Losung des Tages

6. Juli 2020

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
Psalm 103,12

Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.
Römer 5,20
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Gedanken zum Monatsspruch

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juli: 1. Könige 19,7
Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

Lieber Leser!

Über den Propheten Elia ist nicht viel bekannt. Er kommt aus Thisbe und sein Name bedeutet: Mein Herr ist Gott. Das klingt allerdings sehr klar. Und so tritt er auch dem König Ahab gegenüber, der schon durch die Ehe mit der phönizischen Prinzessin lsebel gezeigt hat, wie wankelmütig er seine Regierungsgeschäfte gestaltet.

Ahab ist ein König, der zulässt, dass seine Frau ihre heidnischen Götter in Israel etablieren kann. Höhenheiligtümer, Tempelprostitution, Wahrsagerei gab es überall reichlich. Mit dem Einzug der beiden heidnischen Hauptgötter Baal und Aschera nimmt der moralische Verfall in der Gesellschaft zu. Die Altäre des lebendigen Gottes werden zerstört; auch wenn der Glaube an Jahwe nicht völlig ausgelöscht wird.

Es ist so wie heute. Wir leben in einem Mischmasch aus allerlei religiösen Ansichten. Es gibt wenig Klarheit. Elia: Mein Herr ist Gott! - steht da wie ein Fels in der Brandung. Schon sein Name ist eine Kampfansage. Und dann kommt seine Ansage: Es soll weder Tau noch Regen kommen. Eine dreieinhalbjährige Trockenheit setzt ein. Wir klagen zu Recht über derzeit trockene Sommer; aber wenn es überhaupt nicht mehr regnet, ist das richtig schlimm.

Die Menschen beten heidnische Fruchtbarkeitsgötter an und verlassen sich auf die Schöpfung. Da meldet sich der Schöpfer selbst zu Wort und zeigt, wer am längeren Hebel sitzt. Nach seinem „Dürrespruch" vor dem König Ahab zieht sich der Prophet Elia zurück. Gott zieht seinen Diener aus dem Verkehr. Es ist eine verordnete Auszeit, weil er nichts bewirken kann.

Dann schickt Gott ihn neu in den Ring. Im Kampf gegen 850 Baalspriester behält er die Oberhand. Auf dem Karmel zeigt sich Gottes Macht. Wie von Sinnen tötet er dann alle heidnischen Priester. Ahab ist schwer beeindruckt. lsebel schwört Rache. Sie trachtet nach seinem Leben. Und dann sehen wir den eben noch kraftvollen Propheten auf der Flucht vor dieser Frau. Wir finden ihn unter einem Ginsterstrauch sitzend, müde, matt und voller Todessehnsucht. Lass mich sterben! So bittet er Gott.

Eben noch voller Power und dann ist die Luft plötzlich raus. Kleinste Anlässe genügen, um das ohnehin volle Fass zum Überlaufen zu bringen. Der tüchtige Mitarbeiter in Gottes Reich kann nicht mehr. Ich kenne das gut, manchmal zu gut. Ich bin auch nicht besser als meine Vorfahren, sagt Elia noch. Vielleicht wollte er das sein: Besser, höher, schneller. Und dann kommt der große Absturz. Und dann kommt das gute Evangelium in dieser Geschichte, die frohe Botschaft: Gott kümmert sich um müde, ausgebrannte Mitarbeiter.

Nach einem langen Erschöpfungsschlaf kommt ein Engel vorbei und serviert dem Propheten frisches Fladenbrot und kühles Wasser. Gott kümmert sich. Ich wünsche dir sehr, dass du das persönlich erlebst, wenn du an die Grenze deiner Möglichkeiten kommst und die große Müdigkeit einsetzt. Essen, Trinken, Schlafen - dafür ist jetzt Zeit. Danach kann er 40 Tage und Nächte bis zum Berg Horeb durchlaufen und seine besondere Gotteserfahrung machen.

Ihr Pastor Jochen Herrmann