
Monatsspruch für Juni: Hebräer 13,3
Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!
Liebe Leser!
Der Brief ist zu einer Zeit geschrieben, in der viele Christen bis zur Vollstreckung ihres Urteils in Haft waren. Es gab keine Versorgung durch die staatlichen Organe. Das haben die Verwandten, gute Freunde und oft eben auch die Geschwister der christlichen Gemeinde übernommen. Sie haben das Essen vorbeigebracht, auch Kleidung, überhaupt den Kontakt gehalten. Sie haben sie getröstet, ermutigt, mit ihnen gebetet, Zeit an der Seite der Gefangenen verbracht, die ja oftmals kurze Zeit später hingerichtet worden sind. Manche Gefangene konnte man auch freikaufen. Die Schwestern und Brüder haben dann für sie gesammelt.
Vergesst sie nicht, ermahnt, erinnert der Schreiber des Hebräerbriefes. Kümmert euch um sie! Wir wissen von der langen Haft des Paulus. Viele Briefe sind in dieser Zeit entstanden, die sogenannten Gefangenschaftsbriefe: Epheser, Philipper, Kolosser, Philemon. Für diese Briefe war Papier nötig, oft Papyrus, auch ein Kalamos, ein angespitztes Schreibrohr aus Schilf und Tinte. Das haben ihm liebe Geschwister vorbeigebracht, haben auch in seinem Namen geschrieben, standen ihm während der Haft zur Seite. Von Silas wissen wir es, auch Timotheus und Lukas waren bei ihm.
Die christliche Hilfsorganisation Open Doors kümmert sich um Christen, die einsitzen, schreibt Petitionen, zeigt, dass sie nicht vergessen sind. Paulus bedankt sich bei den Geschwistern in Philippi ausdrücklich für die Hilfe, die ihn über Epaphroditus erreicht hat. Er freut sich, dass sie, bewegt vom Geist Gottes, für ihn sorgen. (Phil 4,10)
Denkt an sie, betet für sie, besucht sie, alle, die isoliert leben und die Gemeinschaft vermissen. Das ist ganz im Sinn des Hebräerbriefes. Ich denke, wer krank und alt ist, fühlt ähnlich, wenn er, wenn sie nicht mehr zur Gemeinde kommen kann. Jesus identifiziert sich mit ihnen. Wer sie besucht, ihnen Kleidung gibt, sie mit Essen versorgt, der tut es für mich, sagt er in Matthäus 25, ab Vers 35.
Gute Taten machen keinen guten Christen, aber gute Christen machen gute Taten. Dieser Satz wird Martin Luther zugeschrieben, der, obwohl er den Jakobusbrief nicht so mochte, ganz klar einen Zusammenhang gesehen hat zwischen dem von Gott geschenkten Glauben, zwischen der erwiesenen Gnade in Jesus Christus und dem daraus resultierenden Wunsch, Gutes zu tun.
Ich wünsche dir da viele Gelegenheiten und dass darüber Gott geehrt wird. Jede einzelne Gabe soll mit der Hilfe von Jesus
Christus so eingesetzt werden, dass Gott geehrt wird. (1. Petrus 4,11b
Ihr Pastor Jochen Herrmann