
Monatsspruch für April: Johannes 20,29
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Liebe Leser!
Sicher kennst du die ganze Geschichte. Die Jünger sitzen nach Karfreitag hinter verschlossenen Türen, auch ihre Herzen sind zu, dicht. Da ist kein Platz für eine Auferstehung, kein Gedanke daran, dass es tatsächlich wahr ist, was Maria Magdalena ihnen erzählt hat: Er, Jesus, lebt, hat den Tod überwunden.
In diese Abgeschlossenheit kommt nun Jesus hinein: Friede sei mit euch! Und er zeigt seine Wundmale an den Händen, auch die Seite, wo der Soldat ihn mit seiner Lanze verletzt hat. Sie sollen es sehen, dass er es ist, der Gekreuzigte ist der Auferstandene. Da wurden die Jünger sehr froh, heißt es. Jesus spricht ihnen noch einmal seinen Frieden zu und sendet sie dann in der Kraft seines Geistes und in Vollmacht zu den Menschen. Aber Thomas, genannt Didymus, also Zwilling, ist nicht dabei. Und als sie ihm nun voller Freude davon erzählen, was passiert ist: Wir haben den Herrn gesehen, sagt er: Ich will mich persönlich davon überzeugen, ob es stimmt, was ihr mir hier erzählt. Er sagt: Erst wenn ich meine Hände in die Wundmale legen kann, die er an den Händen hat, und auch die durchbohrte Seite ertasten kann, dann will ich es wohl glauben.
So kennen wir ihn, als den ungläubigen Thomas. So hat er seinen Namen bekommen, der Typ, der einfach nicht glauben will. Aber das finde ich nicht fair. Was soll er machen? Er war halt nicht dabei. Die anderen haben in seiner Abwesenheit etwas Großartiges erlebt, das er nicht mit ihnen teilen kann. Soll er jetzt sagen: Okay, wenn ihr mir das erzählt und weil ich euch vertraue, will ich es auch mal glauben. Das sind dann aber Erfahrungen aus zweiter Hand. Geschichten glauben, was andere mit Jesus erlebt haben, ersetzen aber nicht das. Was ich brauche, sind doch eigene Glaubenserfahrungen.
Ich habe eine Zeit lang gerne Biografien gelesen, von Männern und Frauen, was sie mit Gott, mit Jesus erlebt haben. Bis ich angefangen habe, mich mit ihnen zu vergleichen. Das war dann nicht mehr so toll. Und dann habe ich damit aufgehört und geschaut, wo Jesus in meinem Leben handelt, was er tut, was ich mit ihm heute erfahren kann. So kann ich Thomas gut verstehen. Die Zeugnisse anderer Menschen machen mir heute Mut, zu schauen, was ich alles mit Jesus erleben kann. Ich brauche eigene Erfahrungen, damit ich im Glauben wachsen kann. Ich brauche Erfahrungen im Glauben. Auch wenn sie eindrücklich sind, können sie mit der Zeit verblassen. Jesus schenkt uns gerne frische. Er kommt also nicht nur für Thomas, auch die anderen brauchen seinen Besuch. Aber Thomas braucht Jesus hier besonders. Jesus wendet sich ihm auch gleich zu.
Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! So sagt er es. Ob Thomas es gemacht hat, wird nicht überliefert, nicht erzählt. Wir kennen nur seinen Ausruf, sein Bekenntnis. Thomas sagt: Mein Herr und mein Gott! Er ist völlig überwältigt. Wenn du das auch so sagen kannst, dann ist es das Größte und Schönste. Ich wünsche es dir sehr. Jesus sagt dann noch: Selig sind die, die glauben, auch wenn sie nicht sehen! Das sind wir heute. Wir können Jesus nicht betasten, aber Jesus kann uns berühren, im Heiligen Geist kann er es tun, sodass wir ganz froh darüber werden. Er kann zu uns sprechen durch sein Wort, durch Menschen, durch ein Lied. Er schenkt vielfache Beweise seiner Gegenwart.
Ich wünsche dir, dass du sie gut wahrnehmen kannst! Ich wünsche dir frische Glaubenserfahrungen aus erster Hand!
Ihr Pastor Jochen Herrmann