigkeit. Das wird genauso sicher eintreffen, wie Jesus am Kreuz gestorben ist, wie sie ihn dann ins Grab gelegt haben und wie er dann von den Toten auferstanden ist. Das sind Fakten und keine Kopfgeburten. Das ist wirklich geschehen. So werdet ihr mich auch wiedersehen, sagt Jesus.

Doch davor liegt dieser Weg durchs Leben. Er wird nicht schmerzfrei sein. Es wird Zeiten geben, wo wir Jesus vermissen, ihn nicht verstehen und wo wir uns sehr wünschen, er möge mit seiner Macht wirksamer eingreifen. Eine christliche Gemeinde schaut weiter. Die Zusage, dass wir Jesus einmal wiedersehen werden, ist das Fundament unseres Glaubens und unserer Hoffnung. Christlicher Glaube macht sich fest an den, der wiederkommt.

So ist jede Trauerfeier, bei allem Abschiedsschmerz, auch ein Bekenntnis: Da hat jemand das Geburtszimmer, den Kreißsaal verlassen. Jetzt darf er, sie Jesus wiedersehen. Jetzt wird die Traurigkeit in Freude verwandelt.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Mai: Galater 3, 26-28
Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Liebe Leser,

das, was wir so anziehen, zeigt ja oft, wer wir sind oder was uns wichtig ist. Wer sich taufen lässt, zieht in der Regel weiße Sachen an. Die Kleidung ist ein Hinweis darauf, was hier geschieht.

Paulus nimmt dieses Bild auf: Ihr, die ihr getauft wurdet, habt Christus angezogen. Freilich, die weißen Gewänder machen noch keinen Christen. Durch den Glauben, so sagt es Paulus vorher, seid ihr Söhne und Töchter Gottes. Zu Kindern Gottes werden wir also nicht durch das, was äußerlich an uns geschieht, auch nicht durch das Taufwasser, sondern durch den Glauben an Jesus Christus.

Und doch hat die Taufe dann ihre Wirkung, wenn Glaube da ist, wenn Vertrauen da ist. So auch die Kleidung. Sie macht uns nicht zu Christen, aber sie zeigt deutlich: Ich glaube jetzt an Jesus Christus. Seht alle her; ich feiere jetzt meinen Bund mit Gott. Ich gehöre jetzt dazu. Wer seine Taufe so bewusst erlebt und sich später daran noch lebendig erinnern kann, der darf eine hohe Meinung über sich aus seiner Taufe ziehen, weil Gott selbst mir diesen hohen Wert gibt: Ich bin ein mündiger Sohn, eine mündige Tochter des himmlischen Vaters. Er hält für mich den ganzen Reichtum bereit.

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gibt es nun danach keine Unterschiede mehr hier? Wir sind doch verschieden: Alte und Junge. Leute, die ihre Tradition lieben. Es gibt Sesshafte und andere, die wollen Veränderung, die wünschen sich Aufbruch.

Sollen wir nun alle gleich werden? Alle sozialen und kulturellen Unterschiede werden glatt gebügelt. Die Sesshaften werden aufbruchsbereit. Die Jungen singen gerne die alten Choräle von Paul Gerhardt? Nein, das sollten wir wohl nicht voneinander erwarten. Die Vielfalt der Gemeinde bleibt bestehen. Wenn wir Christus angezogen haben, dann ist das keine Uniform. Aber das dürfen wir schon voneinander erwarten, so darf ich schon meine Schwester, meinen Bruder hier sehen: Er, sie ist mit Christus bekleidet – so wie ich. Und das wirkt sich aus. Etwa, wie wir hier miteinander umgehen, wie wir aufeinander zugehen, wie wir miteinander und nicht gegeneinander und nicht in Abgrenzung zueinander Gemeinde bauen.

Wie wir uns hier sehen und wahrnehmen: Als Menschen, die nicht der Zufall zusammengebracht hat, sondern als Menschen, die Jesus mit seinem kostbaren Blut erkauft hat und die darum nicht ständig darauf schauen, was uns denn nun voneinander unterscheidet, sondern die alle Energie darauf verwenden, damit Gemeinschaft gelingt. Das ist auch eine Folge von Glaube und Taufe: Wir werden eins in Christus. Nicht in der Gleichförmigkeit wird sich das zeigen, aber in der Art und Weise, wie wir uns hier begegnen.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juni: Lukas 13,7-9
Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft?
Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht…

Liebe Leser,

wer nichts bringt, wird abgesägt. Wer nichts leistet, wird aussortiert. Das fängt schon in der Schule an. Wer nichts kann, in den wird auch nichts investiert. Was mir persönlich nichts bringt, wird beendet. Was Mühe macht, wird entfernt. Was wenig ertragreich erscheint, wird aufgegeben. So gehen wir manchmal miteinander um. So beenden wir Beziehungen und lassen Menschen fallen. So geben wir uns auch selbst oft auf. Selbst in einer christlichen Gemeinde kann dieses Leistungsprinzip zur Anwendung kommen. Was in unseren Augen nichts taugt, wird abgeschafft.

Er bringt keine Frucht. Siehe, ich bin nun schon drei Jahre lang immer wieder gekommen, aber dieser Baum bringt keine Frucht. Einer, der schon lange nichts mehr bringt. Einer, bei dem nichts mehr läuft. Einer, von dem man nichts mehr erwarten kann. Wie hört sich das an? Resigniert, enttäuscht, nicht erfüllte Erwartungen, Vorwurf. Andere reden, denken so über mich. Oder ich denke auch selbst so über mich. Ich erfülle meine eigenen Erwartungen nicht und dann das harte Urteil: Versager, Nichtsnutz, Verlierer.

Hau ihn ab! Er nimmt den anderen nur Licht und Nahrung weg. Er hat es nicht verdient, dass er da einfach so steht und vor sich hinlebt. Das ist ein hartes Urteil, vernichtend, endgültig; ein Todesurteil. Doch dann mischt sich der gute Gärtner, Jesus, ein: Gib ihm noch ein Jahr. Ich will um ihn graben und düngen. Vielleicht bringt er dann doch Frucht.

Was ist ein Jahr? Eine riesengroße Chance! Es sind viele Möglichkeiten. Es ist Gnadenzeit. Ich denke, es geht hier nicht um exakt 365 Tage und dann ist Schluss. Nein, es können auch zwei Jahre sein oder viele Jahre. Es ist das, was geschenkt wird an Lebenszeit. Wie viel Zeit und Pflege gestehen wir anderen zu und was gestehen wir uns selbst zu, wenn es um Veränderungen, um Frucht geht? Welche Zeit geben wir einer Gemeinde, wenn es um Veränderungen geht?

Ich will mich kümmern, sagt der Gärtner. Ich will umgraben und düngen. Ich will mich liebevoll kümmern. Ich will immer mal wieder hingehen und schauen, wie es ihm geht. Ich will darauf achten, was er braucht. So geht Jesus mit dir um. So dürfen wir miteinander umgehen. Wo erlebst du das, dass man sich liebevoll und sorgend um dich kümmert? Mein Ackerboden wird aufgelockert, damit Luft rankommt. Wo wünschst du dir diese Behandlung durch Jesus, damit Frucht entsteht?

Und Frucht ist nicht gleich Leistung. Darauf kann ich mir nichts einbilden. Frucht entsteht, wo ich mich von Jesus pflegen lasse. Ich wünsche uns da gute Erfahrungen mit unserem Herrn und untereinander.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Ich grüße Euch alle ganz herzlich mit dem Monatsspruch im Juli, den wir in Psalm 73, 23-24 finden:
Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Welch eine Zusage: Gott hält uns an seiner Hand. ER hat für uns alle einen guten Plan! Ganz gelassen und fröhlich können wir mit ihm gehen! Wenn das so einfach wäre, denn es gelingt uns nicht immer! Da gibt es Situationen und Begegnungen mit Menschen, die unsere Freude trüben, die uns mutlos und sprachlos machen. Aber im Vertrauen auf Gott können wir gestärkt aus der Situation herausgehen. Wie kann das im Einzelnen aussehen? Dazu fallen mir einige Erlebnisse ein, die ich Euch auf diesem Wege mitteilen möchte:

Da bin ich von Jemandem enttäuscht, weil er sich nicht an eine Verabredung gehalten hat. Ich vergebe ihm. So bekommt er eine neue Chance und ich kann ihm in Liebe begegnen. Eine Freundin stirbt meiner Meinung nach viel zu früh. Ich hätte gern noch Gemeinschaft mit ihr. Dennoch bin ich dankbar für die Zeit, die ich mit ihr verbringen durfte. Sie ist mir ein Vorbild in Hingabe geworden. Ich fühle mich von jemandem missverstanden, weil er meine Gedanken und Vorstellungen nicht teilen kann. Dennoch akzeptiere ich ihn in seinem Anderssein.
Ein Nachbar grüßt mich nicht. Er läuft mit ernstem Gesicht an mir vorbei. Dennoch grüße ich ihn. Nach einiger Zeit erreicht ihn diese Freundlichkeit, so dass er mich auch mal grüßt. Inzwischen gibt es hin und wieder ein kleines Gespräch. Ich bin dankbar für diese positive Wandlung. Da bete ich einige Wochen für ein bestimmtes Anliegen, aber es verändert sich nichts. Dennoch will ich an der Hoffnung festhalten und beten, dass Gott einen Ausweg schenkt. Ich will mich in Geduld üben.

Sicher kennt Ihr ähnliche Situationen. Wir dürfen mit Gottes Hilfe von diesen Erlebnissen lernen und daran reifen. Vielleicht helfen folgende Fragen weiter: Was will mir diese oder jene Begegnung sagen? Wozu kann sie nützlich sein? Auch wenn vieles unbequem, anstrengend oder mühsam ist, gilt Gottes Zusage, dass Er uns begleitet. Ganz egal was ich tue oder denke – Gott ist in jeder Situation dabei. Er will uns immer wieder neuen Mut zum Vertrauen an Ihn schenken. So dürfen wir mit Ihm gehen – durch den Alltag und durch den Sonntag. Mögen wir uns alle von Gott gehalten wissen und einstimmen lassen mit dem Psalmisten: Dennoch bleibe ich stets an Dir…

Ich wünsche allen Lesern gute Erfahrungen mit dem Monatsspruch, der zu meinem Lieblings-Bibelversen gehört.

Christa Albrecht

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für August: Johannes 17,9
Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast...

Lieber Leser,

betest du regelmäßig für die Geschwister der Gemeinde? Betest du für Menschen, von denen du weißt, dass sie sich schwer tun mit ihrem Glauben? Betest du für Geschwister, dass sie ihren Auftrag als Zeugen von Jesus Christus treu ausüben können?

Als mir ein Gemeindemitglied gesagt hat: Du, Jochen, ich bete regelmäßig für deinen Dienst als Pastor hier unter uns; da hat mich das sehr berührt... Ich habe ja in den ersten Wochen und Monaten meines Dienstes oft das Gemeindeverzeichnis mit den netten Fotos im Anhang in die Hand genommen. Das war mir eine große Hilfe. Und mit der Zeit haben die Namen und die Fotos ein Gesicht bekommen, eine Stimme. Sie sind lebendig geworden, weil ich den Menschen selbst vielfältig begegnet bin. Und manche von denen stehen noch nicht in diesem Verzeichnis. Ich bin wirklich dankbar für sie alle. In der kurzen Zeit sind sie mir ans Herz gewachsen. Schlag doch einmal das Gemeindeverzeichnis auf und bete für jeden einzelnen; angefangen von Abben bis Zraika. Es wird dich verändern. Es wird sich mit der Zeit deine Haltung zu diesen Menschen verändern.

Jesus jedenfalls betet für seine Gemeinde. Weil er genau weiß, dass die Gemeinde kein Unternehmen ist, dass sich selber tragen kann. Und wenn er da auf seine zwölf Jünger schaut, die ihm vertrauen, die ihm nachfolgen wollen, da kommen ihm schon Bedenken. Er kennt sie doch. Wie oft haben sie ihn nicht verstanden. Jemand hat die Zwölf mal die zwölf Probleme von Jesus genannt. Werden sie fest im Glauben bleiben, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen ist? Vater, solange ich bei ihnen war, erhielt ich sie in deinem Namen. Ich habe sie bewahrt, keiner ist verloren gegangen. Und jetzt bist du dran, Vater! So betet Jesus.

Jesus betet hier auch für uns. Und wir haben das dringend nötig. Heilige sie in der Wahrheit. Heiligen heißt, etwas oder jemanden in den Dienst Gottes stellen. Priester wurden geweiht, auch heilige Werkzeuge im Tempel. Sie waren Gott zugeordnet. Jesus bittet darum, dass Gott uns heiligt, dich und mich; dass er uns in den Dienst nimmt, dass er uns befähigt und für sein Reich gebrauchen kann. Ausgesondert aus der Welt, gesandt in die Welt. Appetithappen Gottes, hat Ulrich Parzany einmal gesagt, sollen wir sein. Damit die Menschen durch uns Lust auf mehr bekommen.
Gottes Einladungskarten sollen wir sein, ein Brief Christi, geschrieben durch seinen Geist. Gesandte Gottes. Du bist ein Gesandter Gottes und du lebst unter himmlischer Trägerschaft. Dafür setzt sich Jesus bei seinem Vater ein. Dafür betet er. Die zwölf Jünger, das waren damals tatsächlich die zwölf Probleme, die Jesus hatte. Aber er hat um sie gerungen. So ringt er auch um dich und mich. Er lässt nicht nach für uns zu beten: Gott, erhalte sie im Glauben. Bewahre sie vor dem Bösen. Schenk, dass sie zusammen bleiben und heilige sie.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für September: 1. Chronik 22,13
Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken!

Lieber Leser,

das sagt der Vater dem Sohn. Diese Worte spricht der König David zu seinem Sohn und Erben Salomo. Er soll den Tempel in Jerusalem aufbauen. Und natürlich schwingt bei Eltern da immer gleich die Sorge mit: Wird er es auch schaffen? Ist die Arbeit nicht eine Nummer zu groß für den Sohn?

Ich weiß nicht, welche Ermutigungen und guten Worte du von deinen Eltern mit auf die Lebensreise bekommen hast. Und was willst du deinen eigenen Kindern, Enkelkindern mal mitgeben? Was geben wir unseren Kindern und Jugendlichen hier in der Gemeinde mit? Die, die ganz selbstverständlich Sonntag für Sonntag zur Gemeinde kommen; und die anderen, die das alles längst infrage stellen: Irgendwann werden sie alle ihren eigenen Standpunkt finden müssen.

Erleben sie hier unter uns oder in ihren Familien eine Ermutigung, ihren eigenen Weg mit Gott zu gehen? Ich erinnere mich da an meine eigene Geschichte. Ich war damals so Anfang 20. Und der damalige Pastor in Wernigerode hat mich ermutig, auch mal zu predigen. Klar war ich unerfahren, trat gehemmt und schüchtern auf. Und nicht alles, was ich damals so gesagt habe, würde ich heute noch unterschreiben. Aber der Mann hat mir damals etwas zugetraut. Er hat sich schützend vor mich gestellt, wenn andere mich zu arg kritisiert haben. Er hat mir nie zu verstehen gegeben, dass ich ja doch nur ein blutiger Anfänger sei. Kennst du solche Leute in deiner eigenen Biografie?

Junge Leute sind gesegnet, wenn jemand zu ihnen sagt: Du, mach doch mit! Wie siehst du das, was mich beschäftigt? Ich möchte, dass du mich unterstützt, denn ich glaube, du kannst hier einen wertvollen Beitrag leisten. Der Jüngere profitiert vom Älteren, aber auch der Erfahrene vom Anfänger. In so einer ermutigenden Beziehung fließt ganz viel zurück. Hier zahlt keiner drauf, beide Seiten werden beschenkt.

Der Paulus war so ein geistlicher Vater für den jungen Timotheus. Er hat ihn ermutigt. Er hat ihn in seinen Gebeten begleitet. Ich wünsche uns sehr, dass unsere Familien und die Gemeinde Orte sind, wo junge Leute ganz viel gute geistliche Begleitung erfahren.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Oktober: 5. Mose 14,22
Du sollst jedes Jahr den Zehnten von der gesamten Ernte geben...

Lieber Leser,

manchmal sagen wir das ja: Eigentlich gehört alles Gott. Mein Geld, mein Besitz, meine Frau, die Kinder, mein Vermögen, meine Kraft, meine Zeit, mein ganzes Leben gehören ihm.
Von ihm kommt es. Er vertraut es mir in großer Selbstverständlichkeit an. Wir können es genießen und in großer Freiheit verwalten. Aber damit wir es nicht vergessen, dass es ihm gehört, gibt es diese Zehn-Prozent-Regel. Das ist wie ein Platzhalter, eine Erinnerungsstütze für uns. Gib etwas von dem, was du hast, weg; gib es in Gottes Hand. Du sollst spüren, auch mit großer Dankbarkeit wahrnehmen, dass er gut für dich sorgt und du ihm alles verdankst.

Ähnlich ist es mit dem siebten Tag. Lebenszeit schenkt Gott. Er vertraut dir viele Stunden, Tage und Jahre an. Und auch da lässt er dir die Freiheit, deine Zeit zu gestalten. Aber dann sagt er: Am siebten Tag sollst du nicht selbst entscheiden, was du machst. An diesem Tag sollst du zur Ruhe kommen und ganz neu wahrnehmen, wer dein Leben, wer auch deine Lebenszeit in seiner Hand hält. Es sind gute und hilfreiche Ordnungen für uns, keine Gesetze. Jesus hat das oft genug gezeigt. Der Sabbat ist für den Menschen da. Das hat er den frommen Leuten gesagt, die genau festlegen wollten, was alles an diesem Tag verboten ist.

Auch die Zehn-Prozent-Abgabe war nie ein Gesetz für die ersten Christen. Erzwungene Geldzuwendungen sind nicht in Gottes Sinn. Die Christen damals haben ohnehin von ganzem Herzen viel mehr gegeben als zehn Prozent. Wer gibt, zeigt etwas von seiner Beziehung. Wen ich lieb habe, dem widme ich Zeit. Ich zeige meiner Familie, dass ich gut für sie sorge.

So ist es auch in geistlichen Dingen. So ist es auch mit meiner Beziehung zu Gott. Ich zeige ihm, dass ich ihm dankbar bin für das, was er mir alles geschenkt hat. Und ich finde dafür eine feste Form des Gebens. Ich bin dankbar für meine Zeit und ich "benutze" den Sonntag, um es ihm zu zeigen und habe persönlich den größten Gewinn dadurch.

Als der Tempel in Jerusalem durch die vielen Spenden gebaut werden konnte, hat der König David gesagt: Danke, Gott, dass du das Herz der Menschen so bewegt hast. Erhalte uns in dieser Gesinnung. 1. Chronik 20,18

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für November: Jesaja 1,10-17
Hört auf, Böses zu tun! Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen!

Lieber Leser!

“Ich mag eure Gottesdienste nicht mehr. Bringt nicht mehr unnütze Gaben.” Das lässt Gott seinem Volk durch den Propheten Jesaja ausrichten, weil die Gottesdienste zu einer religiösen Show verkommen sind, die mit dem wirklichen Leben nichts mehr zu tun haben. Die Menschen suchen Gottes Segen für ihre eigenen Pläne und Vorstellungen von einem gelungenen Leben. Ihren Alltag lassen sie fein draußen. Die Gottesdienste sind zu einer kulturellen Veranstaltung geworden, etwas zum Abschalten.

Die richtigen Abläufe dieser Veranstaltungen und welche Musik gespielt wird; das wird leidenschaftlich diskutiert. Aber was ich von Montag bis Samstag tue, geht Gott doch nichts an. So denken sie. So leben sie. Ich habe die Brandopfer und das Fett der Mastkälber satt, sagt Gott. Nun gut, Speiseopfer kennen wir nicht mehr. Wir geben da einen guten Gemeindebeitrag oder legen etwas Geld am Sonntag in den Kollektenkorb. Die Menschen damals wollten Gott mit ihrem Opfer besänftigen. Sie wollten ihn gnädig stimmen. Derweil haben sie das Recht gebeugt. Menschen wurden wie Arbeitstiere gehalten. Die Reichen ließen ihre Beziehungen spielen. Die Gewalttätigen hatten freie Hand. Witwen und Waisen wurden vernachlässigt.

Paulus hat mal gesagt: Das sei euer vernünftiger Gottesdienst, dass ihr eure Leiber, euer Leben, euch selbst hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. (Röm 12,1) Der Gottesdienst am Sonntag soll ein Spezialfall des Gottesdienstes im Alltag sein. Ich wünsche dir sehr, dass Gott in deinem tatsächlichen Leben zu finden ist. Er ist ein leidenschaftlicher Gott, der alle Lebensbezüge mit dir teilen will.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Dezember: Jesaja 35,1
Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.

Lieber Leser!

Advent heißt Ankunft. Und in diesem Text: Gott kommt. Und wenn man genau hinschaut, dann stellt man fest, dass da mit ihm nicht nur Heil und Frieden kommen. Gott kommt auch zum Gericht. Er kommt, um das Unrecht zu beenden. Das ist eine gute Nachricht. Es wird den Verzagten gesagt, denen übel mitgespielt wird. Es wird denen gesagt, die benachteiligt sind. Ihr Leid, ihr Unrecht werden beendet sein, wenn Gott kommt.

Wir wollen ja lieber eine "glatte Gnade". Es soll nicht weh tun. Dass in allen Dingen Gnade vor Recht ergeht, das wünschen wir uns. Und dass die Dinge am Ende nicht mehr zur Sprache kommen, wo wir versagt haben. Aber der Richterstuhl, vor dem einmal alle treten werden, bleibt auch denen nicht erspart, die Jesus ihren Herrn nennen und mit ihm gelebt haben. Auch wenn die Rettung schon feststeht. Manch einer wird gerettet, aber wie jemand, der gerade noch so aus dem Feuer gerissen wird. (1. Kor 3,11ff.)

Einmal wird alles sichtbar. Und das wird in jedem Fall ein guter Tag für alle, die Jesus ihren Glauben und ihre Treue nicht versagt haben. Alle Menschen werden einmal auferstehen; die einen zum ewigen Leben, die anderen zur ewigen Gottesferne. Aber nicht das Gericht ist Gottes eigentliche Absicht. Es geschieht, wenn er sein Heil aufrichtet; wenn die völlige Gerechtigkeit hergestellt wird.

Gott kommt zum Heil. Und jetzt gibt es diese schönen Bilder von der Wüste, die sich freut und von den vielen Lilien, die die Steppe zum Blühen bringen. Blinde werden sehen, Taube hören, Gelähmte springen und Stumme singen. Gott kommt zum Heil. Und die Israeliten, die in Gefangenschaft leben mussten, haben es damals ganz klar als Versprechen Gottes gehört. Gott wird uns befreien und wir kehren wieder in unsere Heimat zurück.

Aber diese Bilder reichen weit über damalige Situation hinaus. Selbst mit dem Kommen von Jesus Christus hat sich noch nicht alles erfüllt. Am Ende wird es einen Weg geben, sagt der Prophet. Jesus hat ja mal von sich gesagt: Ich bin der Weg. Die ersten Christen nannten sich: "Die auf dem Weg sind". Hinsetzen und passiv abwarten, geht da also nicht.

Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und macht sichere Schritte mit den Füßen. Das Heil kommt auf euch zu.

Ihr Pastor Jochen Herrmann