Losung des Tages

21. September 2020

Ich liege gefangen und kann nicht heraus, mein Auge vergeht vor Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich.
Psalm 88,9-10

Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.
Johannes 17,15
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Gedanken zum Monatsspruch

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für August/September: Psalm 139,14 
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Liebe Leser!

Es gibt Menschen, die schauen nicht gerne in den Spiegel. Denn was müssen sie da alles sehen: viele Falten, graue Haare, Tränensäcke... Vielleicht sehe ich nur das, was ich sehen will? Manche sehen nur die Fehler, die Defizite. Ihre eigene Schönheit erkennen sie nicht.

Ein älterer Kollege hat mal zu mir gesagt, dass ich kein Gesicht habe. Ich war sehr erstaunt mit meinen gut 30 Jahren. Dann hat er mir erklärt, dass man erst ein Gesicht hat, wenn man auch Falten und Runzeln hat. Wenn sich deine Lebensgeschichte so nach und nach und über die Jahre im Gesicht abgebildet hat, dann erst hast du ein Gesicht. Jetzt, Jahre später, habe ich ein Gesicht.

Wie wäre es denn, wenn ich mich morgens vor den Spiegel stelle und laut sage: Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin! Da kommt eine Frau zu mir und sagt: Niemand versteht mich! Und was ist mit ihrem Mann? - so frage ich sie. Ach, der versteht mich auch nicht! Und manchmal verstehe ich mich selbst ja auch nicht mehr!

Jeder Mensch ist einmalig, unverwechselbar. Jeder lebt in seinem eigenen „Universum". Das kann auch einsam machen, sicher, und man kann nur sehr bedingt von sich auf andere schließen. Aber die tiefsitzende Sehnsucht nach Annahme und Verständnis bleibt. Und kein Mensch kann diese Sehnsucht wirklich stillen, kein Ehepartner, kein allerbester Freund, keine allerbeste Freundin.

Auch eine christliche Gemeinde kann dir das nicht geben, was du wirklich brauchst. Und wie häufig wird gerade das erwartet und wie groß ist dann die Enttäuschung, wenn es ausbleibt! Wer bin ich? Wenn man mal bedenkt, wie viele Menschen mich so im Laufe meines Lebens geprägt und geformt haben! Und sie alle haben mir ihre Erwartungen hingehalten und ich habe oft versucht, sie zu erfüllen.

Der Psalmdichter schaut nicht auf Menschen, seine Erwartungen machen sich an Gott fest. Du, Gott, hast mich zusammengefügt im Schoß meiner Mutter, sagt er. Du hast meine Persönlichkeit bereitet. Selbst als ich noch gar nicht gezeugt war, hast du dich schon auf mich gefreut! Du hast meine Nieren, mein Inneres, mein inneres Erleben geschaffen. Wie solltest du mich da nicht verstehen!? Bei dir, Gott, kann ich mehr und mehr lernen, wer ich wirklich bin: geliebt und gewollt.

Ich bin ein Unfall, so hat es mal ein junges Mädchen gesagt. Meine Mutter hat das oft zu mir gesagt, dass ich ein Unfall bin. Eigentlich sollte ich nicht auf der Welt sein. Es hat bei ihr ganz lange gedauert, bis es tief in ihrer Seele angekommen ist: Nicht, was meine Eltern über mich sagen, ist maßgeblich und bestimmend, sondern was Gott über mich sagt. Ich bin ein Glücksfall!

Wenn ein Mensch wissen will, wer er ist, dann muss er sich an seinen Schöpfer, an Gott selbst wenden. Auch das gehört dazu: Erforsche mich, Gott, und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. (Vers 23f.) Gott liebt mich und dazu gehört auch, dass er mir hilft, dass ich klar sehen kann und erkenne, wer ich bin.

Manchmal bin ich erschrocken über mich selbst. Ich kann auch böse, dumm, gemein und kleinlich sein. Es ist heilsam, wenn ich das sehe. Es gibt Dinge in meinem und deinem Leben, die müssen mir und dir vergeben werden. Dafür ist Jesus gestorben. Gott will dich frei sehen und er möchte dein Leben so gestalten und formen, wie es deiner tiefsten Bestimmung entspricht.

Ihr Pastor Jochen Herrmann