Losung des Tages

27. Oktober 2020

Ich weiß wohl, es ist so: Wie könnte ein Mensch recht behalten gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eines antworten.
Hiob 9,2.3

Der Schriftgelehrte sprach zu Jesus: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.
Markus 12,32-34

Gedanken zum Monatsspruch

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Oktober: Jeremia 29,7
Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht es euch auch wohl.

Lieber Leser!

Die Juden sitzen im Exil auf gepackten Koffern. So könnte man die Situation als Bild beschreiben. Sie wollen hier nicht bleiben. Sie wollen zurück in die Heimat. Sie können sich mit dem, was sie hier vorfinden, nicht anfreunden. 900 Kilometer weit weg von Jerusalem. Und Babel war nicht nur eine Stadt; Babel ist der Inbegriff für alles Böse und Gottferne! Das war hier einfach kein Leben.

Die Sehnsucht nach normalen Verhältnissen, nach Tempelbesuch und Gottesdiensten ist riesengroß. Und einer hat's gewusst und ihnen schon vorhergesagt: Jeremia. Dieser Prophet hat die Zukunft schwarzgemalt und dann ist es tatsächlich so gekommen. Die Exilanten haben Babel und diesen Unglückspropheten dafür gehasst. Und so wollen sie dort auch nicht „warm werden" im fremden Land und warten darauf, dass es hoffentlich bald wieder heimwärts geht.

So, wie viele derzeit auf normale Verhältnisse warten und hoffen, dass die „Corona-Zeit" bald durch ist. Sie warten auf bessere Zeiten. Sie legen die Hände in den Schoß. Was soll man sich da auch abmühen und womöglich schauen, was noch geht? Da hinein kommt die Botschaft des Propheten Jeremia, eine unbequeme Botschaft für „Aussitzer" und solche, die lieber auf bessere Zeiten warten: Baut Häuser, legt Gärten an und lebt von den Früchten! Heiratet, gründet Familien, zieht Kinder groß! (Verse 5-6) Und packt endlich eure Koffer aus, denn es wird noch richtig lange dauern, bis ihr wieder eure Heimat seht.

70 Jahre müssen sie warten. Viele von ihnen werden nie die Heimat erleben. Ich hoffe mal nicht, dass wir 70 Jahren mit Covid 19 oder ähnlichen Infektionskrankheiten zubringen müssen. Aber wer weiß das schon so genau!? Jeremia fordert die Menschen auf, sich zur Gegenwart zu bekehren. Nehmt euer Leben jetzt an und hofft nicht auf bessere Zeiten! Hört auf, an den „Flüssen Babylons" zu jammern und zu klagen!

Sicher kann Gott in Null Komma nichts die Situation verändern. Aber wenn es nicht geschieht, dann fangt an, euch darin einzurichten. übernehmt endlich Verantwortung! Und natürlich sollen die Juden in den nächsten sieben Jahrzehnten ihren Gott nicht vergessen. Wenn ihr mich anruft, verspricht ihnen Gott, so will ich euch antworten. Wenn ihr zu mir betet, will ich auf euch hören. Wenn ihr mich sucht, will ich mich von euch finden lassen. (Verse 12-13)

Die lebendige Glaubensbeziehung soll nicht abreißen, schon gar nicht in solchen Zeiten! Und was werden eure Kinder und Kindeskinder noch von mir wissen, wenn sie in der Zukunft mal nach Jerusalem kommen, wenn ihr es ihnen jetzt nicht erzählt? Manchmal spricht man von einem Generationenvertrag. Gemeint ist dann oft, dass es einen unausgesprochenen „Vertrag'' zwischen der beitragszahlenden und der rentenbeziehenden Generation gibt. Es gibt auch einen „geistlichen" Generationenvertrag, den eine christliche Gemeinde hat: Wie wir heute das Gemeindeleben gestalten, das wird sich ganz spürbar für die nachfolgenden Generationen auswirken.

Sucht der Stadt Bestes! So sagt es Jeremia. Eigentlich steht da: Sucht den Frieden der Stadt und betet für sie zum Herrn. Frieden – Schalom meint ein versöhntes Miteinander. Dafür soll sich die Exilgemeinde damals und auch die christliche Gemeinde heute stark machen. Wenn es um die gesellschaftliche Verantwortung geht, sind Freikirchen ja oft eher vorsichtig. Als ein Pastorenkollege von mir in die SPD eingetreten ist, gab's in seiner Gemeinde viel Gegenwind. Aber man muss ja nicht gleich Parteimitglied werden. Es gibt so viele Alltagssituationen, wo wir den Frieden Gottes „hineintragen" können. Und beten geht immer.

Die schönen Bilder von der „Stadt auf dem Berg", vom „Licht für die Welt" und vom „Salz für die Erde" (Matthäus 5, 13-14) können uns helfen, so zu leben, wie Gott es gerne möchte.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

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