Losung des Tages

2. Dezember 2020

Ich traue auf den HERRN. Wie sagt ihr denn zu mir: Flieh wie ein Vogel auf die Berge!
Psalm 11,1

Jesus spricht: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Johannes 14,27
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Gedanken zum Monatsspruch

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Dezember: Jesaja 58,7-10
Brich mit den Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.

Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

Lieber Leser!

Nach 50 Jahren Gefangenschaft kommen die Israeliten endlich nach Hause. Aber es gibt nun solche, die früher eintreffen und einige wenige sind auch geblieben, waren nie weg. Die Alteingesessenen wollen mit den Hungerleidern aus dem Osten nichts zu tun haben. Da wurden keine Fahnen geschwenkt. Da gab es keine Plakate, auf denen stand: „Herzlich willkommen!“ Ganz im Gegenteil; wer was hatte, hat es schön festgehalten, wollte nicht teilen. Wer im Vorteil war, hat zugesehen, diesen Vorsprung noch auszubauen. Die, die gut versorgt waren, schon in festen Häusern wohnten, wollten nicht mit denen teilen, die mit leeren Händen auf der Straße standen.

Ich kann mich noch an eine Frau aus meiner ersten Gemeinde erinnern, die zu einem neuen Gemeindemitglied gesagt hat: Du kannst dich hier gerne überall umschauen, aber sei vorsichtig und achtsam, denn wir haben das Gemeindehaus mit viel Liebe eingerichtet. Sie hat es so gesagt, wie sie es gefühlt hat: Ich bin schon länger hier, habe hier viel eingebracht. Jeder, der dazukommt, soll das bitte schön respektieren und nicht einfach so tun, als wenn es ihm gehört.

Die jüdische Gemeinde war damals gespalten. Da gabs die Alteingesessenen, die erste Generation der Heimkehrer und die Nachzügler. Alle drei Gruppierungen waren sich nicht „grün". Sie sind sich aus dem Weg gegangen, haben sich geschnitten. Aber mit Gott haben sie schon gerechnet. So haben sie Gottesdienste gefeiert, gebetet, geopfert – ganz nach Vorschrift, so wie immer. Nur seltsam, Gottes Nähe, seinen Segen haben sie nicht erlebt. Es gab keinen Trost, keinen Zuspruch!

Und dann meldet er, Gott, sich durch den Propheten selbst zu Wort: Ihr fragt euch, was mit mir los ist? Was ist denn mit euch los!? Ihr geht rücksichtslos miteinander um, sprecht üble Worte, seid ohne Liebe füreinander, helft euch nicht, wo doch Hilfe nötig wäre. Jeder schaut nur auf sich, hält zurück, was er hat, aber ich soll geben? So funktioniert das nicht!

Gott spricht: Ich gebe euch die Heimat zurück, neue Lebensperspektiven, Freiheit, Hoffnung, Würde. Aber ihr setzt untereinander Grenzen, lasst eure Schwestern und Brüder hungern. Einige von euch gehen in feinen Kleidern umher, andere in Lumpen. Einige sind frei, haben ein sattes Leben, und lassen die Armen für sich schuften, nehmen ihnen ihre Freiheit.

Dabei will Gott ja helfen, segnen, trösten! Aber er kann nicht die trösten, die völlig verkehrt unterwegs sind. Aber wenn ihr den Hungrigen euer Herz finden lasst, dann wird es wieder hell in eurem Leben. (Vers 10) Gottes Liebe zeigt sich auch, wenn er uns sagt und zeigt, was nicht in Ordnung ist in unserem Leben. Kehrt um, sagt Gott; lasst euer Herz sprechen. Ein Herz, das vom Geist Gottes bestimmt ist, wird gerne geben, helfen, dienen, sich kümmern. Ein Herz, das vom Geist Gottes bestimmt ist, behandelt den anderen nicht von oben herab oder lässt ihn spüren, wie wenig willkommen er ist.

Viele Jahrhunderte später lesen die ersten Christen im Johannesevangelium, Kapitel 13: Daran soll die Welt erkennen, dass ihr zu mir gehört, dass ihr Liebe untereinander habt. Zuerst soll die Liebe Gottes in Jesus mein Herz erreichen. Wenn ich um das Vaterherz in meinem Leben weiß, kann ich meine Geschwister lieben. Und wenn wir uns gegenseitig unser liebendes Herz zeigen, eröffnen wir Gott Möglichkeiten, seine Gemeinde zu segnen. Dieser Segen wird dann auch weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus Menschen erreichen. Da bin ich mir ganz sicher!

Ihr Pastor Jochen Herrmann