
Monatsspruch für September: Prediger 4,6
Besser eine Hand voll mit Ruhe, als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.
Liebe Leser!
Manchmal fragt man sich ja, ob sich was lohnt. Lohnt sich der Einsatz, die Mühe überhaupt? Rechnet sich das? Ist es nicht besser, sich zu bescheiden und zu sagen: Weniger ist oft mehr? Der Prediger warnt vor blindem Aktionismus, dem Versuch, alles zu schaffen, sich dabei zu verlieren, und am Ende stehe ich ausgepowert da. Er lobt nicht die Faulheit. Vorher heißt es: Ein Tor legt seine Hände zusammen und zehrt vom eigenen Fleisch. (Vers 5) Ein dummer Mensch will nichts tun, braucht einfach nur auf, was er hat, ohne sich Gedanken zu machen, wie gehts danach weiter, wenn das, was ich habe, alle ist.
Es gibt sicher einen Weg dazwischen, zwischen: „Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht vor lauter Arbeit“ und „Es wird schon irgendwie werden, die Mühe lohnt sich nicht“. Ich werde an ein Gleichnis erinnert, das Jesus in Markus 4,26 bis 29 erzählt. Da ist ein Bauer, der sein Feld bestellt, sich da richtig Mühe gibt, den Boden lockert, die Saatkörner ausstreut. Er legt eben nicht die Hände zusammen, ist nicht faul.
Aber dann, danach heißt es in Vers 27: Er legt sich schlafen, ruht sich also aus, gönnt sich das einfach. Er rennt eben nicht unruhig am Feldrand rum, sorgt sich nicht, ob das Getreide auch wächst und was kann man noch tun. Er kann sich entspannen und weiß, Gott hat seine Hände auch noch im Spiel. Er kann abwarten, und ob etwas daraus wird, wird sich zeigen. Im Moment kann ich den Prozess nicht beschleunigen.
So ist das auch bei uns. Gott gibt uns Möglichkeiten, hier im Bild: gute Saatkörner mit Potential. Und wir dürfen das, was wir haben, einsetzen, einbringen, uns Gedanken machen. Und dann kommt der Zeitpunkt, wo unsere Hände ruhen dürfen. Wir müssen nichts übers Knie brechen, uns abmühen.
Die Welt, in der wir leben, ist oft anders gepolt. Da wird geackert und getan, als wenn alles von uns abhängt. Oder es gibt das andere Extrem: Ich lebe etwa vom Erbe, genieße, was ich habe, muss mir keine Mühe geben. Viele Milliarden Euro werden so in Deutschland jährlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Mühe bis zum Umfallen auf der einen Seite und Müßiggang auf der anderen Seite. Der Bauer dagegen arbeitet, kann ruhen und wird erst wieder aktiv bei der Ernte. Dann wird das Getreide geschnitten, eingebracht und weiterverarbeitet.
Ich wünsche dir das richtige Maß zwischen Tun, Einsatz und Ausruhen, sich einbringen, die gute Saat, die wir in den Händen halten, in den Acker bringen und dann loslassen können, Prozesse abwarten können. Es hat auch mit Vertrauen zu tun. Ich traue es Gott zu, dass er das Werk meiner Hände segnen wird. Er hat selbst geruht, nachdem er alles geschaffen hat. Es tut uns gut, als seine Geschöpfe auch in diesem Rhythmus zu leben.
Ihr Pastor Jochen Herrmann