Losung des Tages

26. Mai 2022

Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein.
Psalm 92,14-15

Jesus spricht: Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Johannes 16,22

Gedanken zum Monatsspruch

Pastor Herrmann
Pastor Herrmann

Monatsspruch für Mai: 3. Johannes 2
Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

Lieber Leser!

Der 3. Johannesbrief ist kurz und sehr persönlich, ein Privatbrief. Der Absender stellt sich uns als „der Älteste" vor und wird in der Auslegungsgeschichte als der Jünger Johannes identifiziert. Johannes schreibt einen Brief an Gajus. Dieser Mann ist unbekannt. Aber wir erfahren in dem kurzen Brief eine Menge über ihn. Er ist treu in dem, was er anderen tut. Er kümmert sich um seine Geschwister in Liebe. Er nimmt sie an und auf. Man kann vermuten, dass er nicht nur eine freundliche Art hatte, bei der es einem leichtfällt, sich ihm anzuvertrauen, sondern vielleicht auch ein offenes Haus hatte, um etwa durchziehende Geschwister bei sich aufzunehmen.

Gastfreundschaft unter Christen war wichtig, weil Menschen, die Jesus nachgefolgt sind, dann aus allen jüdischen Versorgungsstrukturen rausgefallen sind. Herzlichkeit, Verbindlichkeit, auch ganz praktische Unterstützung gehörten zum Überleben der ersten christlichen Gemeinden. Gajus war in diesen Dingen ein Vorbild. Er hat auch dafür gesorgt, dass Geschwister für die Mission mit allem Nötigen versorgt waren. Er wandelte in der Wahrheit. Denken, Haltung und Lebensvollzug geben ein stimmiges Bild ab. Über die konkrete Ortsgemeinde hinaus hatte Gajus einen guten Ruf.

Bei einem gewissen Diotrephes sieht es da schon ganz anders aus. Er ist ein Quertreiber, einer, der andere aus der Gemeinde rausdrängt, Unruhe schafft. Er spielt sich auf, will Macht an sich reißen. Er verweigert Geschwistern auf der Durchreise die Gastfreundschaft und stachelt andere auf, es ebenso zu halten. Johannes schreibt, dass es selbst ihm schwerfällt, sich dort Gehör zu verschaffen. Aber er will es sich nicht nehmen lassen, persönlich vorbeizuschauen, um auch das üble Gerede gegen ihn zu entlarven. Das erinnert an Paulus, der in der Gemeinde in Korinth einen ähnlich schweren Stand hatte.

Wenn ich das lese, denke ich jedes Mal, dass christliche Gemeinden eben keine „Schutzräume" sind, wo das, was wir sonst kennen an Missgunst, Niedertracht und Manipulation, einfach nicht vorkommen. Doch, es kommt alles vor und manchmal ganz kräftig. Johannes spricht es offen an und will es nicht dulden. Er lobt und tadelt. So haben wir hier ein Zeugnis, wie konkret die ersten Gemeinden damit umgegangen sind. Zu einem Privatschreiben gehören auch die persönlichen Wünsche des Absenders für den Adressaten, also fürGajus. Johannes wünscht ihm Wohlergehen. So fängt der Brief an. Er wünscht ihm körperliche Gesundheit, aber auch, dass es seiner Seele wohlergeht.

Die Seele drückt sich im Denken, Fühlen und Wollen eines Menschen aus. In der Seele spiegelt sich auch meine Gottesbeziehung wider. Eine Seele, der es gutgeht, hat eine lebendige, gepflegte Gottesbeziehung. Aber Johannes spielt das eine nicht gegen das andere aus. Er wünscht seinem Freund körperliche Gesundheit für das zeitliche bzw. irdische Wohlergehen und ewiges Wohlergehen für die Seele.

Ihr Pastor Jochen Herrmann

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