Losung des Tages

15. Juni 2021

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Psalm 66,20

Haltet fest am Gebet, wachen Sinnes und voller Dankbarkeit!
Kolosser 4,2

Gedanken zum Monatsspruch

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Juni: Apostelgeschichte 5,29
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Lieber Leser!

Das Synhedrium, auch Sanhedrin, der Hohe Rat ist die damals höchste religiöse, juristische und politische Aufsichtsbehörde in Israel. Man kann sie vielleicht mit dem heutigen Bundesverfassungsgericht vergleichen, wobei das in religiösen Fragen nicht entscheidet, sondern eher darauf achtet, dass die deutsche Verfassung nicht zu kurz kommt und die Grundrechte eingehalten werden. So wacht diese Behörde auch darüber, dass der Artikel 4 des Grundgesetzes eingehalten wird: "Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet."

So gut hatten es die ersten Christen nicht. Sie konnten nicht ungestört ihren Glauben an Jesus Christus predigen. Mehrfach hatten sie eine Vorladung bekommen. Einmal hat man sie schon festgesetzt und danach vermahnt, ihnen gesagt: Sie sollen keinesfalls reden oder predigen in dem Namen Jesus. (Kapitel 4, 18) Petrus und Johannes können sich nun nicht auf einen Artikel des israelisch en Grundgesetzes berufen, aber sie berufen sich auf die höchste richterliche Instanz, die es überhaupt gibt. Sie argumentieren: Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als ihm. (Vers 19)

Und dann stellen sie sich als notorische Wiederholungstäter hin und setzen noch einen obendrauf: Wir können es ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. (Vers 20) Ja, was kann man mit solchen Leuten anfangen!? In islamisch regierten Ländern müssen sie mit dem Schlimmsten rechnen. Hier werden sie zunächst freigelassen. Sie werden bedroht, aber man lässt sie ziehen. Die spektakuläre Heilung des gelähmten Mannes an der Tempeltür (Kapitel 3), das Wohlwollen, das sie beim Volk hatten, verunsichert die Ordnungshüter. Sie können diese Leute, die in dem Gekreuzigten den Messias sehen, noch nicht so richtig einordnen.

Aber sie bleiben dran, denn der Zulauf, den diese junge Bewegung hatte, ist enorm, beängstigend. In der Vollmacht des Heiligen Geistes geschehen viele Wunder. Sie predigen das gute Evangelium. (Kapitel 5, 12ff.) Erneut kommen die Apostel in Haft und für die Ordnungskräfte auf nicht zu erklärende Art und Weise auch wieder frei. (Verse 17ff.) Kaum sind sie draußen, suchen sie die Öffentlichkeit, um da weiterzumachen, wo sie aufgehört haben: Sie stehen im Tempel und lehren das Volk. (Vers 25) Die Ordnungskräfte des Synhedriums bringen die Jünger Jesu vor die Männer, die damals das Sagen hatten. Hier werden sie an das Redeverbot erinnert, auch daran, dass sie sich daran nicht gehalten haben: Ganz Jerusalem ist erfüllt mit der neuen Lehre. (Vers 28)

Die Jünger, allen voran Petrus, erinnern die Gesetzeshüter an das, was sie bereits, einige Zeit vorher, gesagt haben: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Dieser Satz ist als „clausula Petri" in die Geschichtsbücher eingegangen. Die Klausel des Petrus umschreibt den Loyalitätskonflikt, in dem sich die Nachfolger Jesu hier befinden. Wenn Jesus in Matthäus 22 sagt: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist; dann heißt das: Erfüllt eure Pflichten als Bürger einer Gesellschaft, in die Gott euch stellt, solange Gott dabei nicht „auf der Strecke bleibt".

Wenn der Staat etwas von mir fordert, was dem Willen Gottes eklatant widerspricht, dann muss ich es nicht erfüllen. Genauso denkt Paulus, wenn er in Römer 13 die staatliche Obrigkeit als von Gott eingesetzt sieht, wenn sie für ein gutes Miteinander sorgt. In Vers 7 bezieht er sich ganz klar auf Jesus, wenn er schreibt: So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt. Und es gilt letztlich, was Paulus einige Kapitel später abschließend schreibt: Diesem Gott, der allein weise ist und den wir durch Jesus Christus preisen, gebührt die Ehre für immer und ewig. Amen. (Kapitel 16,27)

Ihr Pastor Jochen Herrmann

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