Losung des Tages

21. Oktober 2019

Wehe den Hirten, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
Hesekiel 34,2

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.
Philipper 2,4

Gedanken zum Monatsspruch

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Oktober: Markus 12,44
Sie alle haben von ihrem Überfluss gegeben; diese Frau aber, so arm sie ist, hat alles gegeben, was sie besaß.

Lieber Leser!

Der Evangelist Markus berichtet in Kapitel 12 ab Vers 41 über eine Begebenheit mit Jesus, der sich beim Tempel neben die Opferkästen stellt und das Spendenverhalten der Frommen beobachtet. Anders als bei uns wurde die Höhe des eingelegten Geldes laut ausgerufen, zumindest bei denen, die mehr gegeben haben als üblich.

Überweisungen, Online-Banking, Daueraufträge; so etwas gab es damals noch nicht. Man musste schon persönlich vorstellig werden und in aller Öffentlichkeit zeigen, wie wichtig einem Gott, der Erhalt des Tempels, der Dienst der Priester waren. Es gab da Reiche, die haben aus dem Vollen geschöpft. Die haben es ordentlich klimpern lassen. Bei ihnen wurde nicht nur die Höhe des gegebenen Geldes laut ausgerufen, sondern da gab es auch noch zusätzlich ein Posaunensolo. So konnte jeder hören und sehen, wer hier viel gibt. Jesus kritisiert nicht die Spendenpraxis, auch nicht das übertriebene Getue, wenn reiche Spender geehrt werden.

Wenn es dir möglich ist, aus dem Vollen zu schöpfen, dann tu das. Gerne geben ist auch eine Gabe, die Gott schenken kann. Und eine christliche Gemeinde, wie es unsere ist, lebt davon. Für uns treibt kein Staat die Kirchensteuer ein, wie es etwa bei der Ev.-Luth. Kirche oder der Katholischen Kirche geschieht. Wir finanzieren uns selbst und drücken damit auch unsere Unabhängigkeit aus.

Jesus steht an den Opferkästen und beobachtet das Spendenverhalten. Da kommt auch eine arme Witwe und legt zwei Lepta rein. Alle schauen peinlich berührt weg. Der Ausrufer schweigt und die Posaune kommt natürlich auch nicht zum Einsatz. Zwei Lepta entsprechen etwa dem Wert eines Euros. Damit kann man keinen Tempel erhalten. Damit kann man auch die Personalkosten nicht bestreiten. Jesus, der bis jetzt ruhig war, wird plötzlich aktiv. Er ruft seine Jünger zusammen. Er sagt: Seht euch diese Frau an! Sie hat mehr gegeben als die anderen. Angesichts ihrer Lebenssituation hat sie alles gegeben. Sie hat nicht nur 10%, sie hat 100% gegeben.

Man kann es leichtsinnig nennen, aber man kann es auch Vertrauen einüben nennen. Hier Gott, hier hast du mein Leben. Ich vertraue darauf, dass du für mich sorgen wirst. Ich gebe mich ganz in deine Hand. Diese Frau ist frei von der Furcht, im Leben zu kurz zu kommen.

Jesus steht an den Opferkästen und beobachtet das Spendenverhalten der Frommen. Kurze Zeit später macht er sich selbst zum Opfer und gibt sich ganz in die Hand seines himmlischen Vaters.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

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